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Internationaler Kindertag Viele Rechte - auf dem Papier

Dass Kinder besonderen Schutz brauchen, steht zumindest offiziell außer Frage. Und doch ist die Wirklichkeit oft anders: Kindsein in Deutschland heißt auch Stress, Armut und mangelnde Rechte.

"Alle mal glücklich!" Diesem knappen Zuruf des Fotografen Jan von Holleben widerstehen weder Kinder noch Erwachsene. Alle lächeln. Klick, klick. Fertig ist das Bild. Beim jüngsten Shooting anlässlich des Weltkindertages am 20. September brachte von Holleben ein ganzes Dorf in Hessen zum Mitmachen. Alle wollten mit auf das Foto, denn ihre Aktion gilt einem wichtigen Anlass: gute Startchancen für Kinder.

Die entstandenen Bildmotive sind Teil des Programms "Anschwung für frühe Chancen", das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) ins Leben gerufen wurde. Es wird gefördert durch den Europäischen Sozialfonds (ESF). Ziel des Programms: Städte und Gemeinden dabei zu unterstützen, die Angebote frühkindlicher Bildung auszubauen und qualitativ zu verbessern. Das ist auch dringend nötig, denn die Lebenswirklichkeit in Deutschland ist nicht so schön, wie es sich auf dem Papier liest.

Rund 30 Millionen Kinder wachsen in den 35 reichsten Staaten der Welt in relativer Armut auf, fast 1,2 Millionen dieser Mädchen und Jungen leben in der Bundesrepublik. Ungefähr ebenso viele Kinder entbehren notwendige Dinge wie regelmäßige Mahlzeiten oder Bücher. Dies sind die Ergebnisse der neuen Unicef-Studie "Kinderarmut messen - Neue Ranglisten der Kinderarmut in den reichen Ländern der Welt".

Seit 1989 sind Kinderrechte in der UN-Konvention über die Rechte des Kindes festgeschrieben. Danach hat jedes Kind das Recht auf Überleben und persönliche Entwicklung, einen angemessenen Lebensstandard sowie Schutz und Beteiligung.

Kinder brauchen Zeit

Doch beim Ländervergleich belegt Deutschland nur Platz 15 von 29 und schneidet damit deutlich schlechter ab als Dänemark oder Schweden, obwohl die Staaten hinsichtlich des Pro-Kopf-Einkommens und der wirtschaftlichen Entwicklung auf einem ähnlichen Niveau liegen.

Viele Kinder und Jugendliche in der Bundesrepublik arbeiten für die Schule so viel wie Erwachsene in Vollzeitjobs. Rund 38,5 Stunden pro Woche verbringen viele Schüler hinter ihren Schulsachen - die Kleinen weniger, in den Klassen 9 bis 13 sind es aber auch schon mal Wochen mit 45 Stunden. Das geht aus einer nicht repräsentativen Online-Umfrage zum Weltkindertag hervor, die Unicef und Deutsches Kinderhilfswerk am Mittwoch in Berlin vorstellten.

Mit dem Motto "Kinder brauchen Zeit!" möchten die Organisationen das Recht der Kinder auf Spiel und Freizeit und auf elterliche Fürsorge ins Bewusstsein rücken.

Der Deutsche Kinderschutzbund wiederum macht zum Weltkindertag mit seiner aktuellen Kampagne "K!NDER sind die GRÖSSTEN. wICHtig es geht um mich!" auf das Kinderrecht auf Partizipation, wie sie im Artikel 12 der UN-Kinderrechtskonvention verankert ist, aufmerksam.

Deutschland fehlt Aktionsplan

"Kinder und Jugendliche müssen ernst genommen und an allen sie betreffenden Entscheidungen beteiligt werden. Schließlich sind sie die Experten für ihre Angelegenheiten. Das passiert in Deutschland aber noch viel zu selten", sagt Heinz Hilgers, Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes.

"Um das Recht der Kinder auf Beteiligung umzusetzen müssen die Kinderrechte endlich im Grundgesetz verankert werden. Denn Kinder und Jugendliche brauchen besonderen Schutz und besondere Förderung, sind aber nicht wahlberechtigt", fordert Hilgert. Ihr Recht auf gesundes Aufwachsen, Schutz, Förderung, Bildung und Beteiligung müsse daher in der Verfassung stehen."

Auch Unicef beklagt, dass in Deutschland ein umfassender Aktionsplan fehle, um Kinderarmut zu senken. Die Bundesregierung solle gemeinsam mit den Ländern genaue Ziele mit Zeitangaben festlegen, um Armut und Ausgrenzung Schritt für Schritt abzubauen. Vor allem besonders benachteiligten Kindern müsste schnellstens geholfen werden.

Manuela Pfohl mit DPA

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