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MI6-Spion 2010 fand man einen Agenten tot in einer Reisetasche – kann ein Haar jetzt das Rätsel um seinen Tod lösen?

Haus von Gareth Williams
Ein Polizist bewacht das Haus, in dem die Leiche von dem Geheimdienstler Gareth Williams gefunden worden war
© Luke MacGregor / Reuters
Vor elf Jahren wurde ein britischer Agent tot und in einer Reisetasche verschlossen aufgefunden. War es ein Sex-Unfall oder doch Mord? Eine Haar-Analyse könnte neue Hinweise liefern. 

Nackt, in einer Reisetasche verpackt, tot. Die Geschichte um das Ableben des britischen Spions Gareth Williams vor elf Jahren ging um die Welt. Handelte es sich um Mord? Die Ermittler waren einigermaßen ratlos. Denn die Reisetasche, die man in der Badewanne in der Londoner Wohnung des Geheimdienstlers fand, war mit einem Vorhängeschloss verschlossen worden, doch der Schlüssel lag bei Williams im Inneren. Jetzt könnte der Fall endlich gelöst werden – mithilfe eines Haares.

Bis heute konnte nicht geklärt werden, wie der 31-jährige MI6-Agent zu Tode kam. War es ein Unfall, Selbstmord, Mord? Der Fall ist ein Mysterium. Zwar kamen die Ermittler 2012 zu dem Schluss, dass an der Geschichte etwas nicht ganz koscher sei, dass es sich wahrscheinlich um Mord handele. Aber schon im Jahr darauf wurde das wieder revidiert. Plötzlich war von einem Unfall die Rede. Williams sei wohl selbstständig in die Tasche gestiegen. 

War der Agententod ein Sex-Unfall?

Außerdem war da die Sache mit der Frauenkleidung. Die Ermittler fanden in der Wohnung haufenweise davon. Und nicht nur das. Auf dem Smartphone des Spions befand sich ein Video, das ihn nackt und einzig mit schwarzen Lederdamenstiefeln bekleidet, zeigte. Online soll er sich zudem über Bondage und Klaustrophilie informiert haben. War die Nummer mit dem Vorhängeschloss und der Reisetasche eine Art Sex-Spiel? Hinweise darauf, dass sich in der Wohnung eine weitere Person aufgehalten haben könnte, die dort nichts zu suchen hatte, fanden die Ermittler allerdings keine, wie ein Informant damals dem "Daily Telegraph" mitteilte.

Oder war es ein Mord unter Spionen? 2017 behauptete ein Ex-KGB-Mann, dass Williams von Kreml-Spionen ausgeschaltet worden sei, weil der sich geweigert habe, als Doppelagent zu arbeiten, "The Independant" berichtete. Williams war  Chiffrierexperte bei der britischen Regierungskommunikationszentrale, bevor er zum MI6 wechselte.

Agent Gareth Williams
Bis heute gibt der Tod des MI6-Agenten Gareth Williams Rätsel auf.
© Metropolitan Police/handout / Reuters

Neue Technik, neue Ermittlungen?

Jetzt könnten die Ermittlungen neue Fahrt aufnehmen. Bei der Leiche konnte damals ein Haar sichergestellt werden. Schon 2010 glaubten die Gerichtsmediziner, dass es nicht zu Williams selbst gehört. Ihnen fehlte jedoch die notwendige Technik, um ein DNA-Profil zu erstellen.

Ein gutes Jahrzehnt später ist die Wissenschaftlerin Angela Gallop optimistisch, das Rätsel lösen zu können. In einem anderen, lange zurückliegenden Mordfall, hatte Gallop bereits zur Aufklärung beitragen könne. Sie wäre "glücklich", dabei helfen zu können, auch diesen Fall zu knacken. Während früher eine Analyse ohne Haarwurzel schwierig gewesen sei, könne man heute schon mit winzigen Mengen Material ein Profil erstellen. 

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"Diese Art von Test kann Ihre DNA nicht von der Ihrer Mutter oder anderen mütterlichen Verwandten unterscheiden", sagte sie zwar, aber dennoch könnte er nützlich sein, wenn die Polizei eine bestimmte Person in Verdacht hätte. Das findet auch Hamish Campell, der damals die Untersuchung leitete. So habe man sowohl auf der Tasche als auch auf einem Handtuch DNA von weiteren Personen gefunden, die bisher nicht identifiziert werden konnten. Diese DNA nun mit modernen Mitteln neuerlich zu überprüfen, wäre ein Versuch wert, sagte er.

Nur die Metropolitan Police sieht das anders. Dort hegt man keine Ambitionen den Fall neu aufzurollen, der Fall sei bereits umfassend untersucht worden. Demnach ist die Polizei wohl weiterhin überzeugt davon, dass der 31-jährige Williams aus eigenen Stücken in die Reisetasche kroch, diese verschloss und verstarb.

Quelle: The Telegraph (1), The Telegraph (2), The Independant

tpo

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