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Prozess in Berlin: Mann soll Kind mit Leihmutter gezeugt haben, um es zu missbrauchen

Mit zwei Jahren soll ein Berliner Junge von seinem Vater sexuell missbraucht und dabei gefilmt worden sein. Die Anklage erhebt sogar den Vorwurf, das Kind sei nur zu diesem Zwecke gezeugt worden. 

Mann soll Kind gezeugt haben, um es zu missbrauchen

Im Berliner Landgericht wird ein Mann wegen Kindesmissbrauch angeklagt

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Eine ungeheuerliche Vermutung steht in diesen Tagen im Raum des Berliner Landgerichts. Der Angeklagte Dennis S. soll ein Kind gezeugt und durch eine Leihmutter ausgetragen lassen haben, um es später zu missbrauchen.

Wie der "Tagesspiegel" berichtet, sei das Kind auf Zypern geboren worden, um das Verbot der Leihmutterschaft in Deutschland zu umgehen. Von "einem großen Kinderwunsch" sprach die Verteidigerin des 38-Jährigen, für dessen Erfüllung er einen Weg gesucht habe. Die Anklage allerdings geht davon aus, dass vielmehr die Erfüllung der pädophilen Neigungen des Mannes zu der Zeugung des heute fast vierjährigen Jungen geführt habe. Sollte dass der Fall sein, droht dem Angeklagten eine langjährige Haftstrafe.

"Bilder ersetzen keinen Jungen"

Einige Chat-Nachrichten von Dennis S. immerhin, scheinen der Anklage recht zu geben. "Es war immer mein Ziel, einen Jungen haben zu können", schrieb er. "Bilder ersetzen keinen Jungen." 16 Fälle von Kindesmissbrauch von Juni bis Oktober 2019 werden dem Angeklagten zur Last gelegt. Er soll die Übergriffe gefilmt haben, der Junge war erst zwei Jahre alt. 

Und die Mutter? Sie erklärte bei einer Gerichtsverhandlung auf Zypern, dass sie auf das Sorgerecht verzichte. Der "Tagesspiegel"-Bericht legt nahe, dass Dennis S. die Frau bezahlte. Seine Verteidigerin sprach dem Blatt zufolge von einer Leihmutter. Um den Jungen nach Deutschland zu bringen und hier mit ihm zu leben, bediente S. sich einiger Tricks, heißt es weiter. Der zuständigen Mitarbeiterin beim Jugendamt in Berlin erzählte er von der Mutter des Kindes, die ihn für einen anderen Mann verlassen habe und nach Russland gegangen sei. Er sei von ihr vor die Wahl gestellt worden, sagt er vor Gericht: "Abtreibung oder ich nehme das Kind."

Ein Nachbar wandte sich an das Jugendamt

Unauffällig und zurückgezogen lebte Dennis S. mit dem Jungen erst bei seinen Eltern, dann in einer kleinen Wohnung in Berlin. Im Mai 2018 gab ein besorgter Nachbar einen Hinweis an das Jugendamt. Er habe sich über die Fäkalsprache gewundert, mit der S. den Jungen ansprach. Außerdem sei er mit seinem Kind nie auf den Spielplatz gegangen. 

Ab Juli 2018 wurde der Angeklagte regelmäßig von einer sozialpädagogischen Fachkraft betreut, weil er sich nach eigener Aussage überfordert gefühlt habe. Dass er zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Besitz von Kinderpornographie vorbestraft war und zu einer zehnmonatigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, wusste das Jugendamt nicht. 

Die Spur führt ins Ausland

Aufgedeckt wurde der Missbrauch schließlich durch das Bundeskriminalamt (BKA), das einen anderen Mann auf den Philippinen festnahm, der ebenfalls des Kindesmissbrauchs angeklagt ist und Kontakt zu Dennis S. hatte. In einem Chatverlauf fanden die Beamten die erwähnten Passagen des Angeklagten. Der "Berliner Zeitung" sagte eine Beamtin: "Die beiden Männer sprachen davon, über Leihmütter Kinder austragen zu lassen, um sie sexuell zu missbrauchen." Nach der Geburt des Jungen soll S. ein Foto von ihm verschickt und geschrieben haben: "Da isser!".

Im Oktober des vergangenen Jahres stürmte ein Einsatzkommando die Wohnung von Dennis S. und nahm ihn fest. "Das Kind streckte sofort die Arme nach mir aus", sagte eine Kriminalhauptkommissarin gegenüber der "Berliner Zeitung". "Der Junge klammerte sich an mich." Insgesamt 168.670 kriminelle Bilder und 7282 Videos fanden die Ermittler auf diversen Speichermedien in der Wohnung.

Quelle: Tagesspiegel, Berliner Zeitung

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sve