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+++ Newsticker zum Germanwings-Absturz +++: Andreas L. litt offenbar an Sehproblemen

Vier Tage nach dem Absturz von Flug 4U 9525 werden immer mehr Details über den Copiloten bekannt. Allerdings: Technisches Versagen ist als Unglücksursache weiterhin möglich.

Der Germanwings-Flug 4U 9525 stürzte am Dienstagvormittag auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf in den französischen Alpen ab.

- Es ist eines der schwersten Unglücke der deutschen Luftfahrtgeschichte: Alle 150 Menschen an Bord sind ums Leben gekommen. Unter ihnen waren aktuellen Angaben zufolge 75 Deutsche.

- Andreas L. saß im Cockpit, obwohl er krankgeschrieben war. Der Copilot, der die Germanwings-Katastrophe verursacht hat, ließ seinen Arbeitgeber über seinen Zustand im Dunkeln. Die zentrale Frage der Ermittler lautet nun: Was bewegte den 27-Jährigen, die Maschine absichtlich abstürzen zu lassen?

Die neuesten Ereignisse im stern-Newsticker.

+++ 20:23 Uhr: Bericht über Ärzte-Mangel bei Lufthansa +++

Fehlen dem Lufthansa-Konzern Ärzte? Diese Frage stellt die "Welt am Sonntag" (WamS) in einem Bericht, der bereits online veröffentlicht wurde. Demnach gibt es Hinweise, dass es bei dem Unternehmen, zu dem auch Germanwings gehört, "bis zuletzt einen chronischen Ärztemangel" gegeben habe. "Der Medizinische Dienst fristet ein Schattendasein", wird ein Insider zitiert. Lufthansa selbst wies gegenüber der WamS diese Vorwürfe zurück. "Wir machen das, was gesetzlich gefordert ist, und noch viel mehr", so eine Unternehmenssprecherin.

+++ 17:56 Uhr: Umfeld von Andreas L. im Fokus der Ermittler +++

Um mehr über die psychische Verfassung von Andreas L. herauszufinden, nehmen die ermittelnden Behörden offenbar das Umfeld des Copiloten von Flug 4U 9525 in den Fokus. Das berichtet "tagesschau.de". Demnach würden Computer-Daten von L. ausgewertet, zudem sollen seine Eltern befragt werden. Allerdings habe man bisher kein "spezielles Element" im Leben von L. ausmachen können, heißt es in dem Bericht.

+++ 17:18 Uhr: Leichenteile von Andreas L. identifiziert +++

Die Leichenteile des Copiloten der abgestürzten Germanwings-Maschine, Andreas L., sind am Samstag identifiziert worden. Das berichtet die "Bild am Sonntag" in einer Vorab-Meldung. Demzufolge wurde die Identifizierung mittels eines DNA-Abgleichs vorgenommen.

+++ 17:10 Uhr: Angehörige bitten Medien um Rücksichtnahme +++

Angehörige und Freunde der verunglückten Germanwings-Passagiere haben darum gebeten, ungestört und in Ruhe trauern zu können. Unabhängig voneinander hätten sich viele Betroffene an die Lufthansa und Germanwings gewandt und um Zurückhaltung der Medien gebeten, so eine Lufthansa-Sprecherin in Frankfurt. Dies habe die Airlines dazu bewogen, in einer Mitteilung darum zu bitten, von einer aktiven Kontaktaufnahme mit trauernden Angehörigen abzusehen. Da das große Interesse der Öffentlichkeit nachvollziehbar sei, seien Lufthansa und Germanwings für Medien-Anfragen aber rund um die Uhr erreichbar.

+++ 16:31 Uhr: Andreas L. litt offenbar an Sehproblemen +++

Wie die "Bild am Sonntag" vorab berichtet, litt Copilot Andreas L. an schweren Sehproblemen. Demnach befand sich der 27-Jährige deswegen in ärztliche Behandlung. Ob diese Sehstörungen organischer oder aber psychosomatischer Natur waren, werde laut der Zeitung derzeit von den Behörden ermittelt. Fest stehe allerdings: Die Störung soll seine Flugtauglichkeit gefährdet haben.

+++ 15.51 Uhr: Technischer Fehler nicht auszuschließen +++

Französische Ermittler untersuchen nach dem Absturz der Germanwings-Maschine auch die Möglichkeit eines technischen Defekts. "Derzeit kann die Hypothese eines technischen Fehlers nicht ausgeschlossen werden", sagte der Chef der in Düsseldorf eingesetzten französischen Ermittler, Jean-Pierre Michel, am Samstag dem französischen Sender BFMTV. Die Ermittlungen gingen voran, es fehlten aber noch "technische Details". Bei den gemeinsamen Ermittlungen sollten Erkenntnisse vom Absturzort und dem Flugverlauf mit Ergebnissen der deutschen Ermittler verbunden werden, sagte Michel. Nach bisherigen Erkenntnissen soll der Copilot der Germanwings-Maschine den Airbus zum Absturz gebracht haben.

+++ 15.05 Uhr: "Emma" fordert Frauenquote im Cockpit +++

Die Zeitschrift "Emma" fordert in einem Kommentar eine Frauenquote fürs Cockpit. Mehr Pilotinnin würden das Risiko von Selbstmorden reduzieren. "Ich möchte einen Vorschlag machen. Die Lufthansa sollte sich nicht nur für ihren Aufsichtsrat, sondern auch für ihre Cockpits eine Frauenquote verordnen. Höchste Zeit ist es allemal, denn zur Zeit gibt es bei der Lufthansa nur 6 Prozent Pilotinnen", schreibt die Autorin. "Die Selbstmordquote ist bei Männern viermal so hoch wie bei Frauen. Die Lufthansa könnte also das Risiko, dass ihre Piloten das Flugzeug zu Selbstmord und vielfachem Mord missbrauchen, mit jeder Frau, die sie zur Pilotin ausbilden, ganz erheblich reduzieren", heißt es weiter. "Amokläufe und so genannte Familienauslöschungen, die gern zu 'erweitertem Selbstmord' und 'Mitnahme-Selbstmord' verharmlost werden, sind Verbrechen, die nahezu ausschließlich von Männern begangen werden. Für Amokflüge, die offenbar häufiger vorkommen, als der Öffentlichkeit bewusst ist, gilt dasselbe."

+++ 13.24 Uhr: Andreas L. hatte schwere psychosomatische Erkrankung +++

Nach Informationen der "Welt am Sonnatg" sollen die Ermittler eindeutige Erkenntnisse für eine schwere "psychosomatische Erkrankung" des Copiloten Andreas L. gefunden haben. "Der 27-Jährige ist von mehreren Neurologen und Psychiatern behandelt worden", zitiert die Zeitung einen hochrangiger Fahnder. In der Wohnung des Copiloten sei eine Vielzahl von Medikamenten zur Behandlung der psychischen Erkrankung gefunden worden. Hinweise auf Rauschmittel oder eine Abhängigkeit von Drogen und Alkohol gebe es aber nicht.

Andreas L. soll am "starken subjektiven Überlastungssyndrom" gelitten haben und schwer depressiv gewesen sein: "Das geht aus persönlichen Aufzeichnungen hervor, die der Pilot abgelegt und gesammelt hat", so der Fahnder weiter. Der beschlagnahmte Computer und Schriftstücke von Andreas L. würden weiter ausgewertet. Ärzte, Freunde, Kollegen und Bekannte des Piloten würden derzeit befragt. Auch die Freundin mit Nachnamen G. sei angehört worden.

+++ 13.11 Uhr: Andreas L. reiste als Jugendlicher häufig in Absturzgegend +++

Andreas L. soll die Unglücksregion in den Alpen als Jugendlicher gut gekannt haben. Seine Eltern seien dort mit ihrem Flugverein hingereist, sagt Francis Kefer vom Flugfeld in Sisteron dem französische Sender iTele. Sisteron liegt gut 40 Kilometer westlich der Absturzstelle in den südostfranzösischen Alpen.

