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Schießerei in der Türkei: Prokurdischer Anwald Tahir Elci in der Türkei erschossen

Bei einer Schießerei im Südosten der Türkei ist der prokurdische Anwalt Tahir Elci ums Lebens gekommen. Ein Polizist soll ebenfalls getötet worden sein, zehn weitere Menschen wurden verletzt. Die Hintergründe sind noch unklar.

Der prokurdische Anwalt Tahier Elci (Mitte) ist während einer Presseerklärung vor einer Moschee erschossen worden. Auch ein Polizist starb, zehn weitere wurden verletzt. 

Der prokurdische Anwalt Tahier Elci (Mitte) ist während einer Presseerklärung vor einer Moschee erschossen worden. Auch ein Polizist starb, zehn weitere wurden verletzt. 

Im Südosten der Türkei ist ein prominenter prokurdischer Anwalt am Samstag erschossen worden. Der Vorsitzende der Anwaltskammer von Diyarbakir, Tahir Elci, wurde von einer Kugel im Gesicht getroffen, als er vor einer Moschee der Stadt eine Erklärung vor der Presse abgab, wie Augenzeugen berichteten. Der Schuss fiel im Laufe einer Schießerei, bei der auch ein Polizist getötet und zehn weitere Menschen verletzt wurden; die Hintergründe waren zunächst unklar.

Elci tödlich getroffen worden

Während Elcis Erklärung vor der Presse seien die türkischen "Sicherheitkräfte angegriffen worden", teilte der Gouverneur der Provinz mit. "Ein Polizist wurde getötet und zwei weitere wurden verletzt." Danach sei der 49-jährige Elci tödlich getroffen worden. Unter den Verletzten war nach Angaben aus Sicherheitskreisen auch ein Journalist.
Unklar war zunächst, ob der prominente Anwalt das Ziel des Angriffs war oder ob er versehentlich von einer Kugel getroffen wurde. Ein Augenzeuge berichtete der Nachrichtenagentur Dogan, dass ein bärtiger Mann absichtlich das Feuer auf Elci eröffnet habe. Die regierungsnahe Nachrichtenagentur Anadolu machte kurdische Rebellen für den Angriff verantwortlich.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zeigte sich "traurig über den Tod von Elci". Bei einer Rede in Burhaniye im Westen des Landes sagte der islamisch-konservative Staatschef, der seit Juli mit einem massiven Militäreinsatz gegen die kurdischen Rebellen vorgeht, der Kampf gegen den "Terrorismus" müsse bis zum Ende geführt werden. Die türkische Regierung stuft sowohl kurdische Rebellen als auch islamistische Kämpfer als "Terroristen" ein.

Elci war im Oktober festgenommen worden

Der bekannte Rechtsanwalt Elci war im Oktober unter dem Vorwurf der "terroristischen Propaganda" für die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) festgenommen worden. Er wurde unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt; die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe zwischen eineinhalb und siebeneinhalb Jahren für ihn gefordert. Gegen seine Festnahme hatte es Proteste auch vor dem Justizpalast in Istanbul gegeben.
Elci selbst hatte bei seiner Festnahme gesagt, das Vorgehen der Behörden zeige, wie schlecht es um die Meinungsfreiheit in der Türkei stehe. Grund für seine Festnahme war ein Fernsehinterview gewesen, in dem Elci gesagt hatte, die PKK sei "keine terroristische Organisation".

Häufig Zusammenstöße mit PPK-Anhängern

In dem Stadtteil Sur von Diyarbakir, in dem sich die Schießerei abspielte, kommt es regelmäßig zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen der Polizei und jungen PKK-Anhängern. Die Behörden verhängten dort eine Ausgangssperre.
Seit Juni waren prokurdische Aktivisten das Ziel von einer Reihe von Anschlägen, die von der Regierung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) zugeschrieben wurden. Zuletzt waren im Oktober in Ankara bei einer Friedensdemonstration 103 Menschen durch einen solchen Anschlag getötet worden.

kg / AFP