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Dinslaken-Lohberg: Vom Ruhrpott in den heiligen Krieg

Dinslaken-Lohberg ist ein Zentrum der deutschen Islamistenszene. Von hier aus zogen Kämpfer in den Dschihad. Sie führten ihn gemeinsam mit jenen Terroristen, die vor einem Jahr das Massaker von Paris anzettelten. stern-Enthüllungen in einem brandgefährlichen Milieu.

Von Barbara Opitz und Uli Rauss

Abdelhamid Abaaoud alias „Abu Umar“ (l.) ist die Schlüsselfigur der Anschläge von Paris. Hier posiert er im Internetcafé von Raqqa mit den Lohberger Brüdern Hüseyin und Hasan Diler (r.), genannt „der Engel“. Nur Hüseyin ist noch am Leben, nach ihm wird weltweit gefahndet.

Abdelhamid Abaaoud alias „Abu Umar“ (l.) ist die Schlüsselfigur der Anschläge von Paris. Hier posiert er im Internetcafé von Raqqa mit den Lohberger Brüdern Hüseyin und Hasan Diler (r.), genannt „der Engel“. Nur Hüseyin ist noch am Leben, nach ihm wird weltweit gefahndet.

"Wir haben sie" , zischt der Fahrer in sein Handy, als die Jungen endlich in dem Kleinbus sitzen. Sie sind gerade am Düsseldorfer Flughafen gelandet. Am Kreisverkehr biegt der Bus nach Lohberg ein, vorbei an der alten Zeche, Richtung Ortsmitte. In der Hauerstraße, neben "Ilhan’s Flammgrill" und nahe der Moschee, wohnt einer der Syrien-Rückkehrer. Hier wartet an diesem Tag im Juni 2013 eine Menschenmenge, 200 Männer, auch Frauen und Kinder. Sie sind gekommen, um die vier jungen Männer zu empfangen.

Vor drei Wochen waren auch sie, "die Kleinen", plötzlich weg. Sie waren in zwei Autos losgefahren und ihren Brüdern in den Krieg gefolgt. Hätte die Mutter des einen nicht am Telefon gedroht, sie bringe sich um oder komme selbst über die Grenze, wenn sie nicht von allein zurückkehren, säßen sie jetzt nicht im Bus.

Sie heimzuholen war schwierig genug, alle Kontakte mussten genutzt werden. Es traf sich gut, dass Onkel und Cousins einer Lohberger Familie an der türkischsyrischen Grenze leben. Keine Autostunde von Aleppo entfernt betreibt der Clan Schmuggelgeschäfte. Mit Waffen und Drogen, zuletzt auch mit Kämpfern, die in den Krieg ziehen. Das bringt gutes Geld. Und der Dschihad, der Heilige Krieg, ist ja auch nichts Schlechtes. Die Familie jedenfalls hatte die nötigen Verbindungen. Am Ende führten Unterhändler der rechtsextremen "Grauen Wölfe" an der Grenze die Verhandlungen über das Schicksal der vier.

Der IS ließ die "Kleinen" laufen. Lohberg hat sie freigekauft. Ein Fuhrunternehmer aus Lohberg hatte seine Busse verkauft. Den Erlös sowie zwei in Deutschland geleaste BMW bekam der "Islamische Staat", Gesamtwert: etwa 100 000 Euro. Und die älteren Kämpfer aus Lohberg, seit gut zwei Monaten bei der Terrormiliz, blieben.

Der Lohberger Eniz A. mit dem Kind von "Goofy" auf dem Schoß. Die Sprengstoffweste gehörte zur festen Ausrüstung der Kämpfer. Im "Ilhan’s Flammgrill" in Lohberg trafen sich die Männer vor ihrer Ausreise fast täglich zum Hähnchenessen.

Der Lohberger Eniz A. mit dem Kind von "Goofy" auf dem Schoß. Die Sprengstoffweste gehörte zur festen Ausrüstung der Kämpfer. Im "Ilhan’s Flammgrill" in Lohberg trafen sich die Männer vor ihrer Ausreise fast täglich zum Hähnchenessen.


Ein Raunen geht um in der Hauerstraße, als die Jungen nun aus dem Bus steigen und sich ihren Weg durch die Menge bahnen. Schulterklopfen, Handschläge. Die Jungen sind mit Medikamenten vollgedröhnt. Erleichterung macht sich breit in Lohberg. Und Bewunderung für den Mut der jungen Männer. Die "Kleinen" waren tatsächlich in den Dschihad gezogen. Die Löwen.