"Zwischen 1996 und 2003 ist der Club aus Montabaur regelmäßig hierhergekommen", sagt Kefer in dem Bericht. Auch der Copilot sei damals mit seinen Eltern dabei gewesen. Der Verein sei zum Segelfliegen gekommen. In Deutschland gebe es die meisten Segelflieger, sagt Kefer.

+++ 12.08 Uhr: Luftfahrt-Bundesamt nimmt Einsicht in Personalakte +++

Das Luftfahrt-Bundesamt in Braunschweig hat die Personalakte des Germanwings-Copiloten Andreas L. geprüft. "Wir haben Einsicht in die Unterlagen genommen und die Erkenntnisse mündlich an die Staatsanwaltschaft gegeben", sagt Holger Kasperski vom Luftfahrt-Bundesamt.

"Mehr gibt es dazu aktuell nicht zu sagen", fügt Kasperski hinzu. Andernfalls könne es die Ermittlungen gefährden. Einen sogenannten SIC-Eintrag in der Akte wollte der Behördensprecher nicht bestätigen. Ein solcher Eintrag steht für besondere regelhafte medizinische Untersuchungen.

+++ 11.30 Uhr: Trauergottesdienst nahe Unglücksstelle +++

In der Kathedrale von Digne-les-Bains im Südosten Frankreichs beginnt ein Trauergottesdienst für die Opfer der abgestürzten Germanwings-Maschine. Vor dem Altar sind 150 Kerzen aufgestellt, für jedes Todesopfer eine. Digne-les-Bains liegt unweit des Ortes, in der der Airbus A320 am Dienstag zerschellt war.

+++ 10.35 Uhr: Zentrale Trauerfeier wird öffentlich sein +++

Am 17. April findet im Kölner Dom eine zentrale Trauerfeier statt. Wie eine Sprecherin der nordrhein-westfälischen Landesregierung sagt, werden an dem "Gottesdienst und staatlichen Trauerakt" auch Bundespräsident Joachim Gauck und Kanzlerin Angela Merkel teilnehmen. Eingeladen seien Familien und Freunde der Opfer sowie Vertreter aus den anderen Ländern, die von der Katastrophe betroffen sind. Nach Angaben der Sprecherin soll auch die "anteilnehmende Bevölkerung" zu der Trauerfeier in den Dom kommen können.

+++ 9.15 Uhr: Andreas L. wollte scheinbar große Bekanntheit erlangen +++

Der Todespilot der Germanwings-Maschine hat einem "Bild"-Bericht zufolge im Gespräch mit einer früheren Freundin Andeutungen gemacht, er werde einst große Bekanntheit erlangen. Das Blatt veröffentlichte ein Gespräch mit einer 26-jährigen Stewardess, die 2014 eine Beziehung mit Andreas L. gehabt habe. "Als ich vom Absturz hörte, ging mir immer wieder ein Satz durch den Kopf, den er sagte: 'Eines Tages werde ich etwas tun, was das ganze System verändern wird, und alle werden dann meinen Namen kennen und in Erinnerung behalten.'", wird sie zitiert.

"Er hat es getan, weil er gemerkt hat, dass durch seine gesundheitlichen Probleme sein großer Traum von einem Job bei der Lufthansa, von einem Job als Kapitän und als Pilot von Langstrecken, so gut wie unmöglich war. Ob Liebesprobleme dazukamen, weiß ich nicht", zitierte die Zeitung die frühere Affäre. "Über seine Krankheit hat er nie viel gesprochen, nur dass er deswegen in psychiatrischer Behandlung war."

Nach Auskunft der Interviewten lernte sie Andreas L. im vergangenen Jahr auf einem gemeinsamen Flug kennen. "Ich wollte nie, dass es offiziell wird, daher haben wir uns in Hotels getroffen, da ich Liebe auf der Arbeit nicht gut finde." Getrennt habe sie sich von Andreas L., "weil immer klarer wurde, dass er Probleme hat. Er ist in Gesprächen plötzlich ausgerastet und schrie mich an. Ich hatte Angst." Andreas L. sei nachts aufgewacht und habe geschrien. Ihn hätten Absturz-Albträume geplagt. "Er konnte vor anderen Menschen gut verstecken, was mit ihm wirklich läuft."

