Antalya Zehnter Verhandlungstag im Fall Marco


Und immer ist noch kein Urteil in Sicht: Zum mittlerweile zehnten Verhandlungstag im Fall Marco W. kommen Richter und Anwälte in Antalya zusammen. Denn noch immer liegen nicht alle Dokumente vor.

Auch ein Jahr nach Beginn des Missbrauchs-Prozesses gegen Marco aus dem niedersächsischen Uelzen ist kein Urteil in Sicht. Zum zehnten Verhandlungstag vor dem Schwurgericht in Antalya am Freitag rechnen die Anwälte beider Seiten mit einer erneuten Vertagung.

Marco wird vorgeworfen, im Osterurlaub 2007 als damals 17-Jähriger die 13-jährige Britin Charlotte sexuell missbraucht zu haben. Das für eine Fortsetzung des Verfahrens benötigte Gutachten zum Zustand des Mädchens liege noch nicht vor, sagte Charlottes Anwalt Ömer Aycan am Donnerstag. Seiner Mandantin gehe es immer besser. "Ihr Zustand ist gut, besser als noch vor einem Monat." Marco, der vor Weihnachten aus achtmonatiger Untersuchungshaft entlassen worden war, reist nicht zum Prozess an.

Der angeklagte Jugendliche hatte im Dezember 2007 überraschend und ohne Auflagen nach Deutschland zurückkehren dürfen. Bei der Verhandlung Anfang April entschied die Kammer, dass Marco künftig nicht mehr an den Sitzungen teilnehmen muss, die meist nach wenigen Minuten vertagt worden waren. Der Vorsitzende Richter Abdullah Yildiz hatte das Verfahren bereits Anfang November 2007 abgeben wollen. Ein übergeordnetes Gericht lehnte sein Entbindungsgesuch jedoch ab.

Marco bestreitet die Missbrauchs-Vorwürfe und spricht von einvernehmlichen Zärtlichkeiten auf dem Zimmer des Mädchens, nachdem sich beide in der Disco kennengelernt hatten. Das Mädchen soll sich zudem als 15-Jährige ausgegeben haben. Nach einer Anzeige von Charlottes Mutter am 12. April 2007 klickten in Marcos Urlaubshotel in Side die Handschellen.

Der Prozess gegen Marco hatte am 3. Juli 2007 begonnen. Er war im Monatsrhythmus immer wieder vertagt worden, bis schließlich Ende November die Aussage der in England vernommenen Charlotte in der Türkei eintraf. Die lange Dauer der Untersuchungshaft für den Jugendlichen hatte in Deutschland zu erheblichem Protest auch von Politikern geführt. Ein Gutachter hatte vor Gericht bereits im August 2007 Marcos Aussage gestützt, dass das Mädchen nicht vergewaltigt wurde und auch keinen Geschlechtsverkehr hatte.

Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurde Marco trotz der versäumten Schulzeit der Realschulabschluss zuerkannt. Inzwischen besucht er eine Fachoberschule und macht ein Praktikum in einem Elektrofachmarkt. Marco leidet seinen Anwälten zufolge an der anhaltenden öffentlichen Aufmerksamkeit an seinem Fall.

DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker