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Rätselraten in Rom: Wer steckt hinter den geheimnisvollen Plakaten mit der Papst-Kritik?

Quer durch Rom tauchen wie aus dem Nichts papstkritische Poster auf. Anonym und umso schwerer in den Vorwürfen. Aus welcher Richtung dem Pontifex der raue Wind entgegenschlägt, ist unklar. Doch es gibt einen Verdacht.

Papst Franziskus bekommt die Kritik aus den Reihen des Vatikans immer stärker zu spüren

Papst Franziskus bekommt die Kritik aus den Reihen des Vatikans immer stärker zu spüren

Es ist ein Wust an Wut gegen den Papst, der sich in den Straßen von Rom manifestiert. Quer durch die Stadt bis vor die Mauern des Vatikans tauchen am Samstagmorgen Poster auf, gekleistert an städtische Plakatwände, mit einem Foto eines grimmig dreinblickenden Franziskus. Ohne Hinweis auf den Absender, dafür mit schweren Vorwürfen gegen den Pontifex. Formuliert im römischen Dialekt, als wäre der Argentinier ein Kumpel, nicht der Heilige Vater.

"A France'" - was so viel heißt wie "He Franz" -, beginnen die anonymen Autoren der Plakate ihre Botschaft, "du hast die Kongregationen unter Aufsicht gestellt, Priester entfernt, den Malteserorden und die Franziskaner der Immakulata enthauptet, Kardinäle ignoriert ... Aber wo ist deine Barmherzigkeit?".

Die Wut gegen Franziskus wächst

Das sitzt. Die wenigen Worte stehen für eine Reihe an Kritikpunkten, die immer wieder aus konservativen Kreisen der Kurie verlauten. Italienische Medien spekulieren, dass die Plakataktion aus dieser Richtung gesteuert wurde - in Rom wird nach den Urhebern gesucht.

Eine Touristin macht ein Foto. "Ich verstehe nicht, was da drauf steht, aber mein Freund heißt auch Franz", sagt sie. Im Vatikan wird man sehr wohl wissen, wie die Poster zu verstehen sind. Sie sind eine Offenbarung des Unmuts gegen Franziskus, der in den eigenen Reihen wächst und wächst. Gegen seinen Reformkurs, gegen sein hartes Durchgreifen im Führungsstreit des Malteserordens, gegen das Fehlen einer Reaktion auf einen offenen Brief von vier Kardinälen.

"Die Fälle, die da ineinander gerührt werden, sind sehr verschieden und haben nichts miteinander zu tun, außer dass der Papst der Handelnde ist", analysiert der Leiter der deutschen Redaktion von Radio Vatikan, Bernd Hagenkord. "Man kann sich vorstellen, woher es kommt. Es sind diejenigen, welche auf Einhaltung von Regeln achten, wenn der Papst das aber tut, ihn auf Barmherzigkeit hinweisen. Und wenn der Papst barmherzig ist, dann wollen sie die Regeln. Je nach eigener Problemlage."

Kritik an seiner Marschrichtung

Franziskus' Gegnern sind so einige Dinge ein Dorn im Auge. Seit seiner Wahl 2013 treibt der Jesuit den interreligiösen Dialog voran, lobt die Reformation, empfängt am Montag sogar die Spitze der Evangelischen Kirche in Deutschland in Rom. Er greift Themen wie die Sexualmoral der Kirche auf, überlässt es den Bischöfen, das Abendmahl in Einzelfällen auch wiederverheirateten Geschiedenen erteilen zu lassen, macht eine Frau zur Chefin der Vatikanischen Museen. Zuletzt schaltete er sich in den Führungsstreit im Malteserorden ein, jetzt hat er den jahrhundertealten Ritterorden unter Aufsicht gestellt.

Dass seine Marschrichtung nicht nur Wohlwollen findet - darüber ist sich der Papst im Klaren. In seiner Weihnachtsansprache vor der Kurie sprach er gar von offenen, verborgenen und böswilligen Widerständen. Dass er aber einen Brief zum apostolischen Schreiben über Familie und Liebe, "Amoris Laetitia", unbeantwortet ließ, macht den Ärger einiger nur noch größer. Ende 2016 gingen vier Kardinäle mit ihren Fragen an die Öffentlichkeit und forderten den Pontifex erneut zu mehr Klarheit zum Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen auf. Andere Päpste hätten einen solchen Affront wohl mit dem Entzug der Kardinalswürde geahndet, hieß es.

Und was macht Franziskus jetzt? Die Nachrichtenagentur Ansa will erfahren haben, dass er mit "Unbeschwertheit und Distanz" auf die Plakataktion reagiert habe. Doch schon wenige Stunden später sind die Poster verschwunden, von der Stadtreinigung entfernt. "Weil sie widerrechtlich aufgehängt wurden", sagt ein Beamter in Zivil, der mit Kollegen ein Poster nach dem anderen inspiziert. "Da drüben ist noch eins", sagt er und eilt weiter. Wer in Rom lebt, weiß, dass solche Dinge in der Ewigen Stadt normalerweise ziemlich schleppend laufen.

Doch die Kritik überlebt nicht lange. Sie wird einfach weggeschrubbt. 


cf / DPA
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