+++ 9.08 Uhr: Lufthansa schaltet Traueranzeigen +++

Mit ganzseitigen Anzeigen in großen deutschen Tageszeitungen bekunden die Lufthansa und ihre Tochter Germanwings den Hinterbliebenen der Absturzopfer ihre Anteilnahme. "Der unfassbare Verlust von 150 Menschenleben erfüllt uns mit tiefster Trauer. Unser aufrichtiges Beileid, unsere Gedanken und Gebete gelten allen Angehörigen und Freunden unserer Gäste und Kollegen", heißt es in der Anzeige. Zugleich danten Lufthansa und Germanwings den "vielen tausenden von Helfern" aus zahlreichen Ländern. Unterzeichnet ist die Anzeige von Lufthansa-Chef Carsten Spohr und Germanwings-Chef Thomas Winkelmann.

+++ 7.35 Uhr: Andreas L. machte offenbar am Unglücksort Urlaub +++

Wie der französische TV-Sender "iTele" berichtet, soll Andreas L. am Unglücksort mehrfach Urlaub gemacht haben - zusammen mit seinen Eltern in den Jahren 1996 und 2003. Mehreren Medienberichten zufolge soll die Familie währende ihrer Aufenthalte in Frankreich auf einem Campingplatz gewohnt haben.

+++ 7.50 Uhr: Angehörige der MH370-Opfer trauern mit +++

Angehörige der Passagiere des verschwundenen Malaysia-Airlines-Fluges MH370 sprechen den Hinterbliebenen des abgestürzten Germanwings-Fluges ihr Beileid aus. "Unsere Gedanken und Gebete sind mit den Familien und Freunden der Passagiere und Besatzungsmitglieder von 4U9525", schreiben die MH370-Familien auf ihrer Facebook-Seite. "Wir geben ihnen unsere Unterstützung in diesen herzzerreißenden Zeiten."

Der malaysische Airbus mit der Flugnummer MH370 war vor mehr als einem Jahr auf dem Weg nach Peking verschwunden. Anders als bei der Germanwings-Maschine, die am Dienstag gegen ein Bergmassiv der französischen Alpen krachte und zerbarst, fehlt von dem asiatischen Jet trotz intensiver Suche nach Wrackteilen seither jede Spur.

Our thoughts and prayers are with the families and friends of the passengers and crews of #4U9525. We extend our...

Posted by MH370 Families on Freitag, 27. März 2015

+++ 7.30 Uhr: Suche im Absturzgebiet fortgesetzt +++

In den französischen Alpen beginnt der fünfte Tag der Suche nach Opfern des Germanwings-Absturzes. Die Arbeiten waren über Nacht unterbrochen worden. Bilder des französischen Fernsehens zeigen, wie Hubschrauber erneut in den Einsatz fliegen. Die Retter konzentrieren sich neben der Bergung und Identifizierung der Leichen weiter auf die Sicherung der Unfallstelle in dem schwierigen Gelände. Rechtsmediziner arbeiten bereits an der Identifizierung der sterblichen Überreste, die schon ins Tal gebracht wurden. Weiter gesucht wird nach dem zweiten Flugschreiber des Airbus der Lufthansa-Tochter Germanwings. Er soll weitere Erkenntnisse zum Geschehen im Cockpit vor dem Absturz liefern.

+++ Was am Freitag geschah +++

Die Nachrichten vom Vortag zum Nachlesen finden Sie hier in unserem Ticker.

+++ Wichtiger Hinweis für Angehörige und Freunde +++

Für die Angehörigen und Freunde der Opfer wurden mehrere Krisentelefone eingerichtet. Die wichtigsten Nummern:

Germanwings: 0800 1133 5577 Auswärtiges Amt: 030 5000 3000 Flughafen Düsseldorf: 0800 776 6350

she/ivi/DPA/AFP/Reuters / DPA / Reuters
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