Lohberg, ein Stadtteil von Dinslaken im Ruhrgebiet. 6000 Einwohner, zwei Moscheen, drei türkische Supermärkte, Dönerläden, das Taxiunternehmen heißt "Erdogan" . Die alten Bergarbeiterhäuser um den Marktplatz herum sind klein, die Autos davor groß, Mercedes, BMW, VW Touareg. Vor 40 Jahren sind die meisten Einwohner oder ihre Vorfahren aus der Türkei gekommen. Sie alle stammen aus Kars, Zonguldak und Trabzon am Schwarzen Meer. Ganze Nachbarschaften wurden einfach nach Dinslaken verpflanzt. Dort machte die Zeche 2005 dicht, seitdem ist jeder vierte Jugendliche in Lohberg arbeitslos. Nachts hört man Schüsse vom Abenteuerspielplatz her. Mit einer Schusswaffe mal in einen Baum ballern, den starken Mann mimen. Gut gegen Langeweile.

Von hier sind 15 Männer nach Syrien in den Krieg gezogen, dazu Frauen und Kinder. Einer riss 20 Menschen mit in den Tod, ein anderer posierte mit abgeschlagenen Köpfen in einem Facebook-Post. Lohberg gilt als eine Zentrale des militanten Islamismus, Brutstätte für Terroristen. 200 Sympathisanten zählte der Verfassungsschutz zeitweise. Nirgendwo sonst gibt es in Deutschland so viele Dschihadisten auf so kleinem Raum.

Der stern hat über Monate in und über Lohberg recherchiert, mit Fahndern, Geheimdienstlern und Anwälten gesprochen, mit Waffenschiebern und Drogendealern, Insidern im Lohberger Terrormilieu. Tausende Seiten Ermittlungsakten dokumentieren das Vorgehen der Terroristen in Syrien und Irak und das Verhalten ihrer Angehörigen und Helfer in Lohberg.

Es zeigt sich, dass die "Lohberger Brigade" in Syrien aufs Engste verbunden war mit dem Drahtzieher der Anschläge von Paris, bei denen vor einem Jahr, am 13. November 2015, im Konzertsaal Bataclan und vor Bars und Cafés 130 Menschen starben. Lohberger ließen sich auf eine Liste potenzieller Schläfer in Europa setzen, planten Anschläge in Deutschland. Und es zeigt sich, dass auch die organisierte Kriminalität ihr Geld im Geschäft mit dem Terror verdient.

Terror braucht ein Milieu, das ihn nährt

Das kleine Lohberg funktioniert ähnlich wie Molenbeek, jenes Migrantenviertel von Brüssel, wo die Pariser Attentäter ihre Taten vor bereiten konnten und wo der meistgesuchte Mann Europas monatelang untertauchen konnte. Terror braucht ein Milieu, das ihn nährt. Die Syrien-Kämpfer werden gedeckt, man unterstützt sie oder schaut weg. Das ist noch immer so. Das alte Rekrutierungsnetzwerk nimmt neue Leute ins Visier.

Es fängt scheinbar harmlos an im Jahr 2011, als Mustafa T., ein junger Lohberger, seinen "Bildungsverein" gründet. Die Älteren und die Frommen sind zufrieden. Die Jungen sind plötzlich so vernünftig. Sie beten! Befolgt man die Regeln Allahs, ist alles einfach: keine Drogen, kein Alkohol, keine Zockerspiele.

Mustafa Kalayci, den alle "Goofy" nennen, ist dabei – ein wuchtiger Deutschtürke mit Zahnlücke. Goofy hatte immer Geldprobleme und dealte. Er hing mit seiner Rockerkutte im "Scarface" ab, dessen Besitzer war Bandido. Der Konvertit Philip Bergner, mit faustgroßem Tattoo am Hals, gehört dazu und sein jüngerer Cousin Nils Donath, der "Dicke". Die drei kennen sich seit der Hauptschule. Philip war zwei Jahre wegen Drogen und einer Psychose in Behandlung. Nils wurde mit 15 Vater und kam später wegen schweren Diebstahls in Haft. Abhängen, kiffen, koksen, Wodka-Redbull trinken, so sah ihr Alltag aus. Irgendwann stößt Hasan Diler hinzu, sie nennen ihn "den Engel", denn er sieht so aus mit seinen dunklen Locken. Und er hat dieses Lächeln, wie ein Prophet. Vor allem nimmt er keine Drogen. Hasan ist ein enger Freund von Mustafa T. Und er ist gläubig.

Der Bildungsverein, den Mustafa T. mit Hasan im Sommer 2011 gründet, mietet von der Stadt Räume nahe am Marktplatz, auf dem die Jungs früher in Kapuzenpullis herumhingen. Mustafa T. predigt dort nun in Eigen regie. Gelernt hat er es nicht. Aber über Allah erzählen, das kann nichts Schlechtes sein, wird man später in Lohberg sagen, man dachte sich nichts dabei.

