Prozess in Antalya Marco W.s Anwälte legen Mandat nieder


Im Prozess gegen den 17-jährigen Deutschen Marco W. im türkischen Antalya hat die Verteidigung arge Schwierigkeiten - so arg, dass nun die beiden deutschen Anwälte des Jungen ihre Mandate niedergelegt haben. Im Raum steht der Vorwurf, sie hätten die Interessen Marcos nicht berücksichtigt.

Nach den bislang erfolglosen Bemühungen, den in der Türkei angeklagten deutschen Schüler Marco frei zu bekommen, knirscht es auf der Verteidigerseite. Die seit Beginn des Falles mit dem Fall des 17-Jährigen befassten Uelzener Anwälte Jürgen Schmidt und Nikolaus Walther haben kein Mandat mehr zur Verteidigung des Uelzeners.

Die beiden Anwälte hätten ihr Mandat niedergelegt, sagte Schmidt und bestätigte einen Bericht der "Allgemeinen Zeitung" aus Uelzen. Hintergründe wollte er nicht kommentieren: "Mein Mandat ist beendet, mehr sage ich nicht." Der von Marcos Eltern später hinzugezogene hannoversche Anwalt Matthias Waldraff sagte hingegen, die Eltern hätten den Anwälten das Mandat entzogen, weil sie die Interessen des Jungen nicht berücksichtigt hätten.

Marco wird vorgeworfen, die 13-jährige Engländerin Charlotte im Osterurlaub sexuell missbraucht zu haben. Der Junge, der seit dem 12. April in Antalya in Haft sitzt, bestreitet den Vorwurf. Alle Bemühungen der Anwälte, den Schüler vorzeitig auf freien Fuß zu bekommen, waren bisher erfolglos.

Schmidt bezichtigte zudem den türkischen Anwalt von Charlotte in dem Zeitungsbericht der Lüge. Der Jurist habe verbreitet, die Britin habe Marco in einer Vernehmung der Vergewaltigung beschuldigt. Das Mädchen sei in Großbritannien aber noch gar nicht befragt worden. Das zuständige Gericht in England habe bestätigt, dass es nicht einmal einen Termin für die Aussage des Mädchens gebe.

"Nicht in der Öffentlichkeit"

Rechtsanwalt Waldraff warf Schmidt nun vor, diese Informationen ohne Mandat und nicht autorisiert verbreitet zu haben. "Aus taktisch- strategischen Erwägungen wollen wir das nicht in der Öffentlichkeit haben", sagte Rechtsanwalt Waldraff. Die Gegenseite solle auf die Arbeit der Verteidigung keine Hinweise bekommen. "Es ist in hohem Maße bedauerlich, dass die Kollegen aus Uelzen die Interessen Marcos nicht berücksichtigen", sagte Waldraff.

Am Gericht in Antalya wurde nun Beschwerde gegen die Fortdauer der Untersuchungshaft Marcos eingelegt. "Wir rechnen nicht vor Freitag mit einer Entscheidung, sie kann aber auch erst Montag kommen", sagte Waldraff. Bei der Verhandlung in der vergangenen Woche hatten die Richter einem Antrag auf Haftverschonung erneut nicht stattgegeben. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 26. Oktober anberaumt.

Marco und Charlotte hatten sich während des Osterurlaubs im südtürkischen Badeort Side kennengelernt und waren nach einem Discoabend mit anderen Jugendlichen im Hotelzimmer der 13-Jährigen gelandet. Dabei soll es zum Austausch von Zärtlichkeiten gekommen sein. Nach Aussagen von Marco ging die Initiative von dem Mädchen aus, das sich als 15-Jährige ausgegeben habe. Nach einer Anzeige von Charlottes Mutter war der Junge noch im Hotel festgenommen worden.

DPA DPA

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