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Parlamentsbeschluss: Katalonien verbietet Stierkampf

Sadistische Tierquälerei oder wertvolle Tradition? Die separatistischen Katalanen heizen die Debatte um den Stierkampf erneut an. Als erste Region auf dem spanischen Festland hat Katalonien mit klarer Mehrheit den umstrittenen Brauch verboten.

Das Parlament der spanischen Region Katalonien hat ein Verbot für Stierkämpfe beschlossen. Die klare Mehrheit der Abgeordneten stimmte am Mittwoch für das Aus der traditionellen Veranstaltungen. 68 Abgeordnete votierten am Mittwoch in Barcelona für das Verbot, 55 Abgeordnete stimmten dagegen. Zudem gab es neun Enthaltungen. Damit dürfen in der wirtschaftsstärksten Region des Landes ab 2012 keine Stierkämpfe mehr stattfinden, und in Barcelona wird die letzte noch verbliebene Stierkampfarena Kataloniens geschlossen. Dort fanden 15 Kämpfe pro Jahr statt, die Arena war selten ausverkauft.

Der Trend ist landesweit zu beobachten: Die Zahl der Stierkämpfe ("corrida de toros") in ganz Spanien ist in den vergangenen Jahren auf rund 1000 pro Saison gesunken. Katalonien ist das erste Festlandsgebiet Spaniens, das den Stierkampf verbietet. Ein Verbot gab es bisher seit 1991 nur auf den Kanarischen Inseln.

"Keine antispanische Gesinnung"

Das Stierkampfverbot in Katalonien ist ein historischer Sieg für Spaniens Tierschützer und gilt als starkes Signal für den Rest des Landes. Die Debatte im Parlament von Katalonien ging auf einen Antrag der Tierschutzinitiative "Prou!" ("Es reicht!") zurück. Diese hatte Ende vergangenen Jahres 180.000 Unterschriften für ein Volksbegehren zur Abschaffung des Stierkampfes gesammelt. Ein Sprecher des katalanischen Parteienbündnisses Ciu sagte vor der Abstimmung, ein Votum für ein Verbot zeuge nicht von einer antispanischen Gesinnung, wie Stierkampfbefürworter gerne unterstellten.

Anhänger wollen Verfassungsgericht anrufen

Der Stierkampf ist mit 40.000 Arbeitsplätzen ein wichtiger Wirtschaftssektor. Die Anhänger des blutigen Spektakels wollen nun das Verfassungsgericht in Madrid anrufen. Dutzende Demonstranten, sowohl Befürworter als auch Gegner des Stierkampfs, hatten sich am Vormittag vor dem Regionalparlament in Barcelona versammelt. Die Fans der traditionellen Kämpfe forderten dabei "Stiere ja, Freiheit ja", die Kritiker verlangten ein Ende der "Folter" in den Arenen. Stierkämpfe sind vor allem in Spanien, Portugal und Südfrankreich, aber auch in Mittel- und Südamerika beliebt. Die spanische Form endet mit dem Tod des Tieres in der Arena, in Portugal stirbt das Tier nach der "Tourada" im Schlachthaus. In Südfrankreich gibt es den unblutigen "Prix de la cocarde", bei dem die Kämpfer dem Stier Papierblumen entreißen, die er zwischen den Hörnern trägt.

Unblutige Stierkämpfe gab es schon im antiken Kreta, auch in Rom waren sie ein beliebtes Spektakel. In der heutigen Form entwickelte sich der Schaukampf aber im 18. Jahrhundert auf der Iberischen Halbinsel.

afp/apn/dpa/gro
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