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stern Crime

Der Fall DB Cooper: Wie ein irrwitziger Flugzeugentführer das FBI zum Narren hielt

Eine Boeing entführen und unerkannt davonkommen? Man kann es ja mal versuchen. Dies ist die Geschichte über das Phantom DB Cooper und den wohl mysteriösesten Kriminalfall der US-Geschichte.

Von Bernd Volland

Phantombild von DB Cooper

Während der Entführung setzte sich Cooper eine Sonnenbrille auf. Darum gibt es zwei Varianten seines Phantombilds.

"Wir suchen entweder einen Fallschirm", sagte Sheriff Tom McDowell, Clark County, Washington State, tief im Wald des US-Nordwestens, "oder ein Loch im Boden." McDowell, ein hagerer Mann mit Seitenscheitel, spitzer Nase und einer langen Krawatte, die leicht verzagt neben seinem Stern baumelte, erklärte den Reportern den ersten Ermittlungsansatz, nicht ahnend, dass er zu nichts führen würde, dass zahllose weitere folgen würden, die auch zu nichts führen würden, und dass dieser Thanksgiving-Tag seinem Clark County mehr Aufmerksamkeit bescheren würde als der große Waldbrand von 1902.

"Name?" – "Dan Cooper."

Der Mitarbeiter am Schalter des Portland International Airport schreibt den Namen auf das Ticket, Flug 305, Northwest Orient Airlines, nach Seattle.

"Rückflug?" – "Nein."

Der Mann vor ihm trägt einen Regenmantel, einen dunklen Anzug, weißes Hemd, schmale Krawatte. Er ist schlank und hat eine Aktentasche sowie eine Papiertüte bei sich. Der Fluggast zahlt 20 Dollar und wartet auf das Boarding. Die 280 Kilometer nach Seattle könnte man zwar auch gut mit dem Auto fahren, aber Fliegen ist günstig und unkompliziert, keine Security-Checks, man muss nicht mal seinen Ausweis zeigen, einfach Geld hinlegen, einsteigen, es macht richtig Spaß, es ist die Blütezeit der Passagierflüge.

"MISS – ICH TRAGE EINE BOMBE BEI MIR, UND ICH HÄTTE GERN, DASS SIE SICH NEBEN MICH SETZEN."

So fing es an, am 24. November 1971, und man kann Sheriff McDowell nicht vorwerfen, dass der Ansatz, den er am nächsten Tag verkündete, etwas schlicht war, schließlich hatte man nicht nur im Clark County, sondern auf der ganzen Welt noch nie einen solchen Fall erlebt.

Der Mann im Anzug sitzt auf Platz 18 D in der letzten Reihe der Boeing 727, als diese um 15 Uhr abhebt. Eine Stewardess geht durch den Gang. Sie war mal Schönheitskönigin, und weil Fliegen in diesen Tagen nicht nur sexy ist, sondern auch sexy macht, ist sie Avancen von Passagieren gewohnt. Als der Gast auf 18 D ihr ein Stück Papier zusteckt, lässt sie es ungelesen in ihrer Tasche verschwinden. "Sie werfen besser einen Blick darauf", mahnt der Mann.

"MISS – ICH TRAGE EINE BOMBE BEI MIR, UND ICH HÄTTE GERN, DASS SIE SICH NEBEN MICH SETZEN." Der Mann öffnet seinen Koffer: mehrere rote Stangen, die aussehen wie Dynamit, und zwei Kupferdrähte, die mit Batterien verbunden sind. Die Stewardess soll sich einen Zettel und einen Stift nehmen. Dann diktiert er seine Forderungen. Damals, Anfang der Siebziger, war nicht nur die Blütezeit der Passagierflüge, sondern es war auch, wie der amerikanische Autor Brendan Koerner schreibt, die "goldene Zeit der Flugzeugentführungen". Zwischen 1968 und 1972 wurden in den USA mehr als 130 Maschinen entführt. Hijacking war einfach, meist politisch motiviert; oft steckten dahinter linke Aktivisten, die sich nach Kuba absetzen wollten.