Auch dann nicht, als zu den Treffen 30 Jugendliche aus anderen Städten kommen, als die Männer sich Bärte wachsen lassen und islamische Kleidung tragen. Als sie auf dem Marktplatz einen Tapeziertisch aufbauen und die alten Türken über den Koran "aufklären". Und wenn einer der Jungs mal sein "Al-Qaida-T-Shirt" trägt, mit dem Adidas-Logo in Form von Hochhäusern, in die ein kleines Flugzeug zu steuern scheint, dann sieht man das nicht so eng. Im Gegenteil, es wird ein Foto ins Internet gestellt, auf dem ein Moscheevorstand aus Lohberg mit einem der Jungs in so einem ähnlichen T-Shirt den Zeigefinger in die Luft streckt, ein Zeichen für Allah, es gibt nur den einen, wahren Gott.

Sie diskutieren jetzt über Koransuren, gehen nur für die Moschee aus dem Haus oder um zu essen, Grillhähnchen und Dönerteller, alles hier in Lohberg ist halal, im Islam erlaubt. Sie nehmen zu, Nils 40 Kilo, bald wiegt er 160. Aber er kümmert sich plötzlich um seine kleine Tochter. Philip bringt seiner Mutter jetzt Rosen mit. Er wirkt ausgeglichen, auch wenn er sich nun weigert, den Cousinen einen Begrüßungskuss zu geben, und Weihnachten nicht mehr dabei ist. Und es gibt Streit, wenn Philip versucht, die Mutter zu überzeugen, den Islam anzunehmen. Er schreit sie an, sie komme in die Hölle, erinnert sie sich später in einer Vernehmung.

Die Jungen radikalisieren sich schnell. Sie fahren nach Bonn und Duisburg oder in das "Medina Grill" in Düsseldorf, einen angesagten Salafistentreff. Pierre Vogel, der bekannte Prediger, war schon hier. Und die Solinger, bald schon die härtesten Salafisten der deutschen Szene, darunter Denis Cuspert, ehemals Rapper. Einer, der jetzt schon zu den Solingern gehört, war früher oft im Bildungsverein zu Besuch. Mustafa T. rät noch ab, im Mai 2012, zu der Demo zu gehen, die von den Solingern geplant ist. Die Jungen aus Lohberg fahren trotzdem.

Es kommt zum Bruch. Nach diesem Streit schließlich werden Mustafa T. und Hasan nie mehr miteinander sprechen: Sie stehen sich auf der Straße gegenüber. Das ist "haram!", schreit Mustafa T., im Islam verboten. Seine Jungs haben ihm nichts erzählt, nichts von ersten Ausreiseplänen nach Mali, nichts von denen nach Syrien. Mustafa T. hat nur mitbekommen, dass sie wieder "Scheiße bauen" . Krumme Dinger. Und ausgerechnet Hasan macht mit. Der Engel.


"Bring mir die Kaputten", sagt der Imam

Da ist ein türkischer Imam in Oberhausen, mit langem, gepflegtem weißem Bart, der in einer Hinterhofmoschee predigt. Er trägt islamische Kleidung, ist ab und an in der Moschee an der Hünxer Straße. "Bring mir die Kriminellen, die Kaputten", soll er zu einem Lohberger gesagt haben, "die richtig Gläubigen sind für Syrien nicht zu gebrauchen." Die jungen Männer sammeln viel Geld. Für den Dschihad. Nils, der Dicke, verkauft übers Internet Fernseher, die es gar nicht gibt. Philip und ein paar andere fahren Autos kaputt und kassieren das Geld von der Versicherung, bis zu 100 000 Euro kommen dabei herum. Auch mit Drogen handeln sie. Und es wird offensichtlich, dass die jungen Männer nicht vorhaben, in Lohberg zu bleiben: Sie schließen Ratenverträge ab, für Waschmaschinen, Handys und iPads, die sie sofort wieder verkaufen, manchmal direkt am Marktplatz, aus dem Auto heraus. "Haram!", brüllt Mustafa T. Für Hasan aber ist Mustafas Gehabe "haram" und der Dschihad Pflicht für jeden guten Muslim. Drei Monate später sind Hasan, Philip, Goofy und ein paar andere weg.

