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Kohle-Bergbau im Saarland: "Glück auf", ein letztes Mal

Für die Kumpel an der Saar steht die letzte Schicht an: Am Samstag endet nach mehr als 250 Jahren im Saarland der Kohle-Bergbau, der das kleine Land im Westen Deutschlands ähnlich stark geprägt hat wie das Ruhrgebiet.

Ende der 250-jährigen Bergbau-Geschichte im Saarland: Am Freitag um 11.42 Uhr rollte der letzte Steinkohlezug aus dem Schacht Duhamel in Ensdorf. "Es ist das Ende einer Ära", sagte Bergwerksleiter Friedrich Breinig. "Es gibt kaum eine Familie an der Saar, bei der niemand im Bergbau tätig war." Mit einem großen Festakt am Samstag will das Land am "Tag des Abschieds" noch einmal an die jahrhundertelange Tradition erinnern.

In Erinnerung bleibt der Bergbau vielen Saarländer aber auch, weil dieser Erdbeben verursachte und Häuser beschädigte. Von 2001 bis 2008 habe es ungefähr tausend Beben gegeben, sagt der Sprecher des Landesverbandes der Bergbaubetroffenen, Peter Lehnert. In seinem vierstöckigen Haus gebe es Risse mit einer Gesamtlänge von 200 Metern. Das letzte große Beben mit der Stärke 4,0 im Februar 2008 besiegelte das endgültige Aus für den Bergbau. Danach beschlossen die Landesregierung und die Ruhrkohle AG (RAG) das Ende des Bergbaus im Jahr 2012.

Kurz vor dem endgültigen Aus des Bergbaus richtet sich der Blick aber vor allem in die Vergangenheit. "Der Bergbau gab den Impuls für die Industrialisierung der Saar und war der Motor für den wirtschaftlichen Aufschwung unseres Landes", sagt Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU). Doch der Bergbau habe dem Land nicht nur "ökonomisch seinen Stempel aufgedrückt." Er habe der Region "Stabilität und Identität" gegeben. "Mit seinen Werten von Kameradschaft und Solidarität war er ein Vorbild für den Zusammenhalt der Menschen im Saarland", zeigt sich die Regierungschefin überzeugt.

2018 ist endgültig Schluss

Landeswirtschaftsminister Heiko Maas (SPD) erinnert daran, dass der Bergbau die Geschichte des Saarlands entscheidend geprägt hat. "Ohne den Steinkohle-Bergbau würde das Saarland als politische Einheit überhaupt nicht existieren", erklärt Maas. Erst durch diesen sei aus der politisch, kulturell und sprachlich unterschiedlichen "Saargegend" das "Saarbrücker Kohlerevier" und nach dem Ersten Weltkrieg das "Saargebiet" geworden. "Die Fördertürme im Land sind die Leuchttürme unserer Geschichte", sagt der SPD-Politiker. Die Saarbergwerke AG wurde 1957 gegründet - im selben Jahr, in dem das Saarland ein eigenes Bundesland wurde.

Peter Lehnert kritisiert dagegen, dass derzeit nur "die Verherrlichung des Bergbaus" gesehen werden, aber nicht um die negativen Seiten. Der Bergbaubetroffenen-Sprecher fürchtet nun vor allem die Bewältigung der Altlasten. Für das hoch verschuldete Saarland stellt sich nun drängender denn je die Frage, wie die Zukunft des einstigen Kohle-Landes aussieht. Rund 2500 Hektar Bergbauflächen bleiben zurück, was etwa 3000 Fußballfeldern entspricht. Gedacht ist dort unter anderem an den Bau von Solaranlagen und Pumpspeicherkraftwerken.

An der Saar beginnen nun die "Aufräumarbeiten": Bis Mitte 2013 werden noch Beschäftigte gebraucht, um die Schächte mit Beton zu verschließen. Danach geht ein Teil von ihnen nach Nordrhein-Westfalen und arbeitet dort weiter im Bergbau, andere bleiben als Vorruheständler im heimischen Saarland. Insgesamt sollen rund 1400 RAG-Mitarbeiter vor allem an den Standort Ibbenbüren wechseln. Doch auch dort ist das Ende schon absehbar: Im Jahr 2018 soll in Deutschland Schluss mit dem Steinkohle-Bergbau sein.

jwi/DPA/Carsten Hauptmeier, AFP / DPA
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