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Entführungsopfer aus Cleveland: Michelle Knight schildert ihre Zeit im "Horrorhaus"

Zehn Jahre war sie in den Händen ihres Kidnappers Ariel Castro. Ein Jahr nach ihrer Befreiung aus dem "Horrorhaus" von Cleveland spricht Michelle Knight über Schreie, Folter und Schwangerschaften.

Vor über zehn Jahren hatte sie ihr Kidnapper in das "Horrorhaus" von Cleveland (US-Staat Ohio) gelockt. Gemeinsam mit zwei anderen Frauen war Michelle Knight gefangen, ein Jahr nach ihrer Befreiung erinnert sich die heute 33-Jährige. "Er sagte zu mir, er würde mich nie wieder gehen lassen", berichtete sie dem TV-Sender CNN in einem Interview. Immer wieder sei sie geschlagen und gefoltert worden. "Du bist machtlos", sagte Knight.

Entführer lockte mit Hundewelpen

Knight war 20 Jahre alt, die anderen beiden Frauen, Amanda Berry und Gina DeJesus, 14 und 16 als sie entführt wurden. Am 6. Mai 2013 kamen sie auf dramatische Art aus dem "Horrorhaus" in Cleveland frei. Auch ein sechs Jahre altes Mädchen war dabei, dass der Entführer Ariel Castro gezeugt hatte.

Der Entführer habe sie seinerzeit mit dem Versprechen, einen kleinen Hundewelpen zum Geschenk zu bekommen, in sein Haus gelockt, erzählte Knight dem Sender. Doch als sie schließlich das Haus betreten habe, "ist mir klargeworden, dass ich einen Fehler begangen hatte."

Ein pinkfarbenes Gefängnis

Sie sei gefesselt, gefoltert und geschlagen worden. Sie habe wenig zu essen bekommen. Um mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, habe es nur einen alten Fernseher und ein altes Radio gegeben. Wenn sie schrie, habe ihr Entführer ihr ein Stück Stoff in den Mund gestopft, berichtet Knight, die in den nächsten Tagen auch mit einem Buch ("Finding me") an die Öffentlichkeit tritt.

"Ich saß in einem kleinen, pinkfarbenen Zimmer in der Falle und war gefesselt wie ein Fisch." Zunächst sei sie allein gewesen, später habe sie von den beiden anderen entführten Frauen erfahren. Castro hatte die drei Frauen zwischen 2002 und 2004 in seine Gewalt gebracht.

Peiniger beging Selbstmord

Castro war im August zu lebenslänglicher Haft plus 1000 Jahren verurteilt worden, hatte aber wenig später in seiner Zelle Selbstmord begangen.

Das Verbrechen hatte seinerzeit Amerika schockiert. In Europa waren Erinnerungen an die Österreicherin Natascha Kampusch geweckt worden, die 2006 nach acht Jahren in den Händen eines Entführers freigekommen war - Kampusch war 18 Jahre alt, als sie freikam.

Knight war mehrmals schwanger

Bereits kurz nach ihrer Befreiung hatte Knight berichtet, dass sie mehrfach von Castro schwanger geworden sei. Doch er habe die Schwangerschaften durch Hiebe in den Bauch und Nahrungsentzug gewaltsam abgebrochen, sagte sie den Ermittlern. Dafür habe sie ihrer Leidensgenossin helfen müssen, als die ein Mädchen zur Welt brachte.

Nach der Befreiung der drei Frauen, hatten sich US-Medien immer wieder gefragt, warum Nachbarn nichts von der grausigen Haft der Frauen bemerkt hätten. Castro, ein ehemaliger Schulbusfahrer, wohnte nur wenige Kilometer von den Eltern der drei Mädchen und Frauen entfernt.

33-Jährige verlor ihren dreijährigen Sohn

Knight hatte einen Sohn, er war drei Jahre alt als sie entführt wurde. Ihre Eltern gaben Joey damals zur Adoption frei. Joey weiß nicht, wer seine biologische Mutter ist. Seine neuen Eltern schickten aber regelmäßig Fotos und Neuigkeiten, so Knight in der "Today Show". "Ich bin froh, dass er bei ihnen ist. Ihm geht es gut und ich bin stolz auf ihn für alles, was er erreicht hat", sagte sie. Natürlich hoffe sie, dass sie ihn irgendwann wiedersehen könne, wenn er alt genug sei, zu verstehen, was ihr widerfahren sei.

Gegenüber ihrem Peiniger, der inzwischen verstorben ist, schlägt sie sanfte Töne an: So sagte Knight gegenüber NBC "Today", dass Castro Vergebung verdiene. Sie wünschte sich diese auch, wenn sie etwas falsch gemacht habe. "So ist das Leben", sagte sie.

fme/DPA / DPA