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Ägypten: Fünf Tote bei Ausschreitungen in Port Said

Eigentlich sollten mit der Verlegung von 39 Gefangenen Unruhen vermieden werden, so das Innenministerium. Stattdessen starben beim Protest gegen die Verlegung fünf Menschen, fast 600 wurden verletzt.

Bei Ausschreitungen im ägyptischen Port Said sind nach Regierungsangaben fünf Menschen getötet worden. Zudem wurden bei den Protesten in der Nacht zum Montag gegen die geplante Verlegung von Häftlingen fast 600 Menschen verletzt, wie die Sicherheitskräfte in der Stadt mitteilten. Auch in der Hauptstadt Kairo gab es Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei.

In Port Said schossen Unbekannte nach Angaben des Innenministeriums vor einer Polizeistation wahllos um sich. Zwei Polizisten seien durch Schüsse in Kopf und Hals getötet worden. Dem Gesundheitsministerium zufolge starben auch drei Demonstranten. Zuvor hatten Demonstranten das Polizeirevier mit Steinen und Molotowcocktails beworfen. Die Polizei reagierte mit dem Einsatz von Tränengas.

Die Auseinandersetzungen entzündeten sich an der Entscheidung des Innenministeriums, 39 Gefangene aus der Stadt zu verlegen. Als Grund gab das Ministerium an, Unruhen vermeiden zu wollen. Bei den Häftlingen handelt es sich um Angeklagte in den Prozessen um tödliche Fußballkrawalle in Port Said im Februar 2012. Damals waren 74 Menschen ums Leben gekommen. Am Samstag sollen die Urteile gesprochen werden.

Todesurteile gegen 21 Angeklagte

Im Zusammenhang mit der juristischen Verfolgung der Verantwortlichen für die Krawalle gibt es seit Wochen Auseinandersetzungen. Todesurteile gegen 21 weitere Angeklagte führten im Januar zu schweren Unruhen mit mindestens 40 Toten. Seit drei Wochen gibt es zudem einen Generalstreik in Port Said.

In der Nacht gab es auch Zusammenstöße im Zentrum von Kairo. In der Nähe des Tahrir-Platzes setzte die Polizei nach Angaben aus Sicherheitskreisen Tränengas gegen Demonstranten ein, die sich auf ein Luxushotel am Nil-Ufer zu bewegten. Am Morgen habe sich die Lage beruhigt.

In Ägypten gibt es seit Monaten Proteste gegen den islamistischen Präsidenten #Link;http://www.stern.de/politik/mohammed-mursi-91466010t.html;Mohammed Mursi#. Bei Ausschreitungen werden immer wieder Menschen getötet und verletzt. Mursis Gegner werfen dem Staatschef vor, die Ziele des Volksaufstands gegen den damaligen Präsidenten #Link;http://www.stern.de/politik/ausland/aegyptens-ex-praesident-neuer-prozess-gegen-husni-mubarak-1978846.html;Husni Mubarak nicht umzusetzen und keine Antworten auf die wirtschaftlichen Probleme des Landes zu haben. Zudem kritisieren sie den großen Einfluss der islamistischen Muslimbruderschaft, der Mursi entstammt.

ger/AFP / AFP