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Eklat um homophoben Schulkalender: "Nüchtern cool, Saufen schwul"

Diese Drogenpräventionsaktion ging nach hinten los: Die pfälzische Kleinstadt Zweibrücken versuchte, ihre Kinder mit schwulenfeindlichen Sprüchen vom Alkohol fernzuhalten. Aktivisten sind empört.

Wegen eines schwulenfeindlichen Spruchs auf einem Kalender hat sich die rheinland-pfälzische Stadt Zweibrücken Ärger eingehandelt. Mit dem Slogan "Nüchtern cool, Saufen schwul" sollten Kinder und Jugendliche vom Alkoholmissbrauch abgehalten werden. Neben dem diskriminierenden Spruch ist ein Foto zu sehen, auf dem drei Mädchen Limonade trinken und sich drei Jungen umarmen. "Dieser Kalender ist mit öffentlichen Geldern geförderte Homophobie", kritisierte der Lesben- und Schwulenverband in Deutschland (LSVD) am Freitag in einer Stellungnahme. Es sei unfassbar, dass Zweibrücken das Wort "schwul" mit Alkoholmissbrauch gleichsetze.

"Die Kritik ist berechtigt, das ist nicht optimal gelaufen", räumte ein Sprecher der Stadt ein. Der Kalender sei inzwischen zurückgezogen worden. Die Seiten hätten Jugendliche in Jugendsprache gestaltet. Anschließend sei der Spruch wohl "durchgerutscht".

Laut dem schwul-lesbischen Online-Portal "queer.de" handelt es sich bei der beanstandeten Publikation um einen kostenlosen Anti-Drogen-Wandkalender eigens für Jugendliche, der von der Stadtverwaltung und der gemeinnützigen Bildungseinrichtung Internationaler Bund (IB) erstellt wurde. Neben der homophoben Äußerung seien dort Sprüche zu lesen wie "Drogen machen hässlich", "Bist du high, sagst du Bye" oder "Schon mal ins Gras gebissen".

Übrige Kalender werden vernichtet

Der IB vernichtete alle noch vorhandenen Kalender, Zweibrücken sah den "Lapsus" allerdings zunächst gelassen: Man solle das Thema "nicht so extrem hoch hängen, das ist sicherlich nicht gegen Schwule gerichtet", sagte der städtische Jugend- und Schuldezernent, Rolf Franzen (CDU) dem "Pfälzischen Merkur". Und versucht sogar noch etwas Gutes in der Peinlichkeit zu sehen: "Vielleicht knüpfen Lehrer im Unterricht daran an, und man kann so die Brisanz deutlich machen, schwul als Schimpfwort zu benutzen."

Der LSVD sieht in dem Spruch ganz und gar keinen "Lapsus" und weist in seiner Stellungnahme darauf hin, dass homosexuelle Jugendliche eine wesentlich höhere Suizidrate hätten als heterosexuelle Altersgenossen. Die Schule sei leider immer noch der Ort, an dem Lesben und Schwule die meisten Diskriminierungen erfahren. Ausgrenzung und Mobbing würden so gefördert.

Auch das rheinland-pfälzische Ministerium für Integration, Familie, Kinder und Frauen nahm den Vorfall mit weniger Gelassenheit als die Zweibrückener Stadtverwaltung. Der Spruch sei nicht akzeptabel, äußerte sich ein Sprecher gegenüber dem "Pfälzischen Merkur", da er Menschen wegen ihrer sexuellen Identität diskriminiere.

mlr/DPA / DPA
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