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"Taz"-Recherche Rassismus-Skandal bei Johannitern und Maltesern: Flüchtlingshetze und Hitlers Geburtstag im Kalender der Wache

Ein Rettungswagen der Johanniter. In Köln wurden Angestellte mit rassistischen Vorfällen auffällig.
Ein Rettungswagen der Johanniter. In Köln wurden Angestellte mit rassistischen Vorfällen auffällig.
© Imago Images
Eigentlich sind die Angestellten von Johannitern und Maltesern da, um anderen Menschen zu helfen. Stattdessen aber sollen einige von ihnen offen rassistisch gegen Flüchtlinge geätzt haben, wie die "Taz" berichtet.

Bei den beiden großen Hilfsorganisationen "Malteser" und "Johanniter" hat es in Nordrhein-Westfalen womöglich wiederholt Vorfälle mit rassistischen und offen rechten Hintergründen gegeben. Aufgeflogen sind die Machenschaften nun aufgrund einer Recherche der "Taz".

Laut "Taz" waren in einer Wache der Johanniter in Köln unter anderem die Geburtstage von Adolf Hitler, Goebbels und Eva Braun offen für die Belegschaft erkennbar in einen Wandkalender eingetragen. Sanitäter Guido Schäpe habe den Vorgang laut "Taz" an seine Vorgesetzten gemeldet. Seine Dienstherren hätten aber nicht eingegriffen, sondern Schäpe schließlich selbst fristlos gekündigt.

Offener Rassismus bei Rettungseinsätzen

Der Kalender sei kein Einzelfall gewesen, auch bei Einsätzen habe es rassistische Vorfälle gegeben: So hätten Rettungskräfte beim Anblick von Schwarzen auf der Straße laut "möp" gerufen, ein makabres Spiel zum "Zeitvertreib".

Anscheinend ebenfalls beliebt: Bei der Versorgung von Hilfsbedürftigen sei immer wieder die Diagnose "Morbus Bosporus" gestellt worden. So etwas gibt es nicht, gemeint war damit, dass "Südländer" über Schmerzen geklagt hätten, die gar nicht so schlimm seien. Solch wissenschaftlicher Unsinn  kann für die Betroffenen aber gefährlich werden: Wenn Sanitäter und Ärzte die eigenen Schmerzen nicht ernst nehmen, drohen ernste gesundheitliche Folgen.

Malteser: Lieber Flüchtlingsheim anzünden als Geflüchteten helfen

Helfen ist eigentlich auch der Job der Rettungssanitäter der Malteser. Tatsächlich soll auf einer Rettungswache in Nordrhein-Westfalen ein Mitarbeiter aber vor einem Einsatz geäußert haben, dass er lieber das Flüchtlingsheim anzünden wolle, als den Geflüchteten zu helfen. Andere Mitarbeiter hätten in dieser Wache zudem rassistische und sexistische Memes in einer Chatgruppe ausgetauscht.

Laut "Taz" haben sich einige Rettungshelfer als AfD-Fans geoutet, anderen äußerten Reichsbürger-Parolen. Rettungskräfte beider Wachen berichteten den Angaben zufolge von Fällen, in denen aus rassistischen Gründen Patientinnen und Patienten schlechter behandelt worden seien. Trotz der Hinweise von Schäpe sollen einige der Rettungskräfte trotz der Auffälligkeiten mit rechtsextremen und rassistischen Vorfällen immer noch für die Johanniter Unfallhilfe arbeiten.

Johanniter und Malteser: Keine Ahnung und keine Belege?

Laut Johannitern wurden die Vorwürfe bereits 2020 untersucht, damals seien allerdings "keine Belege" für die Behauptungen gefunden worden. Ähnlich unwissend geben sich auch die Malteser: Ein Sprecher sagte, ihnen seien die Vorwürfe bisher noch nicht bekannt gewesen.

Die Malteser sind ein katholisches und die Johanniter ein evangelisches Hilfswerk. Beide rücken jedes Jahr zu Hunderttausenden von Rettungseinsätzen aus. Die Organisationen sicherten am Samstag eine umfassende Untersuchung der Vorwürfe zu.

Quellen: DPA, "Taz""Willkommen zuhause"

tvm

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