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Ballettakademie der Wiener Staatsoper Kinder sollten mit dem Rauchen anfangen, um ihre Figur zu halten - jetzt gibt es personelle Konsequenzen

Susanne Reindl-Krauskopf, Vorsitzende der Untersuchungskommission, spricht bei der Präsentation des Abschlussberichtes zu den Vorwürfen gegen die Ballettakademie der Wiener Staatsoper.
Susanne Reindl-Krauskopf, Vorsitzende der Untersuchungskommission, spricht bei der Präsentation des Abschlussberichtes zu den Vorwürfen gegen die Ballettakademie der Wiener Staatsoper.
© Hans Punz / DPA
Die Vorwürfe sind erschreckend: Demütigung, Gewalt und Drill. An der Ballettakademie der Wiener Staatsoper soll der Kinderschutz grob missachtet worden sein. Jetzt gibt es erste personelle Konsequenzen. Die bisherige Leiterin wurde abberufen.

Die Ballettakademie der Wiener Staatsoper ist eine der prestigeträchtigsten Schulen Europas. 130 Schüler - meist aus dem Ausland - im Alter von 10 bis 18 Jahren genießen hier ihre Ausbildung. Doch zu welchem Preis? Wie bereits im April dieses Jahres bekannt wurde, sei der Kinderschutz an der Akademie grob missachtet worden.

Die Vorwürfe wiegen schwer: von Demütigungen, Gewalt und Drill ist die Rede. Schülerinnen seien durch ein Verspotten ihrer Körper in die Bulimie (Ess- und Brechsucht) oder Anorexie (Magersucht) getrieben worden. Eine Sonderkommission wurde nach Bekanntwerden der Anschuldigungen ins Leben gerufen. Die bemängelte die gesundheitliche Betreuung. Darüber hinaus gebe es weder klare Verantwortlichkeiten noch seien Prüfungskriterien transparent, befand die im Frühjahr von der Regierung eingesetzte Kommission in ihrem Abschlussbericht. Kulturminister Alexander Schallenberg sprach von "erschütternden Zuständen". 

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Rauchen für die gute Figur

Unter anderem sei den Kinder geraten worden, mit dem Rauchen anzufangen, so könnten sie ihre Figur halten. Die Schülerinnen wurden mit Vornamen und Konfektionsgröße angesprochen worden sein. Dieses Verhalten sei von einzelnen Lehrern über einen längeren Zeitraum gezeigt worden, sagte die Kommissionsvorsitzende Susanne Reindl-Krauskopf.

Besonders schlecht weg kommt die Leitung von STaatsoper und Ballettakademie. "Die Qualitätskontrolle durch diese beiden übergeordneten Organisationseinheiten ist so gut wie inexistent", heißt es in dem Bericht weiter. Ein Sprecher von Staatsopern-Direktor Dominique Meyer erklärte, dass eine fundierte inhaltliche Stellungnahme nach der sorgfältigen Durchsicht des Berichts erfolgen werde. Die Affäre in der Ballettakademie hat jetzt auch personelle Konsequenzen. Die bisherige Leiterin, die seit 2010 im Amt war, wurde abberufen. Es wird nach einer Neuausrichtung gestrebt, die soll vor allem im Sinne des Kindeswohls ausgestaltet werden - mit einer zeitgemäßen und professionellen Ausbildung.

dsw mit DPA

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