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Großwildjägerin Michaela Fialová exklusiv im stern "Es macht mir Spaß, ich werde nie aufhören"


Triumphierend posiert sie mit erjagtem Wild - ob Löwe, Zebra oder Gnu - und wird dafür weltweit gehasst. Wer ist Michaela Fialová, was treibt sie an? Der stern hat sie in Brünn getroffen.
Von Andrea Votrubová

Im Shitstorm steht sie. Quasi ununterbrochen. Internet-User beschimpfen sie als herzloses Monster, und das ist eine vergleichsweise gemäßigte Reaktion. Nicht wenige wünschen Michaela Fialová in aller Öffentlichkeit den Tod. Sie soll mit dem eigenen Leben dafür zahlen, dass sie ungerührt anderen das Leben nimmt - das Leben wilder Tiere, seien es Löwen, Zebras, Gnus oder Affen.

Die Tschechin Michaela Fialová, 28, ist Großwildjägerin - und sie provoziert gerne. Auf ihrer Facebook-Seite "Michaelka's Hunting" stehen die Fotos ihrer Safaris: Michaela und Tier, Tier und Michaela, die Tiere sind tot, Michaela trägt ein Waffe, dazu gern knappes Top, Hotpants und immer ein zufriedenes Grinsen. Die Bilder haben so viel Abscheu erregt, dass mehr als 23.000 Menschen weltweit eine Online-Petition unterzeichnet haben, die fordert, Fialová mit einem Einreiseverbot für Afrika zu belegen und ihre Facebook-Seite abzuschalten.

Was treibt diese Frau? Ist es Eitelkeit, macht sie PR fürs eigene Geschäft, hat sie eine Mission? Der stern traf Fialová im tschechischen Brünn, wo sie an der Universität vor künftigen Förstern über das Jagen im 21. Jahrhundert sprach. Vor der Tür protestierten etwa hundert Tierschützer. Sie halten das, was Fialová tut, für pervers.

Frau Fialová, egal wo sie auftreten, gibt es Proteste. Macht Sie das nicht nachdenklich?


Die Proteste sind heuchlerisch. Die meisten Menschen essen Fleisch aus Massentierhaltung. Diese armen Kreaturen leiden ein Leben lang, kennen die freie Natur nicht und werden sofort geschlachtet, sobald sie ein bestimmtes Gewicht haben. Darüber regt sich keiner auf. Auch weil es keine Fotos dieser Tiere gibt.

Wie kamen Sie selbst zur Jagd?


Ich komme aus einer Jägerfamilie, das war mir also nicht fremd. Vor ein paar Jahren habe ich den USA dann eine ganz andere Dimension der Jagd entdeckt. Die Jagd wird dort großzügig propagiert, und die Leute wissen, dass selbst erjagtes Fleisch besser ist als das aus dem Supermarkt. Auch kleine Kinder können bei der Jagd mitmachen, was ich gut finde, weil sie so lernen, dass das Fleisch, das sie essen, ursprünglich ein Tier war. Europäische Kinder haben davon keine Ahnung.

Sie veranstalten sogenannte Trophäenjagden in Südafrika. Bei denen geht es nicht darum, hungernden Menschen etwas zu Essen zu besorgen, sondern um Prahlerei.


Trophäenjagd trägt dazu bei, wilde Tiere in Afrika zu retten. Aber ja: Es macht mir hauptsächlich Spaß. Und ich werde damit nicht aufhören.

Zudem lassen Sie sich in sexy Klamotten und Posen neben toten Tieren ablichten. Was wollen Sie mit diesen Provokationen erreichen?


Würden ich das nicht tun, würden wir jetzt nicht darüber reden. Für mich ist es ein Weg, mich bemerkbar zu machen und Sponsoren für meine Reisen nach Afrika zu gewinnen. Ansonsten sind solche Fotos nichts Besonderes. Schauen Sie sich die Bilder von Jagd-Stars wie Eva Shockey oder Melissa Bachman an: überall hübsche Mädchen, die lachend über erjagtem Wild posieren. Wäre ein Mann auf den Fotos, würde niemand ein Wort sagen. Ich nehme wahr, dass es hier sexistische Vorurteile gibt, und ich nutze sie aus.

Aber Ihre Botschaft, dass Trophäenjagd gut ist, kommt nicht an. Im Gegenteil.


Die Leute, die mehr wissen wollen, finden mich schon. Wenigstens wissen sie, dass ich existiere.

Sie behaupten, Trophäenjäger würden dem Naturschutz in Afrika dienen. Wie soll das gehen?
Die Jagd ist das Gegenteil der Wilderei, allein das hilft schon der Umwelt. In Südafrika leben wilde Tiere auf Farmen, die zehntausende Hektar groß sein können. Gibt es dort ein Raubtier, das den Bestand der anderen Tierarten gefährdet, kann es der Farmer töten. Oder er lädt einen Trophäenjäger ein, der es erschießt. Dafür zahlt der Jäger - und die Farm bekommt Geld. Eine durchweg gute Sache.

Das ist doch Nonsens. Gerade die Trophäenjagd hat die Population von Großraubtieren deutlich verringert.


Betrachten Sie das Problem auch von der anderen Seite. Wird ein Grundstück nicht zur Jagd genutzt, wird darauf etwas angepflanzt - und alle Tiere, die die Landwirtschaft gefährden, werden ausgerottet. Die kommerzielle Jagd, obwohl es ein Paradox ist, erhält Tiereleben in Afrika.

Der Ruf der Trophäenjäger ist: Sie erschießen vom Aussterben bedrohten Tiere, um ihr Ego zu befriedigen.


Das gibt es natürlich auch, in Afrika sind sogenannte Hinrichtungen ein großes Geschäft. Das Tier wird in einem Käfig gehalten, am letzten Tag unter Drogen gesetzt und dann einem dicken Amerikaner, der selbst kaum noch gehen kann, vor die Flinte geführt. Aber diese "Hinrichtungen" sind die Ausnahme, vielleicht zwei von hundert Fällen. Die große Mehrheit der Trophäentiere wird gejagt, weil sie verletzt oder für ihre Umgebung problematisch sind.

Da fehlt die Logik. Wie könnte ein Trophäenjäger damit prahlen, ein schon verletztes Tier getötet zu haben? Warum sollte er dafür viel Geld bezahlen?
Natürlich würde sich kein Trophäenjäger damit rühmen, einen Löwen mit einem schlechten Rücken oder einem abgebissenen Bein erlegt zu haben. Aber nur für solche Tiere bekommt man eine Genehmigung. Von diesen Jagden veröffentlicht niemand Bilder, was schade ist, denn die Öffentlichkeit würde dann vielleicht ihre Meinung über die Trophäenjagd ändern.

Laut "Africa Geografic" bringt eine Foto-Safari mehr Geld ein als eine Trophäenjagd.


Ja, aber das gilt nur für den Kruger Nationalpark, der enorm groß ist und die meisten Touristen anzieht. Aber es gibt Farmen, die "nur" zehntausend Hektar haben, wo auch keine Foto-Safari läuft, weil da nur zehn Tierarten leben. Wie soll eine solche Farm funktionieren? Sie lebt natürlich von der Trophäenjagd.

Und was kostet es, einen Löwen oder ein Zebra zu erjagen?


Ein Zebra kostet um die 1000 Euro, ein Löwe beginnt bei 14.000 Euro, und es geht bis zu 50.000 Euro, je nach der Trophäe, der Mähne. Wir müssen aber noch weitere Gebühren einrechnen, einschließlich der Begleitung eines Profi-Jägers. Denn nur der ist in Lage zu erkennen, welches Tier für die Jagd geeignet ist. Eine gewöhnliche Safari, von der die Gäste fünf übliche Tierarten mit nach Hause bringen, kostet rund 4000 Euro.

Gibt es ein Tier, das Sie niemals töten würden?


Vielleicht Elefanten. Sie sind intelligente Tiere, die im Familienverband leben.

Also schießen Sie nur Tiere, die vermeintlich dumm sind und allein leben?


Nein, aber der Elefant bringt Glück, und ich bin abergläubisch. Falls einer meiner Klienten einen erjagen wollte, würde ich den natürlich begleiten. Ich selbst müsste aber in Lebensgefahr sein, um auf den Auslöser zu drücken.

Ist das nicht dieselbe Heuchelei, die Sie anderen vorwerfen?


Ja, aber das sind meine persönlichen Gefühle. So ist es eben. Ich selbst würde einen Elefanten nie erschießen, aber ich würde auch niemanden beschimpfen, der es macht. Trotz aller Exzesse finde ich die Trophäenjagd immer noch nützlich.

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