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Germanwings-Pilot Patrick S.: Der Mann, der die Katastrophe verhindern wollte

Eine quälende Frage: Wäre die Germanwings-Katastrophe ausgeblieben, wäre der Copilot nicht allein im Cockpit gewesen? Über den Kapitän, der den Absturz noch abwenden wollte, ist bisher wenig bekannt.

Trauer bei Germanwings. Trauer um den Kapitän Patrick S., der bis zuletzt versuchte, die Katastrophe zu verhindern

Trauer bei Germanwings. Trauer um den Kapitän Patrick S., der bis zuletzt versuchte, die Katastrophe zu verhindern

Es war reine Routine. "You have control", sagte der Kapitän des Germanwings-Katastrophenflugs zu seinem Copiloten Andreas L. und verließ das Cockpit. Zu diesem Zeitpunkt hatte Flug 4U9525 die Reiseflughöhe von knapp 12.000 Metern erreicht. Genau der richtige Zeitpunkt für einen Piloten, um für kurze Zeit das Cockpit zu verlassen - beispielsweise, um zur Toilette zu gehen. "Der Kapitän hat sich absolut korrekt verhalten", stellte Lufthansa-Chef Carsten Spohr während einer Pressekonferenz auf dem Flughafen Köln/Bonn fest.

Der Name des Kapitäns wird mit Patrick S. angegeben. Über den Mann, der bis zuletzt verzweifelt versucht hat, die Katastrophe zu verhindern, ist bisher wenig bekannt. Über die Identität der noch nicht geborgenen Absturzopfer wird derzeit offiziell nichts gesagt. Eine Lufthansa-Sprecherin betonte gegenüber Buzzfeed, dass die Airline die Identität des Kapitäns vorerst nicht bestätigen werde. Was die Auswertung des Stimmrekorders aus dem Unglücks-Airbus nahelegen ist, dass Patrick S. mit aller Macht versucht hat, die Cockpit-Tür aufzubrechen. Laut einem Zeitungsbericht soll er dabei verzweifelt mit einer Axt auf die Tür eingeschlagen haben. Das wird aus den aufgezeichneten Geräuschen geschlossen. "Zu der Sicherheitsausrüstung eines A320 gehört auch eine Axt", bestätigte eine Germanwings-Sprecherin lediglich. Es war ohnehin aussichtslos. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurden die Cockpit-Türen so gesichert, dass sie selbst von Kleinkaliber-Geschossen nicht durchdrungen werden können.

Der tragische Held

Dass Patrick S. dennoch versucht hat, die 150 Menschen an Bord zu retten, macht ihn zum tragischen Helden des Geschehens. S. war Medienberichten zufolge im Gegensatz zu seinem jungen Copiloten ein erfahrener Flieger mit mehr als 6000 Flugstunden. Seit März 2005 war er in Diensten der Lufthansa, startete seine Ausbildung in der Flugschule in Bremen und flog auch für die Lufthansa-Tochter Condor. Seit rund einem Jahr war er bei Kapitän auf der A320. Patrick S. soll 43 Jahre alt, verheiratet sein und zwei kleine Kinder haben. Auch das wird bisher nicht bestätigt.

In mehreren Medienberichten wird ein früherer Kollege von zitiert, der den Kapitän von Unglücksflug 4U9525 als "einen unserer besten Piloten" bezeichnet hat, der unter seinen Kollegen hohes Ansehen genoss. Der Mann, dessen Name nicht genannt wird, sagte, er sei zu 100 Prozent sicher, dass S. alles getan habe, um die Katastrophe zu verhindern. "Ich kannte ihn gut", wird der Mann zitiert, "er war ein sehr guter Mann und er hatte einen wunderbaren Sinn für Humor".

Gestorben ist Patrick S. jedoch voller Verzweiflung. Im Bewusstsein, die nicht mehr verhindern zu können.

dho