HOME

Helmut Kohl: Der eurobringende Pfälzer

Es soll eine ganz normale Familienfeier gewesen sein, mit der Helmut Kohl seinen 75. Geburtstag begangen hat. Während sich der Ex-Kanzler in Bescheidenheit übt, kommt große Würdigung von allen Seiten.

Begleitet von Würdigungen zahlreicher Politiker aller Lager hat Alt-Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) am Sonntag seinen 75. Geburtstag gefeiert. Die CDU-Vorsitzende Angela Merkel nannte den langjährigen CDU-Chef einen "der bedeutendsten Staatsmänner des 20. Jahrhunderts". Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) gratulierte seinem Amtsvorgänger nach Angaben des Bundespresseamtes schriftlich, ließ den Text aber nicht veröffentlichen. Zahlreiche Weggefährten nannten Kohl einen großen Staatsmann und Kanzler der deutschen Einheit.

Kohl beging seinen Geburtstag im kleinen privaten Kreis in Ludwigshafen. Gemeinsam mit seiner Familie habe Kohl auch das Grab seiner Frau Hannelore besucht, sagte eine enger Vertrauter des Politikers. Es sei "eine ganz normale Familienfeier" mit gemeinsamem Mittagessen gewesen. Kohl hat zwei Söhne, Peter und Walter, die beide verheiratet sind, sowie zwei Enkelkinder.

Kohl war mit 16 Jahren Amtszeit der bisher am längsten amtierende Kanzler der Bundesrepublik. 1998 wurde sein Unions-FDP-Bündnis von der rot-grünen Koalition abgelöst. CSU-Chef Edmund Stoiber sagte: "Ohne Helmut Kohl hätte es die deutsche Einheit nicht gegeben." Die CDU, deren Vorsitzender Kohl 25 Jahre lang war, will ihn am 11. und 12. April mit einem internationalen Symposium der Konrad-Adenauer- Stiftung in Berlin ehren. Weitere offizielle Ehrungen der Partei sind später im Jahr geplant.

Der Bundesratspräsident und brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hob die deutsche Wiedervereinigung sowie den Anteil Kohls an entscheidenden Weichenstellungen für Europa hervor. Thüringens Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) sagte, der "Aufbau Ost" werde für immer mit Kohls Namen verbunden sein. "Weder er noch andere konnten damals wissen, dass der Weg zu den "blühenden Landschaften" so schwierig und steinig werden würde."

Der frühere SPD-Chef Oskar Lafontaine sieht Kohls eigentliche politische Leistung in der Einheit Europas. "Ohne den Pfälzer hätte es den Euro nicht gegeben", sagte er der "Bild am Sonntag". Der frühere Außenminister Klaus Kinkel (FDP) würdigte die menschlichen Qualitäten Kohls: "Wer in Not ist, kann auf ihn zählen."

DPA / DPA