Eine Stimme aus dem Interphone, dem Bordtelefon, knarzt im Cockpit. Der Pilot, sein Copilot, ein Techniker und eine Stewardess sitzen dort. Sie haben sämtliche Anweisungen des Mannes im Anzug befolgt. Nach der Landung in Seattle sind alle Passagiere und das gesamte Bordpersonal bis auf die vier ausgestiegen. Das Flugzeug wurde aufgetankt, der Tankwagen stellte sich in genau der Position zur Maschine, die der Mann verlangt hatte. 200.000 Dollar in einem Rucksack wurden an Bord gebracht und auch alles, was er zudem noch gefordert hatte. Nur Mexico City als nächstes Flugziel musste man ihm ausreden. So weit würde das Kerosin nicht reichen. Gut, dann eben einen Zwischenstopp in Reno, Nevada. Sonst scheint der Anzugträger sich mit Flugzeugen auszukennen. Seine Anweisungen sind präzise: in 10.000 Fuß, rund 3000 Meter Höhe fliegen, das Fahrgestell ausgefahren lassen und die Flaps an den Tragflächen auf 15 Grad halten. Alle sollen im Cockpit bleiben, er will nur über das Interphone kommunizieren, und nur mit der Stewardess. Er ist allein im Passagierraum. Aber jetzt meldet er sich. Er braucht Hilfe mit der Treppe im Heck.

Dieser Cooper war entweder ein Teufelskerl oder irre

Die Stewardess geht kurz nach hinten und erklärt ihm, wie sie funktioniert. Bald darauf leuchtet ein Lämpchen im Cockpit: Die Treppe ist heruntergelassen worden. Ein wenig Zeit vergeht. Um 20.13 Uhr gibt der Pilot über Funk an die Leitstelle durch, dass es Luftdruckschwankungen in der Passagierkabine gegeben habe. Der Copilot ruft über Interphone nach hinten. "Alles okay?" Keine Antwort. Er versucht es noch mal. Keine Antwort. Kurz nach 23 Uhr landet Flug 305 in Reno. Der Pilot schaut vorsichtig in den Passagierraum. Leer.

Natürlich war sofort das FBI eingeschaltet worden. Zwei F 106 Abfangjäger waren losgeschickt worden, um die Boeing zu eskortieren, aber sie konnten nicht so langsam wie die 727 fliegen. Niemand hatte gesehen, wo der Mann das Flugzeug verlassen hatte. Aber immerhin wusste man, wie.

Dieser Cooper war entweder ein Teufelskerl oder irre.

Er hatte vier Fallschirme verlangt. Einen davon ließ er am Stück zurück, einen anderen zerschnitt er, um sich mit den Schnüren die Geldtasche um den Körper zu binden. Die anderen beiden zog er an, einen Hauptschirm auf den Rücken und einen Ersatzschirm auf den Bauch. Er öffnete die hintere Tür. Er stand in seinem Anzug mit Halbschuhen auf einer herabbaumelnden Treppe, 3000 Meter über dem Boden, Novemberwetter, Minus sechs Grad Celsius, mehr als 300 Stundenkilometer Fluggeschwindigkeit, es musste gewesen sein, als ob ein Orkan um ihn tobte – und dann sprang er.

Kein Fallschirm, kein Loch im Boden, kein Geld

Die FBI-Leute sicherten Fingerabdrücke in der 727. Sie sammelten die Stummel der acht Zigaretten, die der Entführer geraucht hatte. Sie entdeckten die Krawatte, die er abgelegt hatte. An ihr war eine Anstecknadel. Auf der Fort Lewis Base berechneten die Army-Computer, wo dieser Cooper ungefähr heruntergekommen sein könnte. Die Druckschwankungen in der Kabine waren wohl aufgetreten, als die herabbaumelnde Treppe nach dem Absprung wieder hochschnellte. Das wäre also um 20.13 Uhr gewesen. Anhand der Fluglinie grenzte man das Gebiet, in dem er gelandet sein müsste, auf rund 240 Quadratkilometer ein. Dichte Wälder, der Lake Merwin, der Lewis River und mittendrin das Städtchen Ariel.

Bis zu 1000 Mann waren in den folgenden Wochen im Einsatz, Flugzeuge, Boote. Ein SR-71 Spionageflugzeug, ein Wunderwerk des Kalten Kriegs, fotografierte das Suchgebiet ab.

Kein Fallschirm, kein Loch im Boden, kein Geld.

