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Senioren im Straßenverkehr: Sollten ältere Menschen auch in Deutschland Fahrtauglichkeitstests machen?

Statistiken zeigen, dass Senioren eine zunehmende Gefahr für sich und andere im Straßenverkehr darstellen. Der Leiter der Unfallforschung empfiehlt die Einführung von Fahrtests ab einem gewissen Alter – Verkehrsminister Andreas Scheuer spricht sich dagegen aus.

Älterer Herr fährt Auto und hat die Hände am Lenkrad

Die Debatte, ob ältere Autofahrer eine steigende Gefahr für sich und andere im Straßenverkehr darstellen, wird kontrovers geführt

Getty Images

Können regelmäßige Fahrtests für Senioren für mehr Sicherheit im Straßenverkehr sorgen? Das Auto gilt als das gefährlichste Verkehrsmittel und dennoch ist die Diskussion um die Fahrtests ein heikles Thema, denn der Führerschein steht als Symbol für Autonomie und Freiheit. Doch was passiert, wenn diese Freiheit zur Gefahr wird? Einer Gefahr, die zum Beispiel von älteren Verkehrsteilnehmern ausgeht?

Deutschland gehört zu den letzten sechs europäischen Ländern, die noch keine verpflichtenden Fahrtauglichkeitstests für Senioren eingeführt haben. In anderen Ländern der EU, etwa in Italien und Portugal, müssen Autofahrer ab dem 50. Lebensjahr einen Test bestehen, um ihre Fahrlizenz behalten zu dürfen. Die Art und Regelmäßigkeit der Tests sowie das Antrittsalter variieren von Land zu Land.

Anstieg älterer Unfallverursacher um 50 Prozent

Eine Auswertung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass die Zahl der Senioren, die einen Verkehrsunfall verursachten, in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen ist, seit 1991 um 50 Prozent. Eintretende Beschwerden im Alter können zum Beispiel das Fahrverhalten beeinflussen und dadurch das Risiko eines Verkehrsunfalls erhöhen. Die Sinnesleistungen und Koordination können abnehmen.

Forscher empfehlen nun, eine Art Prüfung für Senioren einzuführen. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung für die Versicherungswirtschaft, sagte der "Berliner Morgenpost": "Vielen älteren Autofahrern mangelt es an Selbsterkenntnis.“ Brockmann fordert daher einen Test ab einem Alter von 75 Jahren, der eine Stunde Autofahren in Begleitung eines Experten und ein anschließendes aufklärendes Gespräch beinhalte. Ein automatischer Führerscheinentzug sei nicht beabsichtigt.

Der Verkehrsminister setzt auf Eigenverantwortung

"Jeder sollte regelmäßig selbst seine Fitness und Fähigkeiten im Straßenverkehr überprüfen“, sagte Andreas Scheuer von der CSU der Funke Mediengruppe. Scheuer bewertete die Verkehrsstatistiken als nicht auffällig und sagte, er rechne in der Zukunft mit autonomen Fahrzeugen, die den Senioren die Verkehrsteilnahme ohnehin erleichtern würden, da sie dann nicht mehr selbst fahren müssten. Auch der ADAC geht davon aus, dass "ältere Autofahrer sich im Straßenverkehr in aller Regel vorsichtig, eher defensiv und vorausschauend“ verhalten, berichtet der Südwestrundfunk online.

Quellen: "Südwestrundfunk" / "Berliner Morgenpost" / Destatis

lber