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Polizeiwillkür: Eine Frau rast und wird angehalten. Dann werfen die Polizisten eine Münze.

In den USA sorgt ein Fall von Polizeiwillkür für Entsetzen: Zwei Polizistinnen ließen eine Münze über das Schicksal einer Autofahrerin entscheiden.

Festnahme nach Münzwurf: Ein Fall von Polizeiwillkür sorgt in den USA für Schlagzeilen

Festnahme nach Münzwurf: Ein Fall von Polizeiwillkür sorgt in den USA für Schlagzeilen

Getty Images

Sarah Webb (24) war Anfang April auf dem Weg zur Arbeit. Die junge Frisörin war spät dran. Also gab sie Gas. Zwei Polizistinnen wurden auf das Auto aufmerksam und hielten es an. Die Szene wurde von der Bodycam einer der beiden Polizistinnen aufgezeichnet: "Der Boden ist nass. Es hat geregnet", kommentiert eine Beamtin das Fehlverhalten der jungen Frau. "Sie fahren auf dieser Straße mehr als 80 Meilen in der Stunde (129 km/h, Anm.d.Red.). Das ist rücksichtsloses Fahren, Ma'am." "Es tut mir so Leid", antwortet Webb.

Die Beamtin nimmt Webbs Führerschein und die Schlüssel des Autos und geht zurück zu dem Streifenwagen. Es vergehen wenige Minuten. Dann wird die junge Frau unter Tränen festgenommen. Was ist in der Zwischenzeit geschehen?

Im Streifenwagen diskutieren die zwei Frauen, ob sie Webb festnehmen sollen. Das Gespräch wird von der Bodycam aufgezeichnet. Sie habe nicht die genaue Geschwindigkeit des Autos ermitteln können, erklärt eine Beamtin. Allerdings habe sie fast 90 Meilen in der Stunde fahren müssen, um zu Webbs Auto aufzuschließen. Erlaubt seien nach Angaben der Beamtin nur 45 Meilen in der Stunde gewesen.

Weil sie sich nicht einigen können, werfen sie eine Münze - genauer gesagt: Sie öffnen eine App, die einen Münzwürf simuliert. Eine Polizistin nimmt ein Smartphone in die Hand und sagt "A, head. R, tail". A steht für "Arrest" - also Festnahme. Das R für "Release", Freilassung. "Okay", sagt die andere Polizistin. Ausschnitte des Videos sind auf "YouTube" zu sehen.

Festnahme nach Münzwurf: "Es war für sie ein Spiel"

Die Kamera zeichnet ein "Pling" auf. Das Geräusch erinnert an eine Münze, die durch die Luft fliegt und landet. "Es ist Zahl, oder?", sagt eine Beamtin. "Ja, also freilassen?", entgegnet die andere. "23" lautet die kurze Antwort. Dabei handelt es sich um den Polizeicode für eine Festnahme. Die Polizistin steigt aus dem Auto und legt Sarah Webb Handschellen an.

Der Vorfall wurde bekannt, nachdem Webb das Video Tage vor ihrem geplanten Gerichtstermin am 9. Juli einsehen durfte. "Meine Bürgerrechte wurden verletzt", erklärte sie gegenüber der "New York Times". "Das sind die Leute, die dafür zuständig sind, uns zu helfen und auf uns Acht zu geben. Meine Freiheit wurde durch einen Münzwurf gefährdet. Es war für sie ein Spiel."

Der Vorfall beschäftigt nun auch die Behörden in den USA. Man werde den Fall intern prüfen, erklärte Rusty Grant, der Leiter der Polizeidienststelle Roswell auf Facebook. Die zwei Polizistinnen seien vom Dienst suspendiert.

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ikr
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