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Nach Brechdurchfall-Epidemie: Justiz nimmt Caterer Sodexo ins Visier

Sodexo will die Opfer der Brechdurchfall-Epidemie mit Gutscheinen entschädigen. Aber damit ist der Fall für den Großküchenbetreiber nicht ausgestanden. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft.

Eigentlich hatte der Großküchenbetreiber Sodexo wohl gehofft, die Opfer der Brechdurchfall-Epidemie an ostdeutschen Schulen ließen sich mit Büchergutscheinen besänftigen und die Geschichte wäre durchgestanden. Jedoch die Brechdurchfall-Epidemie beschäftigt jetzt die Justiz: Die Staatsanwaltschaft in Darmstadt hat Vorermittlungen gegen den Großküchenbetreiber Sodexo eingeleitet. "Es wird erst einmal aufgeklärt, wie der Hintergrund der ganzen Sache ist", sagte Oberstaatsanwalt Klaus Reinhardt am Mittwoch zu einem entsprechenden Bericht der "Bild"-Zeitung. "Wir prüfen, ob wir einen Anfangsverdacht sehen." Sodexo-Sprecher waren am Vormittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

In etwa zwei Wochen kann den Angaben zufolge feststehen, ob es ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung gegen das Unternehmen aus Rüsselsheim geben wird. Den Verantwortlichen könnten eine Geldstrafe oder Haft von bis zu drei Jahren drohen.

Buchgutscheine und zwei Tage gratis Essen

Nach dem Abschlussbericht des Robert Koch-Instituts (RKI) und der Koordinierungsgruppe des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hatten tiefgefrorene Erdbeeren aus China die Durchfälle ausgelöst. Die verdächtigen Erdbeeren waren von mehreren Großküchen in Ostdeutschland verarbeitet worden. In Ostdeutschland waren deshalb rund 11 000 Kinder und Erwachsene erkrankt.

Die Epidemie hatte vor rund zwei Wochen vor allem Kinder und Jugendliche in Kindergärten und Schulen getroffen. Sodexo hat bereits angekündigt, die Betroffenen mit Gutscheinen im Wert von insgesamt 550.000 Euro zu entschädigen. Die Bons können bei einem Berliner Verlag für Bücher, Lernmittel oder Nachhilfeangebote eingelöst werden. Den ostdeutschen Kantinen, wo die Erdbeeren die bisher größte derartige Lebensmittel-Epidemie auslösten, will Sodexo zudem zwei Tage gratis Essen liefern.

Nach den bisherigen Erkenntnissen wurden die Erdbeeren nach ihrer Ankunft im Hamburger Hafen über einen Großhändler aus Sachsen in mehrere ostdeutsche Zentralküchen für Schulessen geliefert. In den Einzelhandel gelangten die Früchte wahrscheinlich nicht.

kmi/DPA / DPA