Philip skypt regelmäßig von Syrien aus mit seinem Cousin Nils in Dinslaken, manchmal sitzt auch seine Mutter dabei. Philip sagt, er sei in einem Trainingslager gewesen. Auch Goofy postet auf Facebook. Zwischendurch kommt er noch mal nach Lohberg, um seine Frau Sarah nachzuholen, eine Konvertitin, und das Kind. Er hatte Sarah in seiner Kuttenzeit kennengelernt, später saß sie immer auf dem Beifahrersitz seines lilafarbenen Polo, voll verschleiert. Und Hüseyin, Hasans älterer Bruder, ein elender Heroinjunkie, war schon zweimal von Lohberg aus in Syrien zu Besuch, auch wenn er sich früher im Bildungsverein nie hat blicken lassen.

Nils beantragt vor seiner Ausreise tatsächlich eine Auslands-Krankenversicherung, bei der AOK-Filiale am Altmarkt. "Der Dicke" gehört zur dritten Welle aus Lohberg, als er im Oktober 2013 als Letzter nach Syrien kommt. Schlepper setzen ihn in einen Korb, der an einem Seil befestigt ist. So schwappt er über den Fluss, der die Grenze markiert.

In Lohberg spricht man nicht darüber, wo die Männer geblieben sind. Zumindest nicht offen. Die Lohberger halten dicht. Später erst werden Fahnder herausfinden, dass viele über Facebook und Skype Kontakt mit den IS-Kämpfern in Syrien haben. Es gibt sogar eine geheime Whatsapp-Gruppe namens "Dawla al-Islamiya" , Islamischer Staat, sie hat ungefähr 50 Mitglieder. Mit einem davon chattet Philip von Syrien aus zweimal die Woche auch auf Facebook.

"Hier, guck mal", schreibt Philip und hält einen schwarzen Gürtel in die Kamera, ähnlich einem Nierengurt. Und weiter: "Dass ist ein Gürtel mit TNT, ein Knopfdruck und alles ist weg." Genauer nachgefragt hat der Freund aus der Whatsapp-Gruppe aber nicht, wird er später in der Vernehmung aussagen.

"Du warst gerade in rtl"- "du bist jetzt Promi... hehehe"

Am 29. November 2013 spricht ein Mann mit rotbraunem Bart und türkisblauen Augen in akzentfreiem Deutsch in die Kamera: "Ich bin nach Syrien ausgewandert (…). Ich habe mich der Karawane des Dschihad angeschlossen." Es ist Philip Bergner, nun Abu Usama al-Almani. In der Hand hält er ein Sturmgewehr. Es ist das erste Propagandavideo des IS auf Deutsch.

5. Dezember 2013. Chat zwischen Philip Bergner und einem Freund aus Dinslaken: "Du warst gerade in rtl" – "Wann?"– "vor 5 min ... du bist jetzt Promi ... hehehe" . Der Berliner Islamist Reda Seyam hat ihnen in Syrien eine Villa mit Pool besorgt. Seyam ist jetzt in Aleppo Vize-Emir, eine Art Fürst. Die reichen Syrer sind vor dem Krieg geflohen, und der IS hat alle Kämpfer aufgerufen, auf die schönen Häuser "aufzupassen" , so erzählt es Nils Donath später vor Gericht.

Die Lohberger trinken Pepsi, essen Snickers, leben in der Nähe von Aleppo, im Ort Kafr Hamra. Zusammen mit den Hardlinern aus Solingen, die nach einer Kampfausbildung aus Libyen kamen. Philip postet auf Facebook ein Bild mit Pool: "mein aktueller Wohnort ... wer etwas verlässt für Allah bekommt was besseres".

Topterrorist Abaaoud mit Koran und IS-Flagge

Topterrorist Abaaoud mit Koran und IS-Flagge. Er ist verantwortlich für die Durchführung der Anschläge von Paris.


Hier lernen die Lohberger die Dschihadisten aus Belgien kennen. Mehr als 30 Belgier und Franzosen aus Molenbeek hausen in einer Villa ein paar Häuser weiter, andere im Stockwerk direkt über den Deutschen. Unter ihnen ist ein Mann mit dem Kampfnamen "Abu Umar". Sein richtiger Name: Abdelhamid Abaaoud. Er wird später mit Rückkehrern aus Syrien die Anschläge in Paris organisieren. Vier Monate nachdem Goofy dem dicken Nils auf einem Reiterhof das Schießen mit der Kalaschnikow beibringt, sieht man TV-Bilder, auf denen dieser Abaaoud in einem Pickup sitzt und mit einem Seil verstümmelte Leichen hinter sich herzieht. Er lacht. Im Hintergrund: der Reiterhof. 13. Januar 2014. Gegen 21.30 Uhr klingelt bei Philips Mutter in Dinslaken das Telefon. Sie soll Skype öffnen, Philip gehe es nicht gut, heißt es. Sie starrt auf den Bildschirm. Ihr Sohn liegt im Bett, auf Hals und Kinn prangt ein riesiger Verband, das Gesicht ist geschwollen. Wenn er hustet, wischt ihm ein Araber den Speichel weg.

