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Verbot in Katalonien: Der Gnadenstoß für den Stierkampf

Die blutige Tradition hat ein Ende: Gut drei Monate vor Inkrafttreten eines Verbots sind in Katalonien zum letzten Mal Stiere in der Arena getötet worden. Fast 20.000 Zuschauer feierten in Barcelona die letzten Matadore.

Ende einer Ära in Katalonien: Mit der Tötung von sechs Stieren endete am Sonntagabend der letzte Stierkampf in der nordostspanischen Region. Rund 18.000 Zuschauer waren in die 1914 eröffnete Arena Monumental von Barcelona geströmt, um dem Spektakel beizuwohnen. Katalonien hatte im Juli 2010 ein Verbot der Stierkämpfe beschlossen und so mit der jahrhundertealten Tradition gebrochen.

Unter Rufen "Freiheit, Freiheit" vollführten die berühmten Matadore José Tomás, Juan Mora und Serafín Marín die Stierkämpfe. Der junge Katalane Marín, der in Barcelona aufwuchs, gab dem letzten Stier an diesem Abend den sogenannten Gnadenstoß. Die Stiere stammten aus einer Zucht in der Stadt Salamanca im Landesinnern.

Die Arena Monumental war sofort nach Freigabe der Eintrittskarten ausverkauft, einige Karten sollen für bis zu 1500 Euro verkauft worden sein. Unter den Zuschauern waren glühende Anhänger des Stierkampfes, die gegen das Verbot vehement protestierten. "Die Arenen zu schließen - das ist, als würde man einen Picasso in den Müll schmeißen", sagte ein 68-jähriger Mann namens Cristobal.

Stierkampfverbot erreicht spanisches Festland

Katalonien ist die erste Region auf dem spanischen Festland, die mit der Tradition der Stierkämpfe bricht. Die Kanarischen Inseln machten 1991 den Anfang. Das Verbot in Katalonien tritt formal erst im Januar 2012 in Kraft, faktisch geschah dies jedoch bereits mit der letzten Corrida der Saison am Sonntagabend.

"Das schmerzt mich, ich bin traurig", hatte der Torero Serafín Marín AFP in einem Gespräch vor dem letzten Kampf gesagt. "Man hat mir meine Vergangenheit und einen Teil meiner Zukunft gestohlen. Man hat mir verboten, meinen Beruf auszuüben." Er werde wohl aus Katalonien auswandern müssen.

Vor der Arena versammelten sich Stierkampfgegner. "Das ist ein kleiner Sieg", sagte Lluís Villacorta. "Aber das tröstet mich nicht. Die Stiere, die hier nicht sterben, sterben an anderen Orten der Iberischen Halbinsel oder in Frankreich."

Die Befürworter der Corridas betonen die kulturelle Tradition der Kämpfe. Sie wollen mit einer Unterschriftensammlung erreichen, dass sich das Parlament in Madrid mit einer Aufhebung des Verbots in Katalonien befasst. Der Stierkampf ist mit rund 40.000 Arbeitsplätzen und Milliardengewinnen auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in Spanien. Vor allem in Madrid und in Andalusien hat er nach wie vor viele Anhänger.

cjf/AFP / AFP