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Nach Bergsteiger-Unglück am Mount Everest: Nepals Behörden sorgen sich um Massensturm

Die Rekordjagd auf den Mount Everest hat bisher bis zu 300 Menschen das Leben gekostet. Nun sorgen sich auch Nepals Behörden um einen drohenden Massenansturm.

Nach dem Tod von vier Bergsteigern am Mount Everest haben die Behörden in Nepal Bedenken angesichts eines drohenden Massenansturms geäußert. Für das kommende Wochenende müsse erneut mit rund 200 Bergsteigern gerechnet werden, die den höchsten Berg der Welt erklimmen wollten, sagte der Tourismusvertreter Gyanendra Shrestha am Dienstag. Das könne zu Staus etwa am Hillary Step führen, einer Felsstufe, die mit Seilen bestiegen werden muss. Wenn Bergsteiger stundenlang warten müssten, riskierten sie Erfrierungen an Händen und Füßen. Zudem werde in der Höhe mehr Sauerstoff verbraucht.

Der Präsident des nepalesischen Bergsteigerverbands, Zimba Zangbu Sherpa, sagte, Bergsteiger setzten sich immer häufiger unnötigen Risiken aus, wenn etwa die Bedingungen für einen Aufstieg nicht optimal seien oder das Zeitfenster zu knapp sei. Viele würden nicht auf die Bergführer hören, die zum Umkehren raten. Am Wochenende waren am Mount Everest vier Bergsteiger ums Leben gekommen, darunter ein 61-jähriger deutscher Arzt.

Die meisten Todesfälle an dem 8848 Meter hohen Berg gehen auf das Konto der Höhenkrankheit: Die Bergsteiger verausgaben sich beim Aufstieg und haben kaum noch Kraft für den Abstieg ins Basislager. Wegen der extremen Kälte und des Sauerstoffmangels ist es unmöglich, in der sogenannten Todeszone jenseits der 8.000-Meter-Grenze länger als 48 Stunden zu überleben. In diesem Jahr ist das Risiko laut nepalesischer Regierung wegen heftiger Stürme und starken Schneefalls besonders hoch.

"Jede Oma denkt, sie könnte den Gipfel besteigen"

Auch Reinhold Messner, 67, hat sich zu dem Vorfall am Wochenende geäußert und ein Ende des "Massentourismus am Mount Everest" gefordert. "Solange jede 73-jährige Oma denkt, sie könnte den Mount Everest besteigen, wird es da oben auch Tote geben", sagte der Extrem-Bergsteiger dem Kölner "Express" (Mittwochsausgabe).

"Solange da Disneyland betrieben wird, sterben Menschen. Er sei selbst vor einigen Jahren zum König von Nepal gereist, um ihn für das Problem "zu sensibilisieren". Das sei jedoch zwecklos gewesen: "Die kassieren pro Tourist 10.000 Euro Genehmigungsgelder. Der König hat mir selbst gesagt: 'Wir brauchen das Geld.'" Der Südtiroler Messner und sein österreichischer Begleiter Peter Habeler hatten den Gipfel 1978 erstmals ohne Sauerstoffmaske erreicht.

Der Mount Everest im Himalaya an der Grenze zwischen Nepal und Tibet ist mit 8850 Metern der höchste Berg der Erde. Die erste erfolgreiche Gipfelbesteigung gelang dem Neuseeländer Edmund Hillary und dem Nepalesen Tenzing Norgay 1953.

Rekordjagd kostete bis zu 300 Menschen das Leben

Auf der Gipfelroute sind auch kommerzielle Bergsteiger und Touristen unterwegs, die für den lebensgefährlichen Abenteuerurlaub bis zu 60.000 US-Dollar bezahlen. Die Rekordjagd auf den Everest hat bisher bis zu 300 Menschen das Leben gekostet. Allein im Katastrophenjahr 1996 starben zwölf Menschen auf dem Weg zum Gipfel. Umweltschützer und Bergsteiger kritisieren seit Jahren die wachsende Kommerzialisierung des Berges. Wegen zunehmender Umweltprobleme fordern sie, den Tourismus dort einzuschränken.

Trotz der tödlicher Zwischenfälle geht die Rekordjagd am welthöchsten Berg im Himalaya-Gebirge weiter: Eine 16-jährige Nepalesin hat nach Medienberichten als eine der jüngsten Frauen in der Geschichte den Mount Everest bezwungen. Am Samstag sei Nimachemji Sherpa auf dem Gipfel des mit 8850 Metern welthöchsten Berges angekommen, berichtete die Tageszeitung "Nagarik" am Mittwoch. Aus dem Basislager habe sie danach mitgeteilt, nun die bisher jüngste weibliche Everest-Bezwingerin zu sein. Allerdings hatte im Jahr 2002 eine damals 15-Jährige den Berg von chinesischer Seite aus erklommen. Nimachemji hatte den Berg hingegen von nepalesischer Seite aus bestiegen. Diese Route gilt als anspruchsvoller.

kave/AFP/DPA / DPA