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Human Rights Watch: Grausames Massaker im Kongo aufgedeckt

Ugandische Rebellen haben nach Angaben von Human Rights Watch im Dezember im Nordostkongo ein Massaker mit über 300 Toten verübt.

Im Nordosten Kongos haben ugandische Rebellen ein schweres Massaker verübt. Wie erst jetzt bekannt wurde, kamen bei dem Blutbad im Dezember mindestens 321 Dorfbewohner ums Leben, viele weitere wurden entführt oder verstümmelt.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch sprach am Samstag von einem der schlimmsten Verbrechen, das die Widerstandsarmee des Herrn (LRA) in ihrer 23-jährigen Geschichte begangen habe. Unter den Entführten seien auch 80 Kinder gewesen. In einer ersten Dokumentation über die bisher nicht bekannten Vorgänge heißt es, die LRA habe vier Tage in der nordöstlichen Makombo-Region gewütet.

Das Massaker von Makombo ist eines der schlimmsten in der 23- jährigen blutigen Geschichte der LRA

"Das Massaker von Makombo ist eines der schlimmsten in der 23- jährigen blutigen Geschichte der LRA", sagte die Afrikaexpertin von Human Rights Watch (HRW), Anneke Van Woudenberg. Die LRA hat fast 20 Jahre lang einen blutigen Bürgerkrieg im Norden Ugandas geführt, wo ihr Kommandeur Joseph Kony einen christlich-fundamentalistischen Gottesstaat errichten wollte.

Im Jahr 2006 verschanzten sich die Rebellen im Nordostkongo in einem entlegenen Waldgebiet. Von dort aus überfallen sie seitdem Dörfer im Kongo, Südsudan und der Zentralafrikanischen Republik. Die LRA ist berüchtigt für den massiven Einsatz von Kindersoldaten. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag fahndet mit internationalem Haftbefehl nach Kony und seinen führenden Offizieren.

Nach den Recherchen von HRW überfielen die Rebellen vom 14. bis 17. Dezember mindestens zehn Dörfer. Sie hätten ihre Opfer zunächst gefesselt und danach mit Macheten und Äxten getötet oder mit schweren Holzknüppeln erschlagen, hieß es. Teilweise hätten sie die Dorfbewohner aber auch an Bäumen aufgehängt und ihnen den Schädel eingeschlagen. Bei den meisten Opfern habe es sich um erwachsene Männer gehandelt. Außerdem brachten die Milizen aber auch mindestens 13 Frauen und 23 Kinder um. Das jüngste Opfer sei ein dreijähriges Mädchen gewesen, das die Täter verbrannten.

Die Menschenrechtsorganisation stützt ihren Bericht eigenen Angaben zufolge auf die Aussagen von Überlebenden. Zu den Augenzeugen gehörten auch Kinder, die gezwungen worden waren, andere Kinder zu töten, weil diese sich den Anordnungen der LRA widersetzten. Sie seien von den LRA-Milizen gezwungen worden, ihr Opfer zu umzingeln und so lange mit einem Stock auf den Kopf zu schlagen, bis es starb.

Nach einer Offensive des kongolesischen und ugandischen Militärs hatte die LRA bereits im Dezember 2008 und Januar 2009 im Nordostkongo und im Südsudan mehr als 865 Zivilisten umgebracht.

APN/DPA / DPA