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Nordkorea: Kim Jong Un macht was er will - jetzt verändert er die Uhrzeit

Künftig ticken die Uhren in Nordkorea anders: Machthaber Kim Jong Un hat seinem Land verordnet, dass es dort nun 30 Minuten früher ist als bei seinen Nachbarn.

Bei den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung Koreas von den Japanern besuchte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit hohen Militärs den Sonnenpalast Kumsusan

Bei den Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Befreiung Koreas von den Japanern besuchte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un mit hohen Militärs den Sonnenpalast Kumsusan

Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat 18 Jahre nach der Einführung eines neuen Kalenders jetzt auch die Uhren des Landes um eine halbe Stunde zurückdrehen lassen. Ab Mitternacht gelte die "Pjöngjang"-Zeit als neue Standardzeit, berichteten die staatlichen Medien des weithin abgeschotteten Landes am Samstag. Die Umstellung sei von Glockenschlägen und Sirenengeheul begleitet worden. Mit dem vorher angekündigten Schritt feierte Nordkorea die Befreiung der Koreaner von japanischer Kolonialherrschaft vor 70 Jahren.

Die Glocke an der Sternwarte in Pjöngjang habe geläutet, wie "sie es zur Freude der Koreaner getan hatte, als sie den Neujahrstag nach der Befreiung des Landes begrüßten", hieß es. Der Zeitunterschied zur MESZ hatte vorher in Nordkorea wie in Südkorea und Japan sieben Stunden betragen. Japan hatte Korea während seiner Kolonialherrschaft (1910-45) seine Zonenzeit aufgezwungen. Mit dem Schritt will Nordkorea nach eigenen Angaben ein Vermächtnis der Kolonialzeit eliminieren.

Eigene Zeitrechnung seit 1997

Das kommunistische Regime in Pjöngjang hatte 1997 eine eigene Zeitrechung eingeführt, die nach der Staatsideologie Juche bezeichnet wird. Der Kalender beginnt 1912, mit dem Geburtsjahr des früheren Staatschefs und Kim Il Sung, dem Großvater von Kim Jong Un. Das Regime zählt 2015 auch als Juche 104. Allerdings wird parallel dazu auch die sonst weltweit verbreitete Zeitrechnung benutzt.

Auch Südkorea hatte von 1954 bis 1961 die Uhren um 30 Minuten auf seine eigene Zeit zurückgedreht, die vor der Kolonialzeit vorübergehend koreanische Normalzeit war. Nach dem Militärputsch von 1961 wurde die Zeit wieder umgestellt.

Südkorea fürchtet Probleme

Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye hatte diese Woche gewarnt, dass der jetzige einseitige Schritt Nordkoreas die Trennung beider Koreas vertiefen könne. Kurzfristig befürchtet Südkorea vor allem Probleme beim Pendelverkehr zum gemeinsamen Industriekomplex in der grenznahen nordkoreanischen Stadt Kaesong. Der Schritt Nordkoreas ist nicht beispiellos. Auch Länder wie Indien, der Iran und Myanmar haben Zeitunterschiede von 30 Minuten zu den Nachbarländern.

Nordkoreas Regime feierte den Befreiungstag unter anderem mit Huldigungen an die seit Jahrzehnten herrschende Kim-Dynastie. Kim Jong Un sei der "große Leitstern", der sich wie seine Vorgänger für die nationale Wiedervereinigung einsetze, hieß es in einem "Memorandum" zum 70. Jahrestag. Kim, der Anfang 30 sein soll, herrscht seit dem Tod seines Vaters Kim Jong Il Ende 2011 über das verarmte, aber hoch gerüstete Land.

tkr/Dirk Godder, DPA
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