VG-Wort Pixel

anhaltende unruhen im athen Erneut schwere Ausschreitungen von Roma in Griechenland – Dutzende Randalierer schießen auf Polizisten

Demonstranten stehen Polizisten am Dienstag in Athen, Griechenlands Hauptstadt gegenüber
Demonstranten stehen Polizisten am Dienstag in Athen gegenüber. Der Polizeieinsatz mit einem lebensgefährlichen verletzten 16-jährigen Roma sorgt für Ausschreitungen in Griechenland.
© ANE Edition / Imago Images
Seitdem ein Polizist bei einem Polizeieinsatz am Montag einem jungen Roma in den Kopf geschossen haben soll, kommt es zu Ausschreitungen in Griechenland. In der Umgebung von Athen haben Randalierer nun mit Schrotflinten auf die Beamten geschossen.

Die gewaltsame Protestwelle durch Roma in Griechenland nimmt auch nach vier Tagen kein Ende. Nachdem ein Polizist in der Nacht auf Montag einem 16-jährigen Roma bei einem Polizeieinsatz in den Kopf geschossen haben soll, gibt es schwere Ausschreitungen im Land – vor allem rund um die griechische Hauptstadt Athen.

Am Donnerstagabend hat es an mehreren Orten Ausschreitungen gegen Polizisten gegeben. Roma zündeten Autoreifen sowie Mülltonnen an und warfen mit Steinen. Im Athener Vorstadt Aspropyrgos schossen ungefähr 30 Personen mit Schrotflinten auf Polizisten. Ein Beamter wurde dabei leicht verletzt.

Griechenland: Polizei führt großangelegte Razzien durch

Die Polizei hatte am Donnerstag aufgrund der schweren Ausschreitungen der vergangenen Tage Razzien in mehreren Athener Vororten unternommen, in denen Roma wohnen. Dabei wurden 25 Häuser durchsucht und sieben Personen wegen des Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz festgenommen. Am Freitagmorgen setzte die Polizei ihre Razzien in Roma-Siedlungen in Athener Vororten fort. Der staatliche Fernsehsender ERT berichtete, dass zwei Personen in Gewahrsam genommen wurden.

Der Präsident des griechischen Roma-Verbandes Ellan Passe, Vassilis Pantzos, rief die Menschen dazu auf, mit den gewaltsamen Unruhen aufzuhören. "Wir versuchen gemeinsam mit den Vorsitzenden der jeweiligen Gemeinden, die aufgeladene Stimmung im ganzen Land zu beruhigen", sagte er am Freitagmorgen dem Staatssender ERT. Man verurteile die Randale, es gebe dafür keine Rechtfertigung. Gleichzeitig kritisierte Pantzos, dass die Gewalt seitens der Polizei gegenüber den Roma in den vergangenen Jahren zugenommen habe. Dagegen müsse der Staat vorgehen.

Beschuldigter Polizist wird dem Haftrichter vorgeführt

Am Freitagmorgen sagte der beschuldigte Polizist vor dem Haftrichter in Thessaloniki aus, der Montagnacht bei einer Verfolgungsjagd dem 16-jährigen Roma in den Kopf geschossen haben soll. Der Jugendliche schwebt seitdem in Lebensgefahr. Bei seinen bisherigen Aussagen gab der Polizist an, aus Notwehr gehandelt zu haben. So habe der 16-Jährige wiederholt versucht, mit seinem Auto die Polizeimotorräder zu rammen. Dies schilderte auch ein anderer beteiligter Polizist. Der nun beschuldigte Polizist habe seine Kollegen schützen und nach einem Warnschuss in die Luft auf die Reifen schießen wollen.

Der Anwalt des lebensgefährlich verletzten Roma gibt hingegen an, dass dieser nicht mit seinem Auto gewendet habe, um die Polizisten zu gefährden. Stattdessen habe er versucht, den Polizisten zu entkommen und habe dabei die Kontrolle über das Fahrzeug verloren.

Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich am Freitag zahlreiche Roma, die gegen den Polizeieinsatz am Montag protestierten. Untersuchungsrichter und Staatsanwalt waren sich am Freitagmittag uneinig darüber, ob der beschuldigte Polizist in Untersuchungshaft kommt oder vorerst frei gelassen wird. Wie der griechische Fernsehsender Skai berichtet, wird der Polizist unter Hausarrest bleiben, bis der zuständige Justizrat über seine strafrechtliche Behandlung entscheidet. Ihm wird fahrlässige Tötung mit möglichem Vorsatz vorgeworfen.

Indes befürchten die Behörden eine weitere Eskalation, wobei die Art des Gerichtsentscheids am Freitag Einfluss auf den Ausmaß haben dürfte. Am Montag war bei Ausschreitungen in Athen ein Polizeichef schwer verletzt worden.

Quellen: Kathimerini, ERT, iefimerida, Skai, APE-MPE, DPA

nk DPA

Mehr zum Thema

Newsticker