Deutscher Schulpreis 2007 Sieger kommen aus Hildesheim


In Berlin ist der Gewinner des diesjährigen Schulpreises bekannt gegeben worden: die Gesamtschule Hildesheim, die sich außerdem über 50.000 Euro freuen kann. Zudem sind weitere vier Schulen ausgezeichnet worden. stern.de stellt die Sieger vor.
Von Catrin Boldebuck

Die Robert-Bosch-Gesamtschule aus Hildesheim ist die beste Schule Deutschlands. Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) überreichte heute in Berlin Schulleiter Wilfried Kretschmer, Schülern, Eltern und Lehrern die begehrte Trophäe in Berlin. Die Schule erhält 50.000 Euro Preisgeld. "Herzlichen Glückwunsch, ihr seid ab heute die beste Schule Deutschlands", gratulierte Bildungsministerin Schavan. Franca von Sobbe, Schülerin in der zehnten Klasse an der Hildesheimer Schule, jubelte: "Das wir den Preis bekommen haben ist ein super Gefühl. Wir sind eine ganz tolle Schule!"

"Es geht auch anders!" - unter diesem Motto hatten die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung in Zusammenarbeit mit dem stern und dem ZDF den Deutschen Schulpreis in diesem Jahr erneut ausgeschrieben. Ziel des Wettbewerbs ist es, nicht nur gute Schulen in Deutschland zu finden und sie auszuzeichnen. Die Preisträger-Schulen sollen zu Vorbildern werden und ihre Erfahrungen weitergeben. Ein Netzwerk soll entstehen, eine Reformbewegung von unten. Damit Lehrer, Elter und Schüler gemeinsam ihre Schule verbessern.

"So guten Unterrichthabe ich selten gesehen"

stern-Chefredakteur Andreas Petzold: "Wir machen allen Generationen das Leben schwer, wenn wir Bildung vernachlässigen. Mit dem stern wollen wir für den Deutschen Schulpreis Öffentlichkeit schaffen, damit Eltern sich über vorbildliche Schulen informieren und ihre Wahl besser treffen können." 170 Schulen aus dem ganzen Bundesgebiet, von der Grundschule bis zum Gymnasium, haben sich in diesem Jahr beworben. Die Schulen wurde nach folgenden Kriterien beurteilt: Leistung, Umgang mit Vielfalt, Unterrichtsqualität, Verantwortung, Schulleben und Schulentwicklung.

Bei allen sechs hat die Robert-Bosch-Gesamtschule in Hildesheim (RBG) die Jury überzeugt. Außer dem Namen gibt es keine Verbindung zu Robert Bosch Stiftung. Der Sprecher der Familie, Christoph Bosch sagte: "Wir kannten Euch nicht." Die Jury der Bosch Stiftung hat die Hildesheimer Gesamtschule besonders gründlich geprüft. Der Sprecher der elf Experten, Peter Fauser, Professor an der Universität Jena, hat die Schule im Sommer zwei Tage inspiziert. Der Erziehungswissenschaftler sagt: "So guten Unterricht habe ich selten gesehen. Die Schule arbeitet ganzheitlich und projektorientiert. Anderen Schulen ist sie in ihrer Entwicklung zehn Jahre voraus. Sie wird hochprofessionell gemanagt."

Zunächst hatte die Schule einen üblen Ruf

Dabei sah es lange Zeit nicht nach einer Erfolgsgeschichte aus. Anfang der 90er Jahre hatte die Hildesheimer Gesamtschule einen üblen Ruf. Sie kämpfte um jeden Schüler. Vor gut fünf Jahren begannen die Lehrer und ihr Schulleiter Wilfried Kretschmer systematisch ihre Schule um zu krempeln und den Unterricht zu verbessern. Das hat sich herum gesprochen: Im Sommer musste Schulleiter Kretschmer von 380 Bewerbern über die Hälfte ablehnen. Und das macht die Schule so gut: 103 Lehrer unterrichten 1218 Schüler. Haupt- und Realschüler und Gymnasiasten lernen gemeinsam. Etwa 55 Prozent der Schüler haben eine Empfehlung für die Haupt- und Realschule. Doch an der RBG schafft jeder Dritte einen höheren Abschluss. Keiner bleibt sitzen, nur zwei Prozent gehen ohne Abschluss. Das ist eine enorme Leistung.

Der Unterricht dauert bis zum Nachmittag. Das hat die Jury überzeugt: "Bei der Ausgestaltung als Ganztagsschule setzt die Robert-Bosch-Gesamtschule Maßstäbe", heißt es in ihrer Begründung für den ersten Preis. Die Lehrer beobachten sich gegenseitig beim Unterrichten und analysieren ihre Methoden, um sie gezielt zu verbessern - undenkbar an anderen Schulen. Projektwochen, die den gesamten Unterricht lahm legen, gibt es nicht. Fächerübergreifendes Lernen findet so oft wie möglich und in jedem Fach statt. Gelernt wird nicht nur in der Schule. So fährt zum Beispiel der achte Jahrgang zur Sommerschule auf die dänische Insel Aarö. Die Schüler erforschen die Natur und halten Referate.

Weitere Preisträger

Außerdem wurden vier weitere Schule ausgezeichnet: die Helene-Lange-Schule in Wiesbaden, die Montessori Gesamtschule in Potsdam, das Friedrich-Schiller-Gymnasium in Marbach und die private Carl-von-Linné Schule für Körperbehinderte in Berlin. Sie erhalten 10.000 Euro. Gemeinsam mit den Lehrern der Robert-Bosch-Schule werden sie an der "Akademie des Deutschen Schulpreises"an Konzepten für die Schule der Zukunft arbeiten.


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