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Erdbeben: 1000 Tote in Algerien

Rund 1.000 Tote, mehrere tausend Verletzte, ganze Straßenzüge und Häuserblöcke in Trümmern: Das ist die tragische Bilanz des schweren Erdbebens.

Rund 1.000 Tote, mehrere tausend Verletzte, ganze Straßenzüge und Häuserblöcke in Trümmern: Das ist die tragische Bilanz des schwersten Erdbebens seit zwei Jahrzehnten, das am Mittwochabend Algerien heimgesucht hat. Bis Donnerstagabend wurden 977 Tote und mehr als 5.000 Verletzte gezählt, wie das staatliche Fernsehen meldete. Und es galt als sicher, dass die Zahl der Opfer noch weiter steigt.

Internationale Hilfe

Rettungskräfte aus zahlreichen Ländern - auch aus Deutschland, Österreich und der Schweiz - wurden in die Unglücksregion geschickt, um bei der Suche nach Überlebenden zu helfen. Internationale Hilfsorganisationen brachten Lebensmittel und Medikamente auf den Weg.

Das ganze Ausmaß der Katastrophe im dicht besiedelten Großraum der Hauptstadt Algier war auch einen Tag nach dem Beben nicht absehbar. Unter den Trümmern eingestürzter Häuser wurden noch zahlreiche Opfer befürchtet. Das Zentrum der Erdstöße lag 60 Kilometer östlich von Algier bei Thenia. Dort wurden ganze Dörfer dem Erdboden gleich gemacht. Schwere Schäden richteten die Erdstöße auch in der Hauptstadt selbst an.

Das Beben vom Mittwochabend erreichte laut US-Seismologen eine Stärke von 6,7; andere Messstationen ermittelten jedoch niedrigere Werte. Es gab mindestens zehn Nachbeben. Das letzte Erdbeben dieser Größenordnung in Algerien ereignete sich im Oktober 1980. Damals kamen in der nordwestlichen Stadt Al Asnam 2.500 Menschen ums Leben.

Menschen sprangen aus Hotel

Algerien sei von einem großen Unglück getroffen worden, erklärte Ministerpräsident Ahmed Quyahia. Die Behörden riefen die Bevölkerung zu Blutspenden auf. Allein in Boumerdes, das zehn Kilometer vom Bebenzentrum entfernt liegt, wurden 261 Menschen von den Trümmern getötet. Überlebende liefen am Donnerstag weinend durch die zerstörten Straßen, die Krankenhäuser waren mit Verletzen überfüllt.

Augenzeugen schilderten im französischen Sender LCI, dass Menschen in Panik aus einem Hotel gesprungen seien. In der Stadt Baghlia sei ein Krankenhaus schwer beschädigt worden. Viele Dächer seien eingestürzt. Auch in Algier rannten Menschen in Panik auf die Straße. In einigen Stadtteilen der Hauptstadt fiel der Strom aus.

THW- und DRK-Teams fliegen ins Bebengebiet

Die algerische Regierung bat das Ausland um Hilfe. Deutschland schickte umgehend Experten und Suchhundestaffeln ins Erdbebengebiet. Teams des Technischen Hilfswerks (THW) und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) flogen im Auftrag des Auswärtigen Amtes am Donnerstagnachmittag nach Algerien.

Bundespräsident Johannes Rau und Bundesaußenminister Joschka Fischer sprachen den Opfern und ihren Angehörigen ihr Beileid aus. "Deutschland wird Algerien und den Menschen im Erdbebengebiet helfen, die Folgen des Erdbebens zu bewältigen", erklärte Rau in einem Beileidstelegramm an den algerischen Präsidenten Abdelaziz Bouteflika. Fischer sagte: "Die große Zahl der Todesopfer, Verletzten und obdachlos Gewordenen hat in Deutschland große Betroffenheit ausgelöst."

Auch 80 Schweizer und 60 französische Rettungskräfte machten sich auf den Weg. Das italienische Katastrophenschutzministerium schickte Feuerwehrleute, Ingenieure und Sanitäter sowie Zelte und Medikamente. In Genf stellten das Rote Kreuz zusammen mit dem Roten Halbmond 200.000 Schweizer Franken (145.000 Euro) Soforthilfe bereit. Die EU-Kommission teilte mit, sie koordiniere die Hilfsangebote mehrerer weiterer Länder.