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Racial Profiling Influencerin soll geplante Kindesentführung durch lateinamerikanisches Paar erfunden haben

Eine Frau läuft mit Kinderwagen über den Asphalt
Die Influencerin warf einem Paar vor, sich ihrem Kinderwagen genähert zu haben (Symbolbild)
© dpa Themendienst | Christin Klose / Picture Alliance
Eine weiße Influencerin warf einem Paar im Dezember in einem Instagram-Video vor, ihre Kinder auf einem Parkplatz verfolgt zu haben. Jetzt wird sie wegen Falschaussage angeklagt. 

"Es ist hart für mich, diese Geschichte zu teilen", sagt die kalifornische Influencerin in die Kamera ihres Smartphones. Sie ist weiß, sitzt in einem Auto, ihre hellblonden Haare schauen unter ihrer grauen Strickmütze hervor. Dann erzählt sie, dass ihre beiden Kinder wenige Tage zuvor auf einem Supermarktparkplatz knapp einer Entführung entgangen seien. "Ich weiß nicht, ob ich das je ruhig und gefasst erzählen kann", sagt die Frau in dem Video. Nun wird sie sich vor Gericht wiederholen müssen. Als Angeklagte. 

Die Geschichte beginnt am 7. Dezember 2020, in der Vorweihnachtszeit, als die "Mom-Influencerin" auf Instagram von ihrem Supermarktbesuch im nordkalifornischen Petaluma erzählt. Sie sei mit ihren beiden Kindern dorthin gefahren, um Einkäufe zu erledigen, sagt sie in einer Reihe von Clips. Dabei hätten ein Mann und eine Frau sie verfolgt und Kommentare über das Aussehen der Kinder gemacht. Sie habe Gänsehaut gehabt, so die Influencerin.

Auf dem Parkplatz sei das Paar schließlich wieder in ihrer Nähe aufgetaucht, der Mann sei "zwei Schritte auf den Kinderwagen zugegangen". Als sie um Hilfe gerufen habe, seien die beiden weggefahren. Die Mutter zweier Kinder nimmt die Videos auf, sie werden über zwei Millionen Mal gesehen.

Später erzählt sie der Polizei von der mutmaßlich geplanten Kindesentführung. Die meldet nach ihren Ermittlungen allerdings erhebliche Zweifel an den Anschuldigungen an. So erheblich, dass die Influencerin sich nun selbst vor Gericht verantworten muss. 

Die Polizei findet keine Beweise für die Geschichte 

Doch der Reihe nach: Nach der Erzählung der Influencerin veröffentlicht die Polizei von Petaluma Bildmaterial aus den Videokameras des Supermarkts. Die Behörden machen das Paar ausfindig, vernehmen den Mann und die Frau – und erklären schon wenig später, sie hätten weder Belege noch Zeugen oder Zeuginnen für die Behauptungen der Frau finden können. Die Behörden beendeten die Ermittlungen. 

Die Beschuldigten, ein lateinamerikanisches Ehepaar aus der Gegend, wollen die Anschuldigungen offenbar nicht auf sich sitzen lassen. Am 18. Dezember wenden sich die fünffachen Eltern vor dem besagten Supermarkt an die Öffentlichkeit. Die Frau trägt dabei einen Pullover mit dem Schriftzug "Black Lives Matter" und Jeans. "Ich konnte es nicht glauben", sagt sie über die Behauptungen. "Es ist, als seien wir wegen unserer Hautfarbe schon beim Einkaufen schuldig.” 

Das Ehepaar beschreibt den Fall als "Racial Profiling": eine Praktik, bei der Menschen ohne konkrete Anhaltspunkte allein wegen der ethnischen Merkmale ihres Aussehens als verdächtig eingestuft werden. Meistens geschieht das durch Polizei- oder Sicherheitskräfte. Besonders in den USA werden medial aber immer wieder Fälle thematisiert, in denen weiße Bürger und Bürgerinnen nicht-weiße Menschen grundlos beschuldigen oder die Polizei rufen. Das werfen die Beschuldigten und ihre Unterstützenden auch der Influencerin vor. 

Texanische Polizei nimmt schwarzen Teenager fest

Auch der Chef der Polizei von Petaluma erklärte kurz nach dem Vorfall in einem Statement, man werde bei Anzeichen eines rassistisch motivierten Hassverbrechens juristische Konsequenzen einleiten. Knapp fünf Monate später hat die Behörde diese Androhung nun offenbar in die Tat umgesetzt. 

Influencerin muss sich vor Gericht erklären

Die Videos sind mittlerweile vom Account der Instagrammerin gelöscht. Sie hat diesen auf privat gestellt und ihren Profilnamen geändert. Ihr folgen dort nach wie vor über 72.000 Menschen. Doch nun muss sie sich vor Gericht verantworten: Wie die Polizei in der vergangenen Woche mitteilte, wurde gegen die Frau wegen zweifacher Falschaussage Anklage erhoben. Der erste Verhandlungstag ist für den 13. Mai angesetzt. 

Dann soll sich klären, ob die Influencerin für ihre Anschuldigungen am Ende selbst bestraft wird. 

Quellen: "Buzzfeed News" / NBC News / CBS News / "Argus Courier"

reb

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