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Schlussworte im Sauerland-Prozess: Angeklagte sagen sich vom Terror los

Reuige Islamisten: Im Sauerland-Prozess haben sich drei der Angeklagten in ihrem Schlusswort vom Terrorismus losgesagt und ihre Anschlagspläne bedauert.

Reuige Islamisten: Im Sauerland-Prozess haben sich drei der Angeklagten in ihrem Schlusswort vom Terrorismus losgesagt und ihre Anschlagspläne bedauert. "Ich werde in Zukunft keine terroristischen Aktivitäten mehr ausüben und auch zu keiner Organisation zurückkehren", erklärte der Anführer der Gruppe, Fritz Gelowicz, am Dienstag vor dem Oberlandesgericht (OLG) Düsseldorf. Auch Daniel Schneider erklärte, er "hätte anders handeln können und müssen".

Attila Selek bezeichnete die Pläne für Terroranschläge auf US-Einrichtungen im Auftrag der Islamischen Dschihad Union (IJU) als Fehler, der nicht nur dem Islam geschadet habe, sondern ihm auch leid tue. Nur der vierte Angeklagte, Adem Yilmaz, verzichtete auf eine letzte Erklärung vor Verkündung des Urteils am 4. März.

Die Gruppe hatte in dem seit knapp zehn Monaten laufenden Mammutprozess gestanden, aus Hass Autobombenanschläge auf Kasernen, Discos und Flughäfen, die vor allem von US-Soldaten aufgesucht wurden, vorbereitet zu haben. Laut Bundesanwaltschaft planten sie einen Massenmord unvorstellbaren Ausmaßes. Für die Männer im Alter von 24 bis 31 Jahren forderte der Chefankläger Haftstrafen von fünfeinhalb bis 13 Jahren.

"Geschockt und überrascht" zeigte sich Gelowicz über Berichte, nach denen seine Frau am Wochenende als mutmaßliche Terrorhelferin festgenommen worden war. Zusammen mit zwei anderen Verdächtigen soll sie noch Ende vergangenen Jahres Geld für die IJU beschafft haben. Die 28-Jährge hatte im Prozess gegen ihren Ehemann von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Gelowicz betonte, sein Entschluss, sich von allen terroristischen Aktivitäten in Zukunft fernzuhalten, stehe fest und sei ehrlich gemeint.

Schneider, ebenfalls ein Konvertit, sagte, er werde die Verantwortung für sein Handeln übernehmen und eine Bestrafung akzeptieren. Dem 24-Jährigen wird neben den Anschlagsvorbereitungen auch versuchter Mord an einem Polizisten vorgeworfen, auf den er während seiner Festnahme geschossen haben soll. Er hätte den Tod des Mannes vielleicht in Kauf genommen, ihn aber nicht gewollt, sagte er am Dienstag. Sein Handeln sei in Panik und aus Angst erfolgt, und er bedaure das sehr. "Ich möchte mich bei dem Polizisten entschuldigen", betonte er.

Sein Ziel sei es nun, das Gefängnis mit einem abgeschlossenen Studium zu verlassen. Für ihn hatte die Bundesanwaltschaft mit 13 Jahren das höchste Strafmaß gefordert.

Gelowicz, Schneider und Yilmaz wurden im September 2007 in einer spektakulären Polizeiaktion in einem Ferienhaus im Sauerland festgenommen. Dorthin hatten sie sich zurückgezogen, um die hochexplosiven Wasserstoffperoxid-Bomben zusammenzubauen. Schon vor dem Zugriff tauschten die Ermittler die gefährliche Lösung allerdings gegen eine harmlose Ersatzflüssigkeit aus.

Selek wurde im November 2007 im anatolischen Konya gefasst und etwa ein Jahr später nach Deutschland ausgeliefert. Er soll vor allem für die Beschaffung der Sprengzünder verantwortlich gewesen sein.

APN / APN