VG-Wort Pixel

Ungeklärter Fall D.B. Cooper Sechs Theorien zum mysteriösen Flugzeugentführer

Die Skizze des Flugzeugentführers, der unter dem Pseudonym D.B. Cooper bekannt wurde
Die einzige Spur zum Täter in 45 Jahren: eine Skizze des Flugzeugentführers, der unter dem Pseudonym D.B. Cooper bekannt wurde
© FBI
Auch nach 45 Jahren bleibt die Entführung eines US-Inlandsfluges samt erfolgreicher Erpressung ungeklärt. Um den spektakulären Fall ranken sich zahlreiche Mythen - und unzählige Männer, die D.B. Cooper gewesen sein wollen.

D.B. Cooper ist in den USA eine Legende, ein Volksheld - und das, obwohl der Mann ein Schwerverbrecher war. Oder ist. Denn niemand weiß, ob er noch lebt, geschweige denn, wie er heißt. Am 24. November 1971 entführte der Mann, der als Dan Cooper den US-Inlandsflug 305 von Portland nach Seattle bestieg, erpresste erfolgreich 200.000 Dollar und entkam per Fallschirm. Seinen Namen verdankt er fehlerhaften Meldungen mehrerer Medien. Darin wurde aus dem Pseudonym "Dan Cooper" bereits kurz nach der Tat D.B. Das Missverständnis hält sich bis heute und sogar beim FBI wurde der Fall unter D.B. Cooper geführt -  ehe die Behörde die Akte am 12. Juli 2016, nach 45 Jahren, ergebnislos schloss.

In dieser ganzen Zeit gab es nicht einen viel versprechenden Hinweis. Cooper sprang mitten in der Nacht samt Beute aus dem Heck der Boeing 702 und ward nie mehr gesehen. Neun Jahre später fand man einen Bruchteil des Geldes in der Nähe an einem Flussufer. Fallschirm, Ausrüstung oder eine Leiche wurden nie gefunden. Dennoch geht das FBI davon aus, dass Cooper den Sprung nicht überlebt hat.

Da so gut wie gar nichts an diesem Fall geklärt ist und von dem Täter lediglich eine auf Zeugenaussagen beruhenden Skizze existiert, bleibt viel Spielraum für Spekulationen. Immer wieder wollte irgendjemand entweder selbst Cooper sein oder ihn in seinem Umfeld gefunden haben. Die wohl populärste Theorie favorisiert einen gewissen Kenneth Cristiansen, den das FBI allerdings ausschließt. Außer dem 2003 gestorbenen Mann gibt es noch eine Reihe weiterer vielversprechender Kandidaten:

Jack Coffelt

Der Hochstapler und Ex-Knacki Jack Coffelt begann 1972 zu erzählen, er sei Cooper. Er berichtete von einer Beinverletzung beim Sprung und davon, das Geld verloren zu haben. Coffelt versuchte erfolglos, die Geschichte an einen Hollywood-Produzenten zu verkaufen. Er war tatsächlich an dem Tag vor Ort, sah - obwohl er zu dem Zeitpunkt bereits über 50 Jahre alt war - den Fahndungsfotos ähnlich und wurde wenig später mit einer Beinverletzung gesehen. Für das FBI aber waren die Unterschiede zwischen seiner Geschichte und den unveröffentlichten Details des Falles zu groß und strich ihn von der Liste der Verdächtigen.

Lynn Doyle Cooper

Lynn Doyle Cooper, ein Korea-Krieg-Veteran, wurde 2011 post mortem von seiner Nichte als möglicher Täter ins Spiel gebracht. Als Achtjährige will sie gehört haben, wie L.D. Cooper mit einem anderen Onkel etwas "sehr böshaftes", wofür man "sehr teure Walkie-Talkies braucht" geplant habe. Die Familie lebte in der Nähe von Portland, nach der Flugzeugentführung kam L.D. Cooper mit blutverschmiertem Hemd nach Hause. Er gab an, auf Truthahnjagd gewesen zu sein und sich bei einem Autounfall verletzt zu haben. Das FBI verglich eine DNS-Probe des 1999 verstorbenen L.D. Cooper mit Material, das sich auf einer vom Entführer im Flugzeug zurückgelassenen Krawatte gefunden hatte. Es ergab sich keine Übereinstimmung. Allerdings ist es unklar, ob das Material auf der Krawatte vom Täter stammt.

