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Eisbär-Superstar ist tot Mach's gut, Knut

Er war der Justin Bieber der Tierwelt, ein Superstar. Knut, der Eisbär aus dem Berliner Zoo, wurde als Baby weltberühmt. Jetzt ist er gestorben. Die traurige Geschichte eines kleinen Bären, der die ganze Welt verzückte.
Von Katharina Miklis

Knut ist tot. Sein Leben endete so traurig, wie es begonnen hatte. Er brach im Zoologischen Garten in Berlin zusammen, zuckte, dann trieb sein lebloser Körper im Wasser. Die Kameras von rund 500 Besuchern waren auf ihn gerichtet. Knut war nicht einfach nur ein Eisbär. Er war ein kleines Phänomen, ein Weltstar. Als er im Dezember 2006 geboren wurde, wog er gerade mal 810 Gramm. Seine Mutter verstieß ihn. Sein Zwillingsbruder starb. Das allein war schon Grund genug, um Mitleid mit dem kleinen Fellknäuel zu haben. Dann kam Thomas Dörflein: Der Tierpfleger zog zu ihm in den Stall. Er gab ihm Milchfläschchen, sang ihm Elvis-Songs vor, und die ganze Welt war verzückt und hingerissen von seiner Niedlichkeit.

Knut wurde zum Medienphänomen. 500 Journalisten aus dem In- und Ausland waren dabei, als er im März 2007 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Sender wie N24 und n-tv berichteten live. Als "The Cute Knut" wurde er in der Weltpresse gefeiert. Seine ersten Schritte, seine anfängliche Angst vor dem Wasser, seine Vorliebe für Croissants - Knut sorgte täglich für Schlagzeilen. Es gab Tage, da mussten Besucher fast Stunden in der Schlange stehen, um den kleinen Eisbären für einen Moment zu sehen. Zuschauer aus der ganzen Welt kamen angereist. Thomas Gottschalk, Politiker, Hollywoodstars wie Katie Holmes samt Tochter. Einmal hatte Knut sogar einen Stalker, der zu ihm ins Gehege stieg. Es gab Knut-Briefmarken, Knut-Kuscheltiere, T-Shirts, Tassen, einen Kinofilm und seinen eigenen Blog hatte der Eisbär natürlich auch. Er war der Justin Bieber der Tierwelt.

Das Phänomen Knut: Suche nach der heilen Welt

Im Mai 2007 schaffte es der kleine Bär auf den Titel des US-Magazins "Vanity Fair" - zusammen mit Leonardo di Caprio. Knut traf den Nerv der Zeit. In Zeiten des Klimawandels wurde er zum Symbol für den Naturschutz. Die Sehnsucht nach einer heilen Welt manifestierte sich in dem Phänomen Knut.

Mehr als eine Million Menschen besuchten die Knut-Show, die zweimal täglich in einem Bärengehege abgehalten wurde. Der Zoologische Garten Berlin machte damit Millionen. Da jeder ein Stück vom Fell des knuddeligen Eisbären abhaben wollte, ließ sich die Berliner Zooverwaltung den Eisbärennamen Knut als Marke schützen - um sich die Exklusivrechte für das Merchandising zu sichern.

Als Knut im Sommer 2007 von seinem Ziehvater Thomas Dörflein getrennt wurde, litt die ganze Welt mit. Dörflein bekam Liebesbriefe und das Bundesverdienstkreuz. Den Bambi lehnte er ab. Eisbär Knut wurde erwachsen - und einsam. Seit Dörflein fort war, hatte er keine Freunde mehr. Mit Artgenossen vertrug er sich nicht. Plötzlich war Knut auch nicht mehr niedlich. Der Hype flachte ab. Das Interesse an dem großen Eisbären ließ nach.

Das Ende vom Ziehvater und seinem "Baby" kam schnell. Beide starben jung. 2008 erlitt Thomas Dörflein einen Herzinfarkt. Er wurde 44 Jahre alt. Am Samstag starb nun auch Knut - mit nur vier Jahren.


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