"Ist jemand, der sich um dich kümmert?" – "Ja ... Du kannst reden, nur ich muss schreiben ... werde erst wieder in drei Monaten reden können" – "Willst du nach Hause? (...) Du wirst als Terrorist gesucht." – "Ich weiß ... Komm du mich besuchen. Ist nicht gefährlich" – "Nein, das geht nicht ... Du kannst nach Hause kommen und lieber in den Knast gehen." – "Warum? Ich bin auf einem guten Weg. Denkst du, ich werde Dschihad tauschen?"

Eine Kugel hat Philip den halben Kiefer weggefetzt. Philips Mutter stellt nach dem Gespräch den Kontakt zu ihrem Sohn für immer ein, sie hält das Elend nicht mehr aus, das sagt sie ihm noch.

 "Kein Spaß mehr!! die Hunde aus dem Westen werden geschlachtet!"

Der IS steht im Norden Syriens unter Druck, die Front rückt auf Kafr Hamra vor. Für die Lohberger gibt es nun keine Villa mehr. Fast 1000 IS-Männer ziehen mit Pick-ups und schwarzen Fahnen ins Landesinnere, die Lohberger sind dabei. Unterwegs, in der Stadt A’zaz, entsteht ein Foto, Goofy grinsend, mit zwei abgeschlagenen Köpfen. "Kein Spaß mehr!! die Hunde aus dem Westen werden geschlachtet!" , postet Philip zusammen mit dem Foto auf Facebook. Nils wird später vor Gericht erzählen, danach seien sie essen gegangen.

Bei einem großen Treffen an einem verlassenen Flugzeughangar, als Hunderte IS-Kämpfer sich auf dem Flugfeld zu einem Karree formieren, sind die Lohberger das letzte Mal alle zusammen: schwarze Uniformen, Gesichtsmasken, Schweigen, nur das metallene Scheppern der Sturmgewehre, so beschreibt es Nils später bei der Vernehmung. Dann marschiert ein Mann in ihre Mitte, bullig, roter Bart, der Oberbefehlshaber des IS in Syrien, es ist wie eine Götterniederkunft. Gruppenweise nimmt Abu Umar al-Schischani, der berüchtigte Tschetschenen-Führer, den Dschihadisten den Treueeid ab.

Er teilt die Kämpfer für Einsätze ein. Die Lohberger kommen mit den Belgiern in eine Kampfbrigade, sie sind stolz, sie gehören jetzt richtig dazu. Während wenig später der "Engel" Hasan, Hüseyin und andere aus Lohberg mit den Belgiern in den Ölgebieten kämpfen, verreckt allerdings Goofys Auto. Er und Nils nutzen die Gelegenheit und heuern beim IS-Geheimdienst an, als Wärter in einem Folterknast, das ist sicherer. Und Nils kann in der Nähe von Philip bleiben, der in der Stadt al-Bab in einer Krankenstation des IS liegt.

Nils Donath

Nils Donath macht sich einen Spaß mit der Scheinexekution eines Gefangenen


Nils, Goofy und zwei Lohberger, die später dazustoßen, jagen jetzt Menschen, die der IS zu Feinden erklärt hat. Sie hören ihr Stöhnen, vergraben ihre Leichen, posieren mit Sturmhaube und Pistole als Gefängniswärter, führen Scheinexekutionen mit Gefangenen durch, aus Spaß. Für die Freunde in Lohberg sind die Fotos und Videos aus Syrien wie Ausschnitte aus "Call of Duty", dem Ego-Shooter-Spiel. Besonders das Bild von Goofy mit den beiden Köpfen.

8. August 2014. Nils Donath chattet mit seiner Mutter, Philips Tante. Er schreibt: "du bist unter dem tron allahs, diese Stufe ist beste und ist extra für so welche Leute erschaffen worden". Philip Bergner hat sich vor zwei Tagen im Irak, südlich Mossul, mit einer Autobombe in die Luft gejagt und so 20 Menschen ermordet. In Lohberg erzählt man sich, Philips Verletzungen seien nicht geheilt, es habe keinen Sinn mehr gehabt. Nils schreibt seiner Mutter zum Trost: "guck ma, es gibt 7 besonderheiten für den Märtyrer. Eine davon ist die höchste stufe des paradieses dan man wird von der strafe im grab verschohnt und man bekommt 72 jungfrau".