Ein Phantombild wurde angefertigt. Der Mann hatte Geheimratsecken, er sah irgendwie wie Bing Crosby aus. Sein Alter wurde auf 40 Jahre geschätzt. Er sei ungefähr 1,80 Meter groß, und er sei freundlich gewesen, sagte die Stewardess, habe ihr sogar ein Trinkgeld geben wollen. Er habe aber auch gesagt: "Ich habe keinen Hass auf Ihre Fluggesellschaft. Ich habe generell einen Hass." Die Herkunft seiner Krawatte wurde ermittelt: JC Penney, ein billiges Modell aus einer alten Kollektion. Die Zigaretten Marke Raleigh: auch billig.

Der Mann war sicher kein Manager, vielleicht eher ein kleiner Ingenieur. Bei Boeing waren gerade Leute entlassen worden. Vielleicht rührte der "Hass" daher? Ein Racheakt? Seine Vorgaben gab er im Fachjargon, und sie waren offenbar bedacht: Das ausgefahrene Fahrgestell und die Position der Flaps sorgten dafür, dass die Maschine nicht zu schnell für einen Absprung flog. Die Flughöhe war niedrig genug, um ohne Sauerstoff springen zu können. Der Täter kannte sich mit Flugzeugen aus. Und natürlich auch mit Fallschirmen. Vielleicht ein Ex-Soldat? Ein Fallschirmjäger? Überhaupt: Woher wusste er, dass eine 727 aufgrund der Treppenposition zum Springen geeignet ist? Benutzte die berüchtigte "Air America" der CIA nicht genau dieses Modell für ihre verdeckten Operationen im Vietnamkrieg?

CIA-Mitarbeiter wurden überprüft, Sprunglehrer befragt, gefeuerte Boeing-Ingenieure durchleuchtet, Ex-Soldaten gecheckt. Die Hinweistelefone klingelten ständig. Ein Reporter hatte den falschen Namen aufgeschnappt, und der Entführer firmierte in den Medien nun als "DB Cooper", das machte es nicht leichter. Wobei der Mann wohl ohnehin ein Pseudonym benutzt hatte. Egal, ob DB oder Dan oder gar nicht Cooper: Die Öffentlichkeit fand dieses Husarenstück regelrecht sympathisch – ein Kriegsheld, der im Anzug aus einer Boeing springt.

Nach monatelanger Suche waren zwar zwei Leichen gefunden worden, doch die eine war eine Frau und die andere ein vermisster Jäger. Die Vermisstenfälle waren ergebnislos überprüft worden. Und keiner der Hinweise, keine der Vernehmungen hatte irgendwas ergeben. Aber vielleicht verplapperte er sich irgendwo. Vielleicht führten die Scheine, deren Seriennummern registriert waren, zu ihm. Vielleicht versuchte er es noch mal.

"WIR HABEN EINE GRANATE, DER STIFT IST GEZOGEN. WIR HABEN PISTOLEN, SIE SIND GELADEN. WIR HABEN C-4-PLASTIKSPRENGSTOFF."

"Name?" – "James Johnson."

"Rückflug?" – "Nein."

Es ist der 7. April 1972, kurz nach Ostern, wieder Ferienzeit. Der Mann in der roten Sportjacke setzt sich in die letzte Reihe der Boeing 727, United-Airlines-Flug 855, Denver nach Los Angeles. Nach dem Take-off zeigt er der Stewardess eine Handgranate. Dann zückt der Mann eine Pistole und überreicht ihr einen Zettel.

"WIR HABEN EINE GRANATE, DER STIFT IST GEZOGEN. WIR HABEN PISTOLEN, SIE SIND GELADEN. WIR HABEN C-4-PLASTIKSPRENGSTOFF."

Er fordert 500.000 Dollar und vier Fallschirme. In San Francisco – dort musste zwischengelandet werden – darf der Tankwagen sich nur auf eine bestimmte Art nähern. Fast alle dürfen das Flugzeug verlassen, einzig die Piloten und ein Teil des Kabinenpersonals müssen an Bord bleiben. Er spricht nur mit ihr und nur über das Interphone. Die drei sollen nicht in die Passagierkabine. Er macht genaue Vorgaben zu Flughöhe und Geschwindigkeit. Er lässt die hintere Treppe runter. Und springt kurz nach 23 Uhr über der Gegend um Provo City, Utah, aus der Maschine.

Suche nach Cooper

Die Suche nach Cooper war aufwendig – und erfolglos. Jahre später wurde zwar ein Schädel in der Gegend entdeckt, doch der gehörte einer Frau.


