Am Donnerstag (12. März 2025) sollte Charles „Sonny” Burton im US-Bundesstaat Alabama mit Stickstoff hingerichtet werden. Burton wurde 1992 wegen Mordes zum Tode verurteilt. Mehr als 30 Jahre lang saß er im Todestrakt.
Erst zwei Tage vor seiner Exekution griff die Gouverneurin von Alabama ein. Sie könne mit der Hinrichtung „nicht guten Gewissens” fortfahren, teilte Kay Ivey mit. Die republikanische Politikerin wandelte die Todesstrafe in eine lebenslange Gefängnisstrafe um – ohne die Möglichkeit, auf Bewährung freizukommen.
Gouverneurin verhindert Hinrichtung
Der Dreh- und Angelpunkt in dem Kriminalfall: Burton war 1991 an einem Überfall beteiligt, bei dem ein Mann erschossen wurde. Er selbst jedoch gab nicht den tödlichen Schuss ab, hatte den Tatort zu dem Zeitpunkt sogar schon verlassen. Dennoch wurde Burton zum Tode verurteilt. Der eigentliche Täter bekam ebenfalls die Todesstrafe, diese wurde jedoch in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt, weil seine Verteidigung unzureichend gewesen sein soll.
„Ich glaube, es wäre ungerecht, einen an diesem Verbrechen Beteiligten hinzurichten, während derjenige, der den Abzug betätigt hat, nicht hingerichtet wird”, erklärte Gouverneurin Ivey. „Er wird jetzt die gleiche Bestrafung wie der Schütze bekommen.”
Todesstrafe für den Mörder wurde umgewandelt
Dass ein Mann, der selbst niemanden getötet hat, hingerichtet werden sollte, hatte in den USA für Protest gesorgt. Selbst die Tochter des Opfers setzte sich dafür ein, Burton von der Todesstrafe zu verschonen. „Meine Liebe zu meinem Vater erfordert keinen weiteren Tod, insbesondere keinen, der der Vernunft widerspricht”, sagte sie dem „Montgomery Advertiser”. Der Gouverneurin schrieb sie, wie ihr Vater glaube auch sie nicht an Rache.
Auch Mitglieder der Jury, die Burton damals zum Tode verurteilt hatte, sprachen sich öffentlich dafür aus, ihn nicht hinzurichten. Nach Angaben einer Sprecherin der Gouverneurin wurde das Urteil in den vergangenen 33 Jahren neunmal überprüft – doch erst jetzt wurde es gekippt.
Burton ist mittlerweile 75 Jahre alt und sitzt wegen gesundheitlicher Probleme im Rollstuhl. Die Familie des Opfers habe er um Vergebung gebeten, sagte er dem US-Sender CNN, bevor seine Strafe umgewandelt wurde. „Ich habe niemanden getötet, das stimmt, aber ich habe einen Fehler gemacht, indem ich Teil eines Verbrechens war.”
Sein Mandant sei „überglücklich” und der Gouverneurin „extrem dankbar”, teilte Burtons Anwalt Matt Schulz mit. „Er weiß, dass er vielleicht nicht mehr lange zu leben hat. Aber er ist so voller Freude darüber, dass Gott ihn zu sich holen wird, nicht der Staat.“
Quellen: CNN, BBC, „Montgomery Advertiser”