Ted Mayfield

Armee-Veteran und Fallschirmsprunglehrer Ted Mayfield befand sich bereits früh im Kreis der Verdächtigen. Er war unter anderem wegen bewaffneten Raubüberfalls und dem Transport eines gestohlenen Flugzeugs vorbestraft und dem damaligen FBI-Hauptermittler Ralph Himmelsbach persönlich bekannt. Himmelsbach schloss ihn jedoch aus, weil Mayfield ihn nur vier Stunden nach dem Absprung D.B. Coopers per Telefon anrief und ihm seine Expertise für den Fall anbot - ein recht schwieriges Unterfangen, wenn man 1971 nachts über einem riesigen, unbewohnten Waldgebiet mit dem Fallschirm abgesprungen ist. Immer wieder wurde spekuliert, dass Mayfield sich damit nur ein Alibi sichern wollte. Er selbst stritt bis zu seinem Tod 2015 immer ab, der Täter gewesen zu sein.

Duane L. Weber

Der vorbestrafte Weltkriegsveteran Duane L. Weber gestand seiner Ehefrau 1995 auf dem Sterbebett: "Ich bin Dan Cooper". Er nannte also den wenig bekannten Namen, den der Entführer tatsächlich benutzte und nicht den weit verbreiteten Medienirrtum D.B. Seine Witwe erinnerte sich außerdem daran, wie ihr Mann einmal laut geträumt und davon gesprochen hätte, "bloß keine Fingerabdrücke auf der Flugzeugtür zu hinterlassen". Außerdem machten sie 1979 einen Trip an den Fluss, an dem später das Geld gefunden wurde. Seine alte Knieverletzung sei ihm zufolge davon gekommen, "dass ich mal aus einem Flugzeug gesprungen bin". Das FBI schloss ihn wegen der Nichtübereinstimmung mit der Krawatten-DNS aus. Auch im Flugzeug gefundene Fingerabdrücke passten nicht. Allerdings ist auch hier ungeklärt, ob diese vom Täter stammten.

Richard McCoy

Richard McCoy gehört ebenfalls in den engen Kreis der Verdächtigen. Einfach, weil er 1972 erwischt wurde, nachdem er auf ziemlich genau die selbe Art und Weise wie D.B. Cooper 1971 ein Flugzeug entführte, Geld und Fallschirme forderte und per Sprung mit dem Lösegeld entkam. Er hinterließ allerdings Fingerabdrücke und wurde zwei Tage später samt Beute geschnappt. Er bekam eine 45-jährige Gefängnisstrafe, brach zwei Jahre später aus dem Gefängnis aus und wurde auf der Flucht erschossen. Das FBI sah ihn jedoch nie als Hauptverdächtigen an, weil er zum Tatzeitpunkt 29 war, während D.B. Cooper von Zeugen als Mitte Vierzig beschrieben wurde. Außerdem gab es Hinweise, dass er sich zum Tatzeitpunkt in Las Vegas aufgehalten haben soll.

Täter aus Kanada?

Da der Fall nun endgültig zu den Akten gelegt wurde, wird wahrscheinlich nie herauskommen, wer der als D.B. Cooper bekannt gewordene Dan Cooper tatsächlich war, und ob er den Absprung überlebt hat. Vielleicht wurden die Spuren auch einfach im falschen Land verfolgt. Eine weitere These besagt, dass das Pseudonym Dan Cooper sehr bewusst gewählt wurde. So heißt nämlich auch eine frankobelgische Comicserie über einen kanadischen Militärpiloten, der auch mit dem Fallschirm aus Flugzeugen sprang. Diese Serie gab es damals jedoch nur in französischer und noch nicht in englischer Übersetzung. Auch die räumliche Nähe des Tatgebietes zu Kanada befeuert diese These.

Unabhängig davon, wer denn nun wirklich D.B. Cooper war, feiern viele Amerikaner ohnehin nur den Mythos. Sie feiern einen Mann, dem eines der spektakulärsten Verbrechen in der US-Geschichte gelang, ohne jemals erwischt worden zu sein. Es gibt Filme, Serien, Bücher und Lieder über ihn. Restaurants wurden nach ihm benannt, er hat eigene Souvernirartikel und nahe der Absprungstelle gibt es ihm zu Ehren sogar einen Cooper-Day. Vielleicht ist es ganz gut, dass er nie geschnappt wurde. Nicht, dass Cooper womöglich seit 45 Jahren tot auf dem Grund irgendeines Flusses in Washington liegt. Die Geschichte wäre nicht einmal halb so schön.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker