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Mega-Staus, Glatteis, volle Züge: Ein Land liegt lahm

Die Bilanz eines Reisetages: Tote, Staus, volle Bahnhöfe, Blitzeis. Am Tag vor Heiligabend war Deutschland im Ausnahmezustand. Eindrücke aus einer vereisten Republik.

Deutschland am Hauptreisetag vor Weihnachten: Straßen wurden zu gefährlichen Rutschbahnen. Auf Bahnsteigen und in Zügen quetschten sich die Menschen so sehr, dass sie um ihre Gesundheit fürchten mussten. Auf spiegelglatten Autobahnen ging nichts mehr. Zwei Menschen kamen bei Verkehrsunfällen ums Leben. Und neuer Schnee ist schon in Sicht. Der Winter hatte die Republik im Griff - und der war nicht gerade zärtlich.

Eisregen und Glätte brachten vor allem in Nord- und Ostdeutschland den Verkehr ins Rutschen. Eine bis zu fünf Zentimeter dicke Eisschicht bildete sich mancherorts auf den Straßen. Auf der Ost-West-Achse, der A2, die das Ruhrgebiet mit Berlin verbindet, ging am Abend gar nichts mehr. Der Verkehr staute sich in beiden Richtungen auf 100 Kilometer. "Nur Schritttempo ist möglich", sagte Holger Heuer von der Verkehrsmanagementzentrale Niedersachsen. Zudem kamen die Streufahrzeuge kaum durch. "Wir raten, gar nicht erst loszufahren."

Chaos auf den Autobahnen

Wer fuhr, geriet in Gefahr. Bei einer Massenkarambolage auf der Autobahn 9 kam bei Weißenfels in Sachsen-Anhalt ein Mann ums Leben. 51 Fahrzeuge waren in die Unfallserie auf eisglatter Fahrbahn und bei Nebel verwickelt. Zehn Menschen wurden verletzt. Bei einem Unfall zwischen Bad Dürrenberg und Naumburg krachten 45 Autos, vier Lastwagen und zwei Transporter ineinander. In Schleswig-Holstein starb ein 18-Jähriger nach einem Unfall bei Reinbek. Sein drei Jahre jüngerer Beifahrer wurde schwer verletzt. Ihr Wagen war auf glatter Fahrbahn gegen einen Baum geprallt.

In Niedersachsen musste die A7 zwischen Göttingen und Hann. Münden- Hedemünden in Richtung Süden zeitweise voll gesperrt werden. Im Norden Schleswig-Holsteins behinderten Schneeverwehungen die Autofahrer. Auch dort stellten sich auf den Autobahnen immer wieder Lastwagen quer, Autos rutschten von vereisten Fahrbahnen. Die A7 in Richtung Norden bei Flensburg musste rund eineinhalb Stunden gesperrt werden, ein Wagen war gegen die Mittelleitplanke geprallt. Blitzeis legte am Morgen die Autobahn 24 Berlin-Hamburg lahm. Auf der A1 zwischen Hamburg und Lübeck spitzte sich die Situation am Vormittag zu, es gab mehrere Glätteunfälle mit Verletzten.

Platzangst im Regionalzug

In Deutschland litten neben den Autofahrern die Bahnreisenden unter den Folgen des Winterwetters. Viele Bahnsteige wurden zu "No-Go-Areas" für Menschen mit Platzangst. Besonders dort, wo Regionalzüge fuhren. Die Deutsche Bahn dünnte Regionalverbindungen zugunsten von Fernverkehrszügen aus. Daher musste ausgewichen werden, was Konkurrenten wie dem norddeutschen Regionalzug Metronom einen wahnsinnigen Ansturm bescherte.

Erneut gab es auf den Schienen viele Verspätungen und auch Ausfälle. Mehr als sechs Stunden war wegen massiver Schneeverwehungen der Zugverkehr zwischen Oldenburg und Puttgarden (Schleswig-Holsten) lahmgelegt. Erst nachdem eine Schneefräse die Strecke geräumt hatte, konnte sie wieder freigegeben werden.

Entwarnung auf Frankfurter Flughafen

Entwarnung gab es immerhin im Flugverkehr: Am Frankfurter Flughafen entspannte sich die Lage. Nach tagelangen Flugausfällen lief auch auf dem größten europäischen Flughafen in London-Heathrow fast alles wieder normal. Bei uns läuft alles rund", sagte der Sprecher des Betreibers Fraport. Bis zum Nachmittag wurden an Deutschlands größtem Airport zwar noch 50 Flüge annulliert worden. Dies war jedoch auf die anhaltenden Störungen an anderen Flughäfen zurückzuführen. Es gibt auch kaum noch gestrandete Reisende am Flughafen. Die größten Probleme im Luftverkehr gab es in Dublin und Paris.

Die Aussichten bleiben für Reisende kritisch. Auch an Heiligabend fällt fast überall Schnee. Im Norden und Osten bringt das Tief "Scarlett" nach der Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) auch kräftigen Wind, der zu Schneeverwehungen führen kann.

ben/DPA / DPA