Wieder Suche. Wieder ein Phantombild. Das Haar des Mannes war dicht und dunkel, aber womöglich trug er ein Toupet, denn er schwitzte sehr. Er hatte einen Schnauzbart, aber wie lange schon, wusste keiner. Er war höflich gewesen und hatte genau wie Cooper Fachbegriffe verwendet. Er hatte jedoch ein paar Dinge anders gemacht, klüger. Cooper hatte die Stückelung der Geldscheine nicht vorgegeben, darum musste er mit der Last von 10.000 Zwanzigern springen. Johnson hatte nur Hunderter verlangt. Und er hatte einen Helm und einen Sprunganzug mit an Bord gebracht. Hatte Johnson aus Coopers Fehlern gelernt, von denen die Zeitungen schrieben? Diesmal hatte der Entführer auch für das Herunterlassen der Treppe keine Hilfe gebraucht. Hatte Cooper dazugelernt?

Sie fanden kein Loch im Boden. Sie fanden keinen Fallschirm. Sie fanden: Richard McCoy.

Richard McCoy war sicher gelandet, hatte das Geld versteckt und an einer Tankstelle einem jungen Kerl fünf Dollar gegeben, damit der ihn nach Provo mitnimmt, wo er wohnte. Später hatte er die Beute geholt. Aber er hatte einen Fehler begangen und vor einem Freund geprahlt, dass er ein Ding wie das von DB Cooper locker hinbekommen würde. McCoy war als Helikopterpilot in Vietnam gewesen, hochdekoriert, war Fallschirmspringer, arbeitete jetzt bei der Utah Air National Guard und studierte parallel Kriminalistik. Der Freund gab dem FBI einen Hinweis. McCoys Fingerabdrücke waren identisch mit denen im Flugzeug. In seinem Haus fanden sich 499 970 Dollar von der Beute.

Beim FBI in Utah wurde gejubelt: "James Johnson" war gefasst. Und auch im Büro in Seattle freute man sich: Womöglich war damit auch "Dan Cooper" gefasst.

Johnson? Die Beweise waren erdrückend. Aber Cooper? Damit wollte er nun wirklich nichts zu tun gehabt haben. Er hatte noch an Bord seinen Schnauzbart abrasiert, und nun, ohne Perücke, sah er dem Phantombild nicht unähnlich. Aber er war kleiner als 1,80 Meter und erst 29 Jahre alt, außerdem hatte er blaue Augen und nicht braune. Klar, ein Phantombild ist nicht zu 100 Prozent zuverlässig. Aber: McCoys Frau hatte bestätigt, dass er den Nachmittag von Thanksgiving zu Hause in Provo City verbracht hatte, mehr als 1000 Kilometer entfernt von der Gegend, in der Cooper in der Nacht davor gelandet war. In dieser Zeit hätte er es aus der Wildnis kaum zurückgeschafft.

Am 10. Juli 1972 wurde Richard McCoy wegen der Entführung des Flugs 855 zu 45 Jahren Haft verurteilt. Der "DB Cooper"-Entführung wurde er nicht angeklagt. Am 10. August 1974 brach er mit einem Mitgefangenen aus und wurde auf der Flucht erschossen.

Weiter stand das FBI mit leeren Händen da. Tausende Hinweise würden in den folgenden Jahren kommen. Frauen schwärzten ihre Ex-Männer an. Hellseher meldeten sich. Schatzsucher durchforsteten das Gebiet um Ariel. Einer baute sich selbst ein U-Boot und wäre damit beinahe ertrunken. Kein Cooper. Keine Leiche. Kein Fallschirm. Und auch kein Geld.

Das FBI galt als intransparent und machtgierig

Bis zum Februar 1980. Da meldet sich der Vater eines achtjährigen Jungen beim FBI in Seattle. Sein Sohn habe am Strand von Tina Bar am Ufer des Columbia River in der Erde gebuddelt. Plötzlich sei er mit Papierbündeln in der Hand angerannt gekommen. Vermoderte 20-Dollar-Scheine, umwickelt mit einem Plastikband. Die Beamten waren skeptisch. Aber dann gaben die Eltern einige der noch lesbaren Seriennummern durch.

Bald schon war die Familie landesweit im Fernsehen zu sehen: Der Junge hatte 5800 Dollar von DB Coopers Geld gefunden!

Wie war das Geld dorthingekommen? Tina Bar lag gut 60 Kilometer Luftlinie von Ariel, wo das FBI Coopers Landung verortet hatte. Hatten die Agenten etwa an der falschen Stelle gesucht?

