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Schwerer Waldbrand in Portugal Opferzahl nimmt nicht ab – Regierung spricht bereits von mindestens 57 Toten

Portugal
Einige Dörfer seien in Portugal von Flammen eingekesselt - es handelt sich um den schlimmsten Waldbrand in der Gegend seit einem halben Jahrhundert
© Patricia de Melo Moreira/AFP
Pedrógão Grande gilt unter Naturliebhabern in Portugal als Geheimtipp. Nun zerstört ein Waldbrand das Paradies - und bringt überraschten Autofahrern den Tod.

Beim schlimmsten Waldbrand in Portugal seit Jahrzehnten sind im Zentrum des Landes mindestens 57 Menschen ums Leben gekommen. 18 Verletzte werden in Krankenhäusern behandelt, wie der Staatssekretär im Innenministerium, Jorge Gomes, am Sonntag in Lissabon mitteilte. Fünf Menschen, darunter vier Feuerwehrmänner, seien schwer verletzt, hieß es.

Die vor allem im Kreis Pedrógão Grande, knapp 200 Kilometer nordöstlich der portugiesischen Hauptstadt, wütenden Flammen wurden am Sonntag nach Angaben des Zivilschutzes von fast 700 Feuerwehrmännern mit mehr als 200 Fahrzeugen und zwei Löschflugzeugen bekämpft. Das Feuer war am Samstagnachmittag gegen 14 Uhr Ortszeit (15.00 Uhr MESZ) aus noch unbekannter Ursache ausgebrochen.

Staatsoberhaupt Marcelo Rebelo de Sousa war in der Nacht zur Unglücksstelle geflogen und sprach dort von einer "beispiellosen Situation". 

Schockiert von der Tragödie

Der sozialistische Ministerpräsident António Costa, der die Entwicklung die gesamte Nacht von der Zentrale des Zivilschutzes in Carnaxide bei Lissabon aus verfolgte, sagte, er sei vom "Ausmaß der Tragödie schockiert". Bei einem der schlimmsten Waldbrände der vergangenen Jahrzehnte in Portugal sind mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Er sei schockiert vom "Ausmaß der Tragödie", sagte Ministerpräsident António Costa am frühen Sonntagmorgen bei der Bekanntgabe der neuesten Opferbilanz.

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Einige Dörfer seien in Portugal von Flammen eingekesselt - es handelt sich um den schlimmsten Waldbrand in der Gegend seit einem halben Jahrhundert
© Patricia de Melo Moreira/AFP

Die Lage in der Nacht stellte sich nach Behördenangaben sehr besorgniserregend dar. Es gebe einige Dörfer, die "von den Flammen völlig eingekesselt" seien, sagte der Bürgermeister von Pedrógão Grande, Valdemar Alves, der Zeitung "Público". Präsident Marcelo Rebelo de Sousa traf nach Mitternacht in Pedrógão Grande ein und sagte nach einer langen Umarmung mit Alves sichtlich mitgenommen: "Das ist eine beispiellose Situation."

Nach Angaben des portugiesischen Innenministeriums waren 16 der später tot geborgenen Menschen mit ihren Fahrzeugen unterwegs, als sie von den Flammen eingeschlossen wurden. Drei der Opfer seien nach ersten Erkenntnissen in der Nähe eines Friedhofes an Rauchvergiftungen gestorben. Außerdem würden mindestens zwei Personen vermisst.

Einen ähnlich schlimmen Waldbrand - was die Opferzahl betrifft - hatte es in Portugal zuletzt vor einem halben Jahrhundert gegeben. 1966 starben bei einem siebentägigen Feuer in Sintra in der Nähe von Lissabon 25 Menschen, allesamt Angehörige des Militärs.

Bürgermeister überzeugt von Brandstiftung

Das Feuer in der dünn besiedelten Region von Pedrógão Grande war am Samstagnachmittag gegen 14.00 Uhr Ortszeit (15 Uhr MESZ) aus noch unbekannten Gründen ausgebrochen. Bürgermeister Alves sagte, er sei überzeugt, dass es sich um Brandstiftung handele.

Das Feuer in Pedrógão Grande war am Wochenende allerdings nicht das einzige, das die Feuerwehr Portugals am Wochenende auf Trab hielt. Nach Mitteilung des Zivilschutzes gab es unter anderem auch aufgrund einer Hitzewelle mit Temperaturen von über 35 Grad insgesamt elf Waldbrände, die von mehr als 1500 Einsatzkräften bekämpft wurden.

Der Kreis Pedrógão Grande hat auf 128 Quadratkilometer Fläche lediglich rund 4000 Einwohner, die sich in erster Linie der Land-, aber auch der Textilwirtschaft widmen. Die nahezu unberührte Natur mit Lagunen und Stauseen zieht seit Jahren immer mehr Wanderer und Wassersportler an.

DPA

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