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Prozess um Nacktfotos von Jungen Der unnahbare Herr Edathy


Seine Entschuldigung und eine Erklärung seiner Schuld ließ er von seinem Anwalt verlesen. Sebastian Edathy äußerte im sogenannten Kinderpronografie-Prozess weder Reue noch ein persönliches Wort.

Als alles vorbei war, wirkte Sebastian Edathy irgendwie gelöst und erleichtert. Mit versteinerter Miene hatte der 45-Jährige auch am zweiten Tag seines Kinderporno-Prozesses vor dem Verdener Landgericht das Blitzlichtgewitter der Fotografen und die neugierigen Blicke der Zuschauer über sich ergehen lassen. Erst als der Vorsitzende Richter Jürgen Seifert die Einstellung des Verfahrens verkündete, schien er etwas aus seiner Erstarrung zu erwachen. Edathy ergriff kurz das Wort und bat das Gericht, bei ihm beschlagnahmte private Dinge "bis hin zur Familien-Bibel" freizugeben.

Wer am Montag auf ein persönliches Wort Edathys zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen gehofft hatte, der wurde hingegen enttäuscht. Das von der Staatsanwaltschaft für eine Verfahrenseinstellung verlangte Schuldeingeständnis ließ der stets unnahbar wirkende frühere Bundestagsabgeordnete durch seinen Verteidiger Christian Noll verlesen. "Die Vorwürfe treffen zu", zitierte der aus einer vorbereiteten Erklärung seines Mandanten. "Ich bereue, was ich getan habe." Er habe "inzwischen" eingesehen, dass er einen "Fehler" gemacht habe.

Auch nach Ende der Verhandlung überließ es Edathy lieber seinem wie immer ruhig und sachlich auftretenden Anwalt, sich für ihn zu äußern. "Er ist froh, dass das Verfahren beendet ist", sagte Noll. Es habe "eigentlich" nie vor Gericht landen dürfen.

Strafrechtlich ist die Affäre Edathy mit diesem Montag beendet. Durch die von allen Verfahrensbeteiligten abgesegnete Einstellung gegen Geldauflage in Höhe von 5000 Euro an den Kinderschutzbund gelten die Taten als gesühnt.

Der frühere SPD-Politiker bekannte sich schuldig und gab zu, dass er bei insgesamt sechs Gelegenheiten kinderpornografisches Material im Internet betrachtet sowie zusätzlich eine CD und einen Bildband mit einschlägigem Material besessen hat. Dadurch wurde eine unter Umständen langwierige Beweisaufnahme überflüssig. Gewissermaßen als Gegenleistung dafür wurde der Prozess beendet, weil es sich bei den Vorwürfen nur um vergleichsweise wenige Delikte handelt. Das ist durchaus so üblich vor Gerichten.

Bahnfahrten und Restaurantbesuche undenkbar

Politisch und persönlich indes wird der Fall Edathy noch lange nachwirken. Die Frage, ob und wenn ja von wem Edathy frühzeitig über die gegen ihn laufenden Ermittlungen informiert worden sein könnte, ist noch immer ungeklärt und spielte in dem Prozess ohnehin keine Rolle. Ein Bundestags-Untersuchungsausschuss beißt sich daran derzeit die Zähne aus. Edathy beschuldigt den SPD-Bundestagsabgeordneten Michael Hartmann als Informanten, was dieser vehement zurückweist.

Zugleich steht auch die Staatsanwaltschaft in der Kritik, weil ein Generalstaatsanwalt detaillierte Ermittlungsakten an die Presse weitergab. Und zu guter Letzt dürfte auch zutreffen, was Edathys Verteidiger zu Prozessauftakt in der vergangenen Woche mit Blick auf seinen Mandanten so vehement betonte: Dieser sei gesellschaftlich derart "stigmatisiert", dass er keine berufliche und private Zukunft mehr habe. Bereits Bahnfahrten und Restaurantbesuche seien undenkbar.

Keine Gefälligkeitsentscheidung

Auf die Folgen für Edathy ging auch Richter Seifert am Montag kurz ein, als er darauf hinwies, dass dieser schon durch den Prozess und das öffentliche Interesse daran von weiteren Straftaten abgeschreckt sein dürfte. Es stehe außer Zweifel, dass der Besitz von Kinderpornografie ein Verbrechen sei und die Herstellung nichts anderes als "sexueller Missbrauch" sei, sagte der Richter, der sich bemüht, den Eindruck einer etwaigen Gefälligkeitsentscheidung für einen prominenten Angeklagten gar nicht erst aufkommen zu lassen.

Zugleich habe Edathy aber als nicht vorbestrafter "Ersttäter" wie jeder andere auch "eine faire Chance" verdient, führte der Richter aus. Dass das nicht jeder so sehen wird, schien Seifert bewusst zu sein. "Ich weiß, dass man es nie allen recht machen kann", sagte er.

tkr/Sebastian Bronst, AFP AFP

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