Ein Teil des 1980 in der Region gefundenen Lösegeldes

In den neun Jahren vor der Entdeckung offenbar einiger Witterung ausgesetzt: ein Teil des 1980 in der Region gefundenen Lösegeldes

Mehr als acht Jahre waren vergangen, und die Welt hatte sich gewandelt. Der allmächtige FBI-Chef Edgar J. Hoover war 1972 gestorben, und seither wagte man wieder, öffentlich sein Bureau zu kritisieren. Das FBI galt als intransparent, machtgierig und von Vetternwirtschaft verseucht. Auch das Fliegen hatte sich gewandelt. 1973 waren Security-Checks an den Flughäfen eingeführt worden, und Boeing baute seine 727 nur noch mit einem Keil, dem sogenannten Cooper Vane, der verhinderte, dass die Treppen während des Flugs heruntergelassen werden können. Entführungen waren selten geworden und DB Cooper dadurch endgültig zu einer mystischen Figur aus einer abenteuerlichen Zeit. Hatte er die selbst gefälligen Feds ausgetrickst?

Das FBI ließ ein hydrologisches Gutachten anfertigen: Die Tasche mit der Beute platzte womöglich beim Sprung auf, das Geld fiel im Suchgebiet in den Lewis River, der wiederum in den Columbia River fließt. So wurden die Dollars von der Strömung zum Tina Bar getragen. Und Cooper? Cooper hatte den Sprung nicht überlebt. Das war mittlerweile die Hauptthese der Agents.

In der Öffentlichkeit hatte kaum jemand mitbekommen, dass das Täterprofil überarbeitet worden war. Man hatte die Details neu bewertet. Unter den vier Schirmen, die das FBI damals an Bord gebracht hatte, war versehentlich ein Schulungsfallschirm, mit einem Kreuz gekennzeichnet und funktionsuntüchtig. Ausgerechnet diesen hatte Cooper als Ersatzschirm mitgenommen. Das Wetter war so schlecht gewesen, dass ein erfahrener Springer nicht diesen Tag zum Sprung gewählt hätte, schon gar nicht im Businessanzug und mit Halbschuhen. Die billigen Zigaretten, die billige Krawatte. Die Agents hatten keinen ausgebufften Flugakrobaten mehr vor Augen, sondern einen verzweifelten Kerl, der sich nicht wirklich gut mit Fallschirmen auskannte.

Man hatte Hunderte von Verdächtigen überprüft. Aber es war schwer, all den obskuren Hinweisen hinterherzukommen. Den Schwätzern, die an der Theke mit ihrem großen Coup prahlten. Den Männern, die ihren Kindern oder Frauen am Sterbebett verkündeten, dass sie im Leben doch keine Langweiler gewesen waren, sondern DB Cooper.

"Komm näher!" – Sie tut es. – "Ich muss dir ein Geheimnis verraten." – "Welches?" – "Ich bin Dan Cooper."

Nachdem ein Teil der Beute am Tina Bar gefunden wurde, ließ das FBI das Flussufer umgraben.

Nachdem ein Teil der Beute am Tina Bar gefunden wurde, ließ das FBI das Flussufer umgraben. Aber wie war das Geld dort hingekommen? 


Dan Cooper? Der Name sagt Josephine nichts, als Duane ihn ihr 1995 zuraunt, wenige Tage bevor er an Darmkrebs stirbt. Später erklärt ein Bekannter ihr, dass Dan der eigentliche Vorname des Mannes war, den sie wie die meisten nur unter DB Cooper kannte. Sie hat in der Geldbörse ihres Mannes mittlerweile einen Führerschein gefunden, ausgestellt auf John C. Collins, ein Dokument von der Navy auf denselben Namen und die Bescheinigung eines Gefängnisses in Missouri: John C. Collins habe seine Haftstrafe wegen schweren Diebstahls abgesessen. Sie entdeckt in der örtlichen Bibliothek ein Buch über DB Cooper, in das ihr Mann Notizen geschmiert hat. Er hatte Anfang der Siebziger dem Phantombild verblüffend ähnlich gesehen. Sie beginnt, sein Doppelleben zu erforschen. Duane, oder besser John, war vor ihrer Ehe in diversen Gefängnissen inhaftiert gewesen und hatte im Zweiten Weltkrieg in der Navy gedient. Sie