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Verdacht auf Norovirus: Der hohe Preis für billiges Schulessen

Die Ursachenforschung für die Erkrankung von mehr als 8000 Schulkindern läuft auf Hochtouren - und wirft ein Schlaglicht auf die Catering-Branche, die sich harte Preiskämpfe liefert

Von Daniela Albat

Nachdem bis zum Samstag mehr als 8000 Schul- und Kindergartenkinder an Magen-Darm-Infektionen erkrankten, geht die Zahl der neuen Krankmeldungen langsam zurück. Verunreinigtes Schulessen steht im Verdacht, die Kinder krank gemacht zu haben. Das beschuldigte Cateringunternehmen Sodexo hat reagiert: Die Firma kündigte an, die Hygienemaßnahmen zu intensivieren. Sämtliche Sanitärräume, Flächen, Handläufe und Türgriffe würden gründlich mit Desinfektionsmitteln gereinigt, um Kontaminationen zu verhindern. Gleichzeitig weist Sodexo allerdings den Vorwurf kategorisch zurück, schuld an den Erkrankungen zu sein.

In Berlin allein sind mehr als 8300 Erkrankungsfälle bekannt. In Sachsen und Thüringen ist das hochansteckende Norovirus nachgewiesen worden. Doch bei der Bewertung dieser Ergebnisse sind die Behörden vorsichtig. Sie haben offenbar Lehren aus der zum Teil chaotischen EHEC-Krisenbewältigung gezogen. Ob Noroviren die Hauptquelle sind, ist daher weiter unklar. In Sachsen wurden die Erreger in 16 Fällen und in Thüringen in sieben Fällen nachgewiesen. Das teilten das Dresdner Sozialministerium und das Landesamt für Lebensmittelsicherheit und Verbraucherschutz in Thüringen mit. Die Thüringer Behörden gehen aber davon aus, dass es noch andere Ursachen geben muss.

Der Caterer in 80 Ländern

Die Verpflegung von Schülern und Studenten ist ein lukrativer Markt - und wird hart umkämpft. Die Margen sind gering. Um sich gegen Konkurrenten durchzusetzen, tobt ein harter Preiskampf. Sodexo ist in Deutschland und nach eigenen Angaben auch weltweit führend auf dem Markt für Schulessen. Im vergangenen Jahr erzielte das Unternehmen einen Jahresumsatz von 16 Mrd. Euro. 22 Prozent des Erlöses erwirtschaftet Sodexo in Universitäts- und Schulkantinen. In mehr als 80 Ländern ist Sodexo aktiv, in Deutschland betreibt die Firma 60 regionale Küchen und versorgt 2200 Einrichtungen. In den vergangenen fünf Jahren steigerte die Firma ihren Umsatz jährlich um durchschnittlich 4,6 Prozent.

Nicht nur für Sodexo ist Schulverpflegung ein lukratives Geschäft. Seit 2007 steigen die Umsatzzahlen von Cateringunternehmen, trotz schwieriger Wettbewerbsbedingungen: Die Vergabe von Schulverpflegung wird in Deutschland fast immer über die Kommunen geregelt. Rund 30 Anbieter, darunter Apetito und die Compass Group, konkurrieren darum, Gerichte zu den günstigsten Konditionen anzubieten. Sodexo erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2011 in Deutschland einen Umsatz von 682 Mio. Euro und liegt mit den Hauptkonkurrenten mehr oder weniger gleichauf: Compass Group sowie Apetito erzielten 686 Mio. Euro und 690 Mio. Euro.

Nur über Größe lässt sich das Geschäft profitabel gestalten. Denn ein Schulessen sollte inklusive Getränk in Deutschland durchschnittlich 2,43 Euro kosten. Betriebswirtschaftlich rentabel seien 4,50 Euro, sagen Ernährungswissenschaftler. Zudem zahlen die Caterer seit Anfang des Jahres 19 Prozent Mehrwertsteuer - vorher gab es Steuervergünstigungen. Sodexo hatte in diesem Kontext bereits früher beklagt: Gute Qualität für einen Discountpreis sei nicht machbar.

FTD