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Duisburg Ende nach 184 Verhandlungstagen: Gericht stellt Loveparade-Prozess ein – ohne Urteil

21 Menschen starben am 24. Juli 2010 bei einem Massengedränge im Zugangsbereich der Loveparade in Duisburg. Ein Theater will das schwierige Thema 2020 auf die Bühne bringen. (Symbolfoto)  
Gedenken an die Menschen, die am 24. Juli 2010 bei einem Massengedränge im Zugangsbereich der Loveparade in Duisburg starben
© Marcel Kusch / DPA
Das Landgericht Duisburg den Prozess um das Unglück bei der Loveparade 2010 eingestellt. Bei den verbliebenen Angeklagten wurde nur eine geringe Schuld vermutet. Damit endet einer der aufwendigsten Strafprozesse ohne Urteil.

Das Landgericht Duisburg hat den Prozess um das Unglück bei der Loveparade 2010 mit 21 Toten wie erwartet eingestellt. Bei den drei zuletzt verbliebenen Angeklagten hatte das Gericht zuvor nur eine geringe Schuld vermutet. Damit endet einer der aufwendigsten Strafprozesse der Nachkriegszeit ohne Urteil.

Staatsanwaltschaft: Einstellung leider akzeptabel

Die Einstellung sei zwar unbefriedigend, aber inzwischen vertretbar, obwohl sich der Tatverdacht gegen die Angeklagten nach vorläufiger Bewertung bestätigt habe, teilte die zuständige Staatsanwaltschaft bereits vor wenige Tagen in einer ausführlichen Stellungnahme mit.

Dem Verfahren drohte Ende Juli - zehn Jahre nach der Katastrophe - die Verjährung. Nach über 180 Verhandlungstagen zeichnete sich ab, dass wegen der Unterbrechung durch die Corona-Krise der Prozessstoff bis dahin nicht zu bewältigen sein wird.

Bei der Loveparade im Juli 2010 starben in Duisburg 21 Menschen im Gedränge, 650 wurden verletzt. "Viele der Verletzten leiden noch heute an den traumatischen Folgen des Ereignisses und kämpfen täglich damit", so die Staatsanwälte.

Drei Loveparade-Angeklagte

Angeklagt waren noch drei Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Dem Unglück sei eine mehrmonatige, intensive Planungsphase vorausgegangen. Die Angeklagten hätten dabei durchaus gewusst, dass es kritische Stellen gab, etwa die Vereinzelungsanlagen, im Tunnel sowie die Gefahr von Rückstaus beim Betreten und Verlassen der Eventfläche.

Die Ursachen der Tragödie vom 24. Juli 2010 seien inzwischen ermittelt worden, so die Staatsanwaltschaft. Weder das Gelände noch das Veranstaltungskonzept seien für die Loveparade geeignet gewesen. Die Besucherströme seien zudem fehlerhaft gesteuert worden, nicht zuletzt aufgrund mangelnder Kommunikation. Dies werde durch die bisherige Beweisaufnahme und das 3800 Seiten starke Sachverständigen-Gutachten belegt.

Das Verfahren sei dennoch nicht umsonst gewesen: Aus dem Sachverständigen-Gutachten könnten die erforderlichen Lehren gezogen werden, um derartige Katastrophen künftig zu vermeiden. Außerdem habe die Loveparade-Katastrophe zu einer deutlichen Verschärfung der Auflagen und Prüfungen von Großveranstaltungen geführt.

nik DPA AFP

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