Es dauert drei Monate, bis er zurückkehrt nach Dinslaken. Im November 2014, über Istanbul. Goofy, Hasan, Hüseyin und die anderen lässt er zurück. Nils hat in der IS-Hauptstadt Raqqa, von wo aus Philip für das Selbstmordattentat in den Irak ging, dessen Pistole und andere Sachen abgeholt. Dann ließ er sich in Listen des IS für "Spezialeinsätze" eintragen. Genau wie Philip. Nur ist die Liste, auf die sich Nils setzen lässt, speziell für Männer, die der IS nach Europa schickt, für Anschläge oder als Unterstützer.

Anders hätte der IS ihn nicht gehen lassen, sagt er später aus. Er geht in die Mittwochssprechstunde zum Chef der Provinz, in der sein Folterknast liegt. Der Provinzchef fragt, ob Nils mal in den Medien aufgetaucht sei. Ist er nicht. Und Reda Seyam, der Berliner Islamist und ranghöchste Deutsche beim IS, legt ein gutes Wort ein. Da hat der Provinzboss keine Einwände.

Nils fährt mit dem Bus von der Türkei nach Deutschland. Er macht auf der Fahrt noch ein Selfie, mit den Alpen im Hintergrund. Er hat sich die Haare kurz schneiden lassen und den langen Bart abrasiert.

Der Zugriff erfolgt im Januar 2015, zwei Monate nach seiner Heimkehr. Am nächsten Tag melden Medien, drei Männer aus Dinslaken seien in Syrien getötet worden, unter ihnen ein Mustafa Kalayci und ein Hasan Diler – Goofy und Hasan. Man erzählt sich in Lohberg, sie hätten gekämpft wie Löwen.

Nils wohnt jetzt wieder bei seiner Mutter

Hasan hatte gerade erst einen Twitter-Account eingerichtet, als Abu Dsch’afar al-Almani, sein Profilfoto zeigt ihn lächelnd mit Kalaschnikow. Beim IS war er so bekannt, dass ihm das Hochglanz-Propagandamagazin "Dabiq" ein großes Märtyrerporträt widmet. Hasan Diler aus Lohberg, Poster-Boy des IS.

Nils wohnt jetzt wieder bei seiner Mutter, trifft sich mit alten Freunden aus Lohberg. Er passt auf, wenn er telefoniert. Er weiß, dass die Polizei seine Gespräche abhört. Er löscht alle Bilder vom Handy. Die Terrorfahnder haben noch keinen Beweis dafür, dass Nils Donath in Syrien war und beim Islamischen Staat. Bei einer Vernehmung sagt er, er sei in der Türkei gewesen und habe bei Vodafone gearbeitet. Er ahnt nicht, dass die Polizei sein Auto verwanzt hat. Sie hört mit, wenn Nils arabische Kriegsgesänge hört und mit Freunden spricht.

20. Dezember 2014. "So läuft das ... erste Reihe is, äh, wie Jackpot, Alter." – "An der Front kämpfen?" – "Ja. Erste Reihe reinlaufen. Da vorne ist der (Feind), und du siehst den, und du ballerst." Er erklärt noch, wie man mit gelbem TNT-Pulver eine Bombe baut. Und am Telefon kann er es nicht lassen, seine neue Freundin "Weiße Witwe" zu nennen. Eine "Weiße Witwe" ist die Frau eines Schläfers, der unerkannt auf seinen Einsatz wartet.

Am 10. Januar 2015 umstellt das SEK den silbernen Polo von Nils in der Nähe einer Tankstelle in Dinslaken. Am Vortag hat ein Islamist in einem jüdischen Supermarkt in Paris Geiseln genommen, es gab vier Tote, zwei Brüder aus Algerien haben in der Redaktion der Satire-Zeitschrift "Charlie Hebdo" elf Menschen ermordet. Die Waffen hatten sich die Männer im belgischen Molenbeek organisiert.

In Haft schweigt Nils Donath, monatelang. Bei einem Besuch der Mutter, den der leitende Ermittler überwacht, schreit Donath ihn durch die Glasscheibe an: "Wenn ich rauskomme, wird abgerechnet!" Erst als ihm klar wird, dass die Fahnder die gelöschten Dateien aus seinem Handy rekonstruiert haben und sein Polo verwanzt war, beginnt er zu reden.

Elf Tage nach dem Paris-Massaker legen zwei Ermittler des LKA Nils Donath das Foto des Drahtziehers Abdel Hamid Abaaoud vor. Was Donath aussagt, lässt das Schlimmste befürchten:

Der Provinzchef, der Donath und andere auf die Liste potenzieller Attentäter in Europa setzte, war kein Geringerer als Abaaouds Vorgesetzter in Syrien. Hüseyin Diler kämpfte zeitweise unter seinem Kommando. Und noch mit einem anderen wichtigen Mann sollen die Lohberger Kontakt gehabt haben, einem Franzosen mit dem Kampfnamen "Abu Muhammad al-Fransi" , alias Salim Benghalim. Französische Geheimdienste halten ihn für den Hintermann von Abaaoud bei den Pariser Anschlägen, schon zuvor stand er auf der US-Liste der zehn meistgesuchten Terroristen der Welt. Dieser Mann kam mal im Foltergefängnis zu Nils und den anderen. Sie sollten eine Leiche aus seinem Kofferraum beseitigen. "Der war ein total verrückter Typ, hatte eine Kugelschreiberpistole. Den halte ich für skrupellos. Ich will gar nicht wissen, was der mit den Gefangenen beim Rückzug aus Aleppo gemacht hat" , sagt Nils Donath bei der Vernehmung aus. Und noch etwas erzählte er: "Als ich damals da war, haben die Deutschen sich auch über Anschläge in Deutschland unterhalten. Die können sich ja hier in Deutschland bewegen, die fallen nicht auf, die kennen sich ja aus."

Die Sturmgewehre für die Pariser Anschläge kamen aus dem Balkan nach Belgien, sagt ein Insider aus Lohberg. Nils Donath sagt aus: "Wir dachten immer, dass es zu schwierig wäre, Kalaschnikows und TNT über die Grenze zu bringen. Wir haben das als unrealistisch betrachtet. Heute sieht das schon ganz anders aus. Für die dort könnte vielleicht Angela Merkel ein Ziel sein, weil sie ist ja der Kopf von allem in Deutschland."

Die Fahnder fanden später im Handy von Abaaouds Cousine ein Foto: Abaaoud Arm in Arm mit Hüseyin und Hasan aus Lohberg. Zuletzt habe er Abaaoud im August 2014 gesehen, gibt Donath an. Und zumindest Hasan war mit Abaaoud von Beginn an in derselben Kampfgruppe, später dann auch Hüseyin.

Lohberg ist vom Brüsseler Terror-Stadtteil Molenbeek nur 250 Kilometer entfernt. Ein paar Wochen bevor Goofy, Philip, Hasan und die anderen verschwanden, machten sich auch die Molenbeeker nach Syrien auf. Vorher fuhren sie in Molenbeek Autos kaputt und kassierten das Versicherungsgeld. Und sie schlossen Ratenverträge ab, für Handys und iPads, die sie verkauften. Nachstern-Recherchen muss es vor der Ausreise der ersten Lohberger in München ein Logistiktreffen mit den Molenbeekern gegeben haben. Später fuhren sie mit zwei Autos vom Lohberger Marktplatz nach Paris. Von dort aus flogen sie in die Türkei. Die Drähte zog nachstern-Recherchen ein Libanesen-Clan aus Essen, der mit dem IS mit Drogen, Waffen und Kämpfern handelt.

Fünf der Lohberger Brigade sind inzwischen tot, einer hält sich in Istanbul auf, Nils Donath sitzt im Gefängnis. Vier kämpfen weiter für den IS, wahrscheinlich in Syrien oder dem Irak. Sie werden nach der Offensive in Mossul, nachdem der IS verjagt worden ist, in anderen Ländern kämpfen. Oder zurückkehren. Wo Hüseyin ist, kann Nils Donath nicht sagen. Er steht in Zusammenhang mit den Pariser Attentaten auf der internationalen Fahndungsliste. Im Lohberger Milieu erzählt man, dass Hüseyin gesehen worden sei, mitten im Ort, kurz vor den Anschlägen.

Ein dunkler Herbstabend in Lohberg. Im "Adanali", dem Internetcafé an der Hünxer Straße, läuft die WM-Qualifikation, Türkei gegen Ukraine, es steht 2 : 2. Im hinteren Eck sitzen junge Männer mit Bärten und spielen Karten. Einer, kantiges Gesicht, gehört zu den "Kleinen" , die vor drei Jahren nach Syrien fuhren, ein anderer, schmächtig, kleiner Schnauzer, wurde vor einem halben Jahr von Ermittlern gefilzt, sie wollten an sein Handy. Denn auf manches Handy in Lohberg gelangen weiterhin Neuigkeiten, Bilder, Videos aus Syrien. Von hier, aus dem "Adanali", haben sie früher nach Syrien gechattet. Einer der Männer, groß und bullig, steht auf, als die Reporter eine Cola trinken, macht klar, dass dies ein Vereinsheim sei. Fremde sind nicht willkommen.

Nun kommen die Flüchtlinge in die Moschee

Nach Rückkehr der "Kleinen" hat die Stadt ein Präventionsprogramm gegen gewaltbereiten Salafismus ins Leben gerufen. Zur Meldung vor zwei Monaten, die Polizei habe zwei Verdächtige in Dinslaken festgenommen, syrische Flüchtlinge, die in Zusammenhang mit Anschlagsplänen stehen, winkt man in Lohberg ab. Das habe doch nichts mit ihrem Stadtteil zu tun.

Und doch. Im Asylheim an der Fliehburg leben 600 Flüchtlinge. Ein paar von ihnen, Syrer, Schwarze, Albaner, fahren donnerstags zum Beten nach Oberhausen. In eine Madrassa. Dort predigt ein Imam mit gepflegtem weißen Bart. Seitdem die Flüchtlinge hier sind, tragen manche Jugendliche wieder islamische Kleidung. Das sei kein gutes Zeichen für Lohberg, sagt ein Türke, der die Szene genau kennt. "Es fängt wieder an." 

Barbara Opitz und Uli Rauss
Ich brauche dringend Hilfe bei der EM rente
Guten Tag mein Name ist Carsten Langer ich bin 46 Jahre alt und Versuche seit März 2015 die EM Rente zu beckommen meine Ärzte sagen ich kann nicht mehr Gutachten der Kranken Kasse sieht das auch so nur die Gutachter der Rentenkasse Sehens anders war schon vor sozial Gericht 1 Instanz Richterin sagt ich kann nicht am Gutachten vorbei entscheiden ihre Empfehlung ich sollte in die 2 Instanz weil sie meint das ich auch nicht mehr Arbeits fähig bin die 2 Instanz sagt laut Gutachten könnte ich noch arbeiten aber ihre Meinung nach könnte ich auch nicht mehr arbeiten ich sollte doch auf ein Urteil verzichten und ich sollte neu Rente beantragen und der zwischen Zeit wurde ich zur Berufs Findung geschickt die nach sechs Wochen von der Rentenkasse abgebrochen wurde habe auch erfahren das die Rentenkasse mir keine Umschulung mehr zutraut auf den Rat ich sollte noch Mal EM Rente beantragen bin ich in Reha gegangen damit ich auch neue Arzt berichte habe die Reha hat den Aufenthalt von 4 auf drei Wochen verkürzt und mich entlassen als nicht arbeitsfähig für den allgemeinen Arbeits Markt und ich kann keine 3 Stunden arbeiten das hat der Rentenkasse wieder nicht gereicht hatich wieder zum gutachter geschickt der mir 45 Minuten fragen gestellt hat und jetzt heißt es ich kann wieder voll arbeiten auf den allgemeinen Arbeits Markt Meine Erkrankungen sind Ateose in beiden knieen und mehreren Finger Gelenken Verschleiß in beiden Fuß, Hüft, Schulter und elebogen Gelenken dazu Gicht im linken Daumen satel Anhaltende Schmerzstörungen Wiederkehrende Depressionen Übergewicht Hormonstörungen Wirbelsäulenleiden Bandscheibenschädigung Schlaf Atem Störung Schlafstörungen eine ausgeprägte lese und rechtschreib Schwäche Panick Attacken ( Zukunftsangst) Suizidale Gedanken 1 Suite Versuch Laut aus Zügen einiger Befunde Bin ich nicht mehr Stress resistent Darf keinen akort machen keine Schicht Arbeit keine gehobene Verantwortung überaschinem oder Personen tragen usw Aber al das reicht nicht für die EM Rente Mittlerweile bin ich von der Kranken Kasse ausgesteuert das Arbeitsamt hat mich nach 9 Monaten abgemeldet und seit April wäre die Renten Kasse nicht mehr für mich zuständig aber da ein laufendes verfahren ist hmm keine Ahnung Da ich Mal gut verdient habe habe ich eine bu abgeschlossen aber da die über 900 euro mir zählt und das schon fast 3 Jahre habe ich kein Anspruch auf Harz 4 Grundsicherung Wohngeld oder sie Tafel für essen nein ich darf dafon mich noch mit 260€ freiwillig Kranken versichern Deswegen konnte ich meine Wohnung mir nicht mehr leisten und bin auf einen Campingplatz gezogenitlerweil habe ich eine Freundin und wir teilen uns die Wohnung Bitte ich brauche dringend Hilfe mir wird das alles zuviel werde mich parallel zu ihnen auch an den svdk wenden aber vielleicht können sie unterstützend helfen ich weiß echt nicht weiter und meine schlechten Gedanken werden wider sehr stark Mfg