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Flughafen Atatürk: Terror in Istanbul - Was wir wissen und was nicht

Fast 40 Menschen sind beim Anschlag am Istanbuler Flughafen ums Leben gekommen. Wer die Täter sind und in wessen Namen sie das Blutbad angerichtet haben - bislang unklar. Fragen und Antworten zum jüngsten Terrorakt in der Türkei.

Istanbul Flughafen Sicherheitsschleuse

Business as usual am Tag nach dem Anschlag? Sicherheitsschleuse am Istanbuler Flughafen

Was genau ist passiert?

Gegen halb zehn Dienstagabend deutscher Zeit haben drei Angreifer am Istanbuler Atatürk-Flughafen zunächst um sich geschossen und sich anschließend in die Luft gesprengt. Das anscheinend koordinierte Attentat wurde nach Angaben der Behörden nicht im Airport-Gebäude selbst sondern an den Sicherheitsschleusen am Eingang des internationalen Terminals verübt. Dort warteten zahllose Menschen auf ankommende Fluggäste. Augenzeugenberichte und Videos in sozialen Medien deuteten dagegen darauf hin, dass einer oder mehrere Angreifer auch in den Innenbereich des Terminals gelangten.

Wie viele Opfer gibt es bislang?

Die drei Selbstmordattentäter haben mindestens 44 Menschen mit in den Tod gerissen. Nach Angaben der türkischen Behörden wurden außerdem mindestens 239 Menschen verletzt. Laut des Auswärtigen Amts in Berlin ist unter den Verletzten eine Deutsche. Unter den Todesopfern sollen 13 Ausländer sein, ein türkischer Regierungsvertreter sagte, fünf Saudiaraber, zwei Iraker sowie je ein Bürger aus Tunesien, Usbekistan, China, dem Iran, der Ukraine und Jordanien seien getötet worden.  

Wer steckt hinter dem Anschlag?

Bislang unklar, noch hat sich niemand zu dem Anschlag bekannt. Die Türkei äußerte bereits kurz nach dem Anschlag den Verdacht, dass der Islamischen Staat hinter der Tat stecken könnte. Ebenfalls möglich: die Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK stecken hinter der Bluttat.

Wie viele Anschläge gab es in jüngster Zeit in der Türkei

Seit Monaten ist die Türkei Ziel von schweren Anschlägen, allein im Juni dieses Jahres hat es mehrere Attentate gegeben. Hintergrund ist unter anderem der bewaffnete Konflikt zwischen der Türkei und der kurdischen Minderheit.

  • 8. Juni 2016: Die Explosion einer Autobombe tötet sechs Menschen vor einem Polizeirevier in Midyat in der Südost-Türkei. Zu der Tat bekennt sich die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK).
  • 7. Juni 2016: Durch einen Bombenanschlag sterben in der Altstadt von Istanbul mindestens elf Menschen: sieben Polizisten und vier Zivilisten.
  • 18. Mai 2016: Eine Bombe tötet vier Soldaten im südöstlichen Kurdengebiet der Türkei. Die Armeeführung macht die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans verantwortlich.
  • 10. Mai 2016: Drei Menschen sterben, als eine Autobombe beim Vorbeifahren eines Polizeifahrzeugs in der südöstlichen Stadt Diyarbakir explodiert.
  • 19. März 2016: Auf einer beliebten Einkaufsstraße im Zentrum von Istanbul reißt ein Selbstmordattentäter vier ausländische Touristen - drei Israelis und einen Iraner - mit in den Tod. Die Behörden vermuten Dschihadisten des Islamischen Staats (IS) hinter der Tat.   
  • 13. März 2016: 35 Tote bei der Explosion einer Autobombe im Zentrum von Ankara. Die dem Umfeld der PKK zugerechneten Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) bekennen sich zu dem Anschlag.
  • 17. Februar 2016: Bei einem Anschlag mit einer Autobombe auf einen Militärkonvoi in Ankara sterben 28 Menschen. Die Freiheitsfalken bekennen sich dazu.
  • 14. Januar 2016: Sechs Menschen sterben, als ein mit Sprengstoff präpariertes Auto vor dem Polizeikommissariat in Cina, 30 Kilometer von Diyarbakir entfernt, in die Luft fliegt. Die PKK bezichtigt sich des Attentats und erklärt ihr Bedauern über den Tod von Zivilisten.
  • 12. Januar 2016: Bei einem Selbstmordanschlag in der Altstadt von Istanbul werden zwölf Deutsche getötet. Die Behörden schreiben das in der Nähe von Tourismusattraktionen verübte Attentat dem Islamischen Staat zu.
  • 10. Oktober 2015: Während einer prokurdischen Friedenskundgebung vor dem Hauptbahnhof in Ankara sprengen sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Sie reißen 101 Menschen mit sich in den Tod. Der Staat macht auch dafür die IS-Dschihadisten verantwortlich.
  • 20. Juli 2015: 34 Tote gibt es bei einem gegen junge Kurden gerichteten Anschlag in Suruç an der Grenze zu Syrien. Die türkischen Behörden machen abermals den Islamischen Staat verantwortlich.


Wie steht es um die Sicherheitsvorkehrungen am Flughafen?

Anders als auf Airports in der EU, finden in türkischen Flughäfen Sicherheitskontrollen schon vor dem Eingang ins Terminal statt. So ist das auch im Atatürk-Airport, Gepäck wird vor dem Eingang durchleuchtet, Passagiere müssen durch Metalldetektoren. Das Sicherheitspersonal steht nicht im Ruf, seinen Dienst lax zu verüben - dafür ist die Terrorbedrohung in der Türkei zu hoch.

Wie stark ist der Flugverkehr beeinträchtigt?

Der Atatürk-Flughafen, der größte des Landes, fertigt in etwa so viele Passagiere wie der Airport in Frankfurt/Main ab. Eine am Dienstagabend und dem Ziel Istanbul von Berlin-Tegel aus eine Stunde verspätet gestartete Maschine der Turkish Airlines erreichte ihr Ziel nicht. Sie wurde über der Slowakei umgeleitet und flog zurück nach Tegel. Der Flugverkehr zum türkischen Drehkreuz ist allerdings am Mittwoch wieder aufgenommen worden. Erste Flüge von Turkish Airlines landeten am frühen Morgen. Der Sender CNN Türk berichtete, Reisende könnten inzwischen auch wieder ins Terminal. Der Angriff sorgt allerdings für ein massives Chaos im Flugverkehr. Turkish Airlines strich für Mittwoch zudem mehr als 340 Flüge. Die Airline bot allen Reisenden mit Buchungen von oder nach Atatürk Airport an, die Flüge kostenlos umzubuchen oder zu stornieren. 

nik/DPA/AFP