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Anzeige der Schulbehörde: Berliner Grundschullehrer propagiert rechte Verschwörungstheorien

Nikolai N. ist ein rechter Verschwörungstheoretiker, wie er im Buche steht. Das Problem: Der Mann unterrichtet seit Jahren an Berliner Grundschulen. Jetzt hat die Schulbehörde reagiert und N. angezeigt.

Berlin Nikolai N.

Verschwörungstheorien für jedermann: Nikolai N. aus Berlin in seinem Kanal-Intro von "Der Volkslehrer"

In sorgt der Fall eines Grundschullehrers für Aufsehen, der auf seinem Youtube-Kanal "Der Volkslehrer" rechte Hetze und Verschwörungstheorien verbreitet. Die Berliner Sentsverwaltung für Bildung hat den Mann angezeigt und eine sogenannte "Reichsbürgermeldung" an die Innenbehörde übermittelt. Zuvor hatte der Berliner "Tagesspiegel" ausführlich über den Lehrer berichtet.

Nikolai N. unterrichtet dem Bericht zufolge in der Vineta-Grundschule in Berlin-Gesundbrunnen Englisch, und Musik. Seit 2014 betreibt er laut eigener Info den Kanal "Der Volkslehrer". Seine "besondere Hingabe gilt natürlich unserem Deutschen Volk, das ein beinahe unvergleichlich schweres Schicksal zu tragen hat." Nikolai N. will für "eine Heilung der Verhältnisse" kämpfen. Der Kanal hat über 3000 Abonnenten und wurde insgesamt über 214.000 Mal (Stand 8. Januar) aufgerufen. 

Nikolai N. aus Berlin unterstützt Holocaust-Leugner

N. hält die Mondlandung und die Anschläge vom 11. September 2001 für inszeniert, verbreitet Zweifel am Holocaust und sieht Deutschland durch die vom Untergang bedroht. In seinen Videos nimmt er immer wieder Bezug auf Zeitungsartikel, anhand derer er seine politischen Ansichten und seine "Kritik" erläutert. Mehr Aufmerksamkeit erlangt er, seit er in seinen Clips von linken Demonstrationen berichtet, wo er mit Plakaten und Fragen provoziert.

Beim Kirchentag in Berlin im vergangenen Jahr sorgte er für einen Eklat: Er störte eine Schweigeminute für ertrunkene Flüchtlinge mit lauten Zwischenrufen. Kurzum: Nikolai N. ist ein rechter Verschwörungstheoretiker, wie er im Buche steht.

Die entscheidende Frage für die Staatsanwaltschaft lautet: Betreibt Nikolai N "Volksverhetzung" oder fallen seine kruden Ansichten unter freie Meinungsäußerung? Zusätzlich muss die Frage geklärt werden, ob Nikolai N. seine Theorien aktiv im Unterricht vor den Schülern verbreitet. Auch das wäre ein Verstoß, gegen die Schulbehörde vorgehen kann.

Seine Schüler wissen angeblich Bescheid

Laut "Tagespiegel" behauptet N. aber, dass er im Unterricht nicht über solche Themen diskutiere. Manche Schüler interessierten sich zwar für Politik und fragten ihn, wie er die Kanzlerin denn finde. Darüber spreche er aber nur "sehr begrenzt“, zitiert ihn die Zeitung,

Er gibt aber zu, dass seine Schüler seinen Kanal kennen und seine Filme sähen. Die Schüler feierten ihn dafür, wie viele Abonnenten der Kanal bereits habe. Manche Schüler setzten Kommentare unter die Videos.

Es bleibt zudem die Frage, warum die erst jetzt gegen N. vorgeht. Denn seine Aktivitäten waren unter den Kollegen offenbar bekannt. Laut "Tagespsiegel" hat Nikolai N., der kein Beamter, sondern Angestellter ist, zunächst an der Brüder-Grimm-Grundschule in Wedding unterrichtet, dann an der Moabiter Grundschule. Dort soll es Beschwerden gegeben haben. Anfang 2016 schrieb die Schulleiterin einen Rundbrief an die Eltern und informierte über "einige Änderungen zur Personalsituation". Herr N. habe "die Schule während des Halbjahres verlassen". Da war er schon vier Kilometer weiter an der Vineta-Grundschule untergekommen. Dort soll die Direktorin laut N. Verständnis geäußert haben. Ob das stimmt, ist nicht zu überprüfen. Die Frau hat sich bislang nicht geäußert. Die Berliner Bildungsbehörde will sich demnächst in einem ausführlichen Statement äußern und darüber informieren, ob sie N. vorläufig suspendiert.

In der Politik herrscht in dieser Frage hingegen Einigkeit über Parteigrenzen hinweg. "Wenn ein Lehrer auf einem You-Tube-Kanal hetzt, dann ist das nichts Privates“, sagt Hildegard Bentele, bildungspolitische Sprecherin der CDU. Und Regina Kittler von der Linken urteilt: "Das ist , was er da macht."

Update vom 8. Januar 2018, 17.30 Uhr: Inzwischen wurde der umstrittene Grundschullehrer vom Unterricht freigestellt. Das berichtet der Berliner "Tagesspiegel" unter Berufung auf die Leitung der Vineta-Grundschule, an der N. bislang unterrichtete. Über weitere Schritte müsse demnach die Schulaufsicht entscheiden.