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Flugzeugabsturz: 75 Tote in der Türkei

Im Südosten der Türkei ist am Mittwochabend ein Passagierflugzeug während der Landung abgestürzt und in Brand geraten. 75 Menschen kamen bei dem Unglück ums Leben. Ein Terroranschlag auf die Maschine kann ausgeschlossen werden.

Der türkische Ministerpräsident Abdullah Gül schloss einen Terroranschlag auf die Maschine der Turkish Airlines aus und sagte, die Ursache sei vermutlich der dichte Nebel gewesen, der seit Tagen über der Stadt Diyarbakir und ihrem Flughafen liege. "Es ist sehr wahrscheinlich, dass schlechtes Wetter schuld ist", sagte er. Diyarbakir ist die größte Stadt der Region, die vor allem von Kurden bewohnt wird. Gül drückte den Angehörigen sein Bedauern aus und kündigte an, heute nach Diyarbakir zu kommen.

Fünf Passagiere konnten lebend aus den Trümmern geborgen werden. Einige von ihnen hatten lebensgefährliche Verletzungen. Ein zweijähriges Kind wurde noch in der Nacht für hirntot erklärt. Angaben der Fluggesellschaft zufolge waren 72 Passagiere und fünf Besatzungsmitglieder an Bord, darunter mindestens drei Ausländer. Das britische Außenministerium teilte mit, dass zwei Briten vermisst würden und vermutlich tot seien.

Die Maschine war in Istanbul gestartet. Flughafenvertretern zufolge hatte der Pilot kein Notsignal gesendet, bevor das Unglück passierte. Bei dem Aufprall auf dem Boden zeriss die Maschine in zahlreiche Teile. Das Feuer war so stark, dass es die Rettungsmaßnahmen behinderte und noch Stunden nach dem Absturz Rauch aus den Wrackteilen aufstieg. Von Hubschraubern aus wurde die Absturzstelle mit Scheinwerfern erhellt, um die Suche nach den Opfern zu erleichtern. Verkehrsminister Binali Yildirim sagte, einige Passagiere seien verbrannt. Die Toten wurden in einer Sporthalle aufgebahrt, nachdem die Leichenhalle einer medizinischen Ausbildungsstätte nicht ausreichte.

"Bin vor zweiter Explosion weggerannt"


"Als das Flugzeug auf dem Boden aufschlug, gab es eine Explosion und überall schossen Flammen empor", sagte Aliye Il, eine der Überlebenden, der Nachrichtenagentur Reuters. Sie habe sich abgeschnallt und sei weggerannt, dann habe sie eine zweite Explosion gehört. "Ich habe kurz vor unserer Landung eine laute Explosion gehört. Ich dachte, mein Ohr explodiert", sagte ein weiterer Überlebender dem staatlichen Fernsehen. Er kam eigenen Angaben zufolge mit einigen Schnitt- und Brandwunden davon.

Die im Flughafen wartenden Angehörigen versuchten einander zu trösten. Viele von ihnen brachen voller Angst zu dem Krankenhaus auf, in das die Überlebenden gebracht wurden. "Überall sind hier Autos und Taxis, aber niemand wird hereingelassen", sagte ein Augenzeuge in der Klinik. "Die Menschen draußen schreien nach Informationen, aber niemand sagt ihnen was."

Die zumeist bis zur Unkenntlichkeit verbrannten Leichen waren nach der Bergung in eine Sporthalle der Universität von Diyarbakir gebracht worden. In der Nacht seien 20 der Opfer von ihren Angehörigen identifiziert worden, berichteten türkische Medien. Unter den Toten sollen sieben Ausländer sein, deren Nationalität aber noch nicht eindeutig feststeht. Nach britischen Angaben werden mindestens zwei Briten unter den Opfern vermutet.