HOME

Infektionen von Schulkindern: Magen-Darm-Erkrankungen erreichen Rekordniveau

Das Robert-Koch-Institut zählt nun 9400 Fälle von Brechdurchfall, die durch Schulessen ausgelöst wurden. Es ist die größte von Lebensmitteln verursachte Krankheitswelle, die es je in Deutschland gab.

Die Magen-Darm-Erkrankungswelle ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) die größte von Lebensmitteln ausgelöste Krankheitswelle dieser Art in Deutschland. Es seien mehr als 9400 Menschen in Ostdeutschland betroffen - größtenteils Kinder und Jugendliche, wie es im RKI-Lagebericht vom Montag heißt. Erste Fälle gab es demnach schon am 19. September; also mehr als eine Woche, bevor die Erkrankungen offiziell bekannt wurden. Es sei aber nicht sicher, ob diese "einem separaten Geschehen zuzuordnen sind". Die genaue Ursache für den Brechdurchfall ist weiter unklar. Sicher ist offenbar: Die Erkrankungen hängen mit dem Schulessen der Firma Sodexo zusammen.

Von der Welle am stärksten betroffen ist Brandenburg mit 2896 Fällen; gefolgt von Sachsen (2880), Berlin (2223), Thüringen (913) und Sachsen-Anhalt (50).

Lieferungen werden eventuell bald wieder aufgenommen

Unterdessen kam am Montag in vielen ostdeutschen Schulen und Kindergärten kein Essen der Catering-Firma Sodexo auf den Tisch. Während Einrichtungen in Berlin und Thüringen auf die in Verdacht geratene Kost verzichteten, stieg in Nordsachsen die Zahl der Erkrankungen leicht an. Von den 38 neuen Fällen aus dem Landkreis Nordsachsen seien in 23 Fällen hochansteckende Noroviren nachgewiesen worden. Neben diesen Erregern stehen auch bestimmte Gift-bildende Bakterien im Verdacht, Schuld an den Erkrankungen zu sein. Experten aus Bund und Ländern gehen bislang davon aus, dass ein kontaminiertes Lebensmittel beziehungsweise eine Charge einer Lieferung der Auslöser war.

Die Berliner Senatsverwaltung für Bildung wollte mit der Firma Sodexo verhandeln, ob die Essens-Lieferungen in den kommenden Tagen wieder aufgenommen werden. Eine Mitarbeiterin der Verwaltung sagte, dass die Erzieher der betroffenen Kitas und Schulen die Erlaubnis hätten, Essen für zwei Euro pro Kind zu kaufen. In Berlin sind derzeit Herbstferien, die Schulen betreuen aber einige Kinder in Horten.

Caterer darf in einer Großküche zur Zeit nicht arbeiten

Die Verwaltung empfahl Eltern weiterhin, ihren Kindern Essen mitzugeben. Die betroffenen Einrichtungen wurden alle von Küchen der Firma Sodexo beliefert. Ein Sprecher hatte am Sonntag erklärt, dass es im Produktionsprozess keine Ungereimtheiten gebe. Am Montag lag noch keine Äußerung der Firma vor. In Thüringen untersagte eine Amtsärztin dem Anbieter bis auf weiteres, in einer Suhler Großküche das Essen zu kochen, wie eine Sprecherin der Stadtverwaltung mitteilte.

In einer Mitteilung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) hieß es, "von besonderer Bedeutung ist der Zeitraum vom 25. bis zum 28. September". Demnach seien die meisten Kinder bereits am vergangenen Mittwoch und Donnerstag erkrankt.

Um die Ursache so schnell wie möglich zu finden und den Ausbruch der Magen-Darm-Erkrankungen zu stoppen, war eine Task Force unter Federführung des BVL eingerichtet worden. Beteiligt sind auch das RKI, das BfR und Vertreter der zuständigen Länderbehörden.

lin/DPA / DPA