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Kevin Strickland Er saß 43 Jahre unschuldig im Gefängnis: Spendenaktion sammelt für ihn 1,5 Millionen Dollar

Kevin Strickland nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis
Kevin Strickland saß rund 43 Jahre lang unschuldig in den USA hinter Gittern
© The Kansas City Star/AP/Rich Sugg / DPA
Kevin Strickland saß 43 Jahre unschuldig in den USA im Gefängnis. Diese Woche wurde der 62-Jährige entlassen. Weil er vom Staat Missouri keinen Entschädigung erhält, wurde ein Spendenaufruf gestartet. Jetzt ist er Millionär.

Sein Fall ist eine der längsten unrechtmäßigen Inhaftierungen der US-Justizgeschichte: Kevin Strickland saß 43 Jahre unschuldig in Haft. Der 62-Jährige wurde 1979 zu Unrecht wegen eines Dreifachmordes in der Stadt Kansas City in Missouri zu lebenslanger Haft ohne Möglichkeit auf Bewährung schuldig gesprochen. Anfang der Woche wurde er aus der Haft entlassen. Doch auf eine Entschädigung hat er keinen Anspruch. Der Staat erlaubt nur Zahlungen an Personen, die aufgrund von DNA-Beweisen entlastet wurden. 

In seinem Fall jedoch hatte ein Richter am Dienstag eine sofortige Freilassung angeordnet, da der Mann einzig und allein auf Grundlage der Aussage einer Augenzeugin verurteilt worden war, die ihre Aussage später widerrufen habe. Der damalige Schuldspruch sei deswegen nicht haltbar, hieß es. Das Midwest Innocence Project rief für ihn eine GoFundMe-Spendenaktion ins Leben. Bis zum Samstag kamen 1,5 Millionen Dollar zusammen.

Kevin Strickland beteuerte stets seine Unschuld

Strickland war zum Zeitpunkt als der Mord geschah 18 Jahre alt. Ihm wurde zur Last gelegt, 1978 an einer Gewalttat in Kansas City beteiligt gewesen zu sein, bei der vier Menschen angeschossen worden waren. Die einzige Überlebende sagte seinerzeit gegen ihn aus. Später widerrief sie die Aussage und setzte sich, bis zu ihrem Tod 2015, für die Freilassung des Inhaftierten ein. Sie sei damals von einem Polizisten unter Druck gesetzt worden, sagte sie. Auch zwei ebenfalls als Täter verurteilte Männer sagten, er sei nicht beteiligt gewesen. Strickland selbst hatte immer beteuert, er habe zu Hause ferngesehen und nichts mit den Morden zu tun gehabt.  

Im Mai 2021 reichten Stricklands Anwälte unter der Leitung des Midwest Innocence Project beim Obersten Gerichtshof von Missouri einen Antrag ein, um Strickland aufgrund der illegalen Inhaftierung und der dem Gericht vorliegenden Akten aus dem Gefängnis zu entlassen. Doch erst jetzt hob ein Berufungsgericht die Verurteilung auf. 

Zwar dürfte Strickland dank der Spenden für den Rest seines Lebens keine finanziellen Sorgen mehr haben, die verlorene Zeit im Gefängnis jedoch wird ihm niemand mehr zurückbringen können. "Der Staat Missouri hat ihn seiner Jugend, seiner Gesundheit und eines Großteils seiner Lebensmöglichkeiten beraubt. Er hat den Gebrauch seiner Beine weitgehend verloren und ist jetzt auf einen Rollstuhl angewiesen. Und das alles für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat", heißt es in dem Spendenaufruf. "Seine Mutter und viele andere Familienmitglieder sind tot. Er hat keine nennenswerte berufliche Vergangenheit." 

Kevin Strickland besuchte nach Freilassung Grab seiner Mutter

Seinen ersten Tag in Freiheit nutzte Strickland dazu, das Grab seiner im August verstorbenen Mutter zu besuchen. "Ich habe geweint wie an dem Tag, an dem sie mich wegen der Verbrechen schuldig gesprochen haben, die ich nicht begangen habe", sagte er anschließend dem Nachrichtensender CNN. "Zu wissen, dass meine Mutter unter dieser Erde liegt und ich keine Möglichkeit hatte, sie in den letzten Jahren zu besuchen. Ich habe eine Minute lang zu ihr gesprochen. Ich bin überzeugt, dass sie mich fühlen und hören kann."

Laut dem National Registry of Exonerations, das diese Fälle in den USA dokumentiert, handelte es sich um eine der längsten unrechtmäßigen Inhaftierungen der US-Justizgeschichte.

Quellen:GoFundMe, Associated Press, AFP, DPA


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