Hitzewelle Sommer, die Rückkehr

Deutschland genießt den zurückgekehrten Sommer: Badeanstalten, Biergärten und Beachclubs platzen aus allen Nähten, Zoos freuen sich über Zuschauermassen. Die Wetterfrösche verkünden: Es bleibt nicht nur hochsommerlich - es wird sogar noch wärmer.

Fruchteis und Grillwurst, volle Biergärten und lange Nächte im Freien: Das Sommerwetter, das ganz Deutschland am Wochenende endlich in die ersehnte Urlaubsstimmung versetzte, hält noch etwas an. Temperaturen von bis zu 39 Grad sagen Meteorologen für die nächsten Tage voraus. In vielen Freibädern und Gartenlokalen war am Samstag und Sonntag die Hölle los, Eisverkäufer hatten alle Hände voll zu tun. Viele Urlaubsreisende mussten allerdings in ihren Autos in kilometerlangen Staus schwitzen. Experten warnten eindringlich vor Gesundheitsschäden durch zu viel Sonne - eine leichte Abkühlung ist allerdings in Sicht.

Nach drei Wochen mit viel Regen und kühlen Temperaturen genossen überall im Land Spaziergänger und Radfahrer ausgedehnte Touren; auch Inline-Skates wurden wieder ausgepackt. Für so manche Familie stand für den Abend Grillen auf dem Programm. In vielen Beachclubs und Freibädern war nur noch mit viel Glück ein Plätzchen zu ergattern. An den Stränden aalten sich tausende Menschen in Badehose und Bikini.

Zoos mit Besucheransturm

Tierparks zählten bis zu zehn Mal so viele Besucher wie an verregneten Wochenenden. Im Wuppertaler Zoo unternahm Elefantenbaby Tika seinen ersten Spaziergang mit Mama Sabie. Auch der Berliner Zoo mit Eisbär Knut war gut besucht. Im Linzer Zoo in Österreich werden an heißen Tagen Duschen aufgestellt, um den wolligen Alpakas sowie den badefreudigen Emus die hohen Temperaturen erträglicher zu machen. Für die Affen steht Eis auf der Speisekarte. Fruchtsaft oder Milchprodukte werden eingefroren und als Erfrischung kredenzt.

In München fiel den Teilnehmern des traditionellen Kocherlballs das frühe Aufstehen am Sonntag gar nicht schwer: Unter freiem Himmel und bei strahlendem Sonnenschein feierten rund 15.000 Menschen im Englischen Garten. Die ersten kamen schon gegen 04.30 Uhr morgens, herausgeputzt in Tracht und historischen Gewändern. Der Ball endete um 10.00 Uhr. Der Kocherlball geht auf eine alte Münchner Tradition zurück. Im vergangenen Jahrhundert versammelten sich an schönen Sommersonntagen die Dienstboten - die "Kocherl" - zum Tanz. Sie kamen in aller Frühe, weil sie dann wieder an die Arbeit mussten.

54-Jähriger versinkt in der Elbe

Der internationale Elbebadetag in Sachsen-Anhalt wurde von einem Unfall überschattet. Bei einer Auftaktveranstaltung am Samstagnachmittag in Hohenwarthe versank ein 54-Jähriger bei dem Versuch, die Elbe zu durchschwimmen. Wie die Polizei mitteilte, blieb die Suche der Wasserschutzpolizei und der Feuerwehr bis zum Sonntagnachmittag erfolglos. Unterdessen wagten sich in zahlreichen Gemeinden entlang der Elbe mehr als tausend Badelustige in den Fluss.

Es wird noch heißer

Das Sommerwetter bleibt; am Montag werden örtlich sogar bis zu schweißtreibende 39 Grad erreicht. Dann wird es etwas kühler: "Am Dienstag beendet eine Atlantikfront die Hitzewelle, wobei der Luftmassenwechsel mit teils kräftigen Gewittern verbunden ist", sagte Stefan Eisenbach vom Wetterdienst Meteomedia. Trotzdem bleibt es warm: Die Höchstwerte liegen Mitte der Woche noch bis zu 30 Grad.

Der Freiburger Medizinmeteorologe Klaus Bucher riet zur Vorsicht: "Vor allem Senioren sollten bei der Hitze Stress und Anstrengungen vermeiden." Da im Alter das Durstgefühl abnehme, sei es wichtig, dennoch genügend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Kinder sollten nach Ansicht von Experten wegen der Hautkrebsgefahr möglichst nur bekleidet in der Sonne spielen.

Die Wetterschwankungen dieses Sommers liegen nach Ansicht von Fachleuten im normalen Spektrum. Als Folge des Klimawandels werde das Wetter aber "extremer und schwerer berechenbar", sagte Peter Höppe, Leiter der Georisk-Forschungsabteilung des Rückversicherers Münchner Rück, dem Berliner "Tagesspiegel" (Montagausgabe). "Unsere Sommer werden insgesamt eher trockener, aber wir werden zugleich mehr Starkregen und mehr lokale Überschwemmungen haben."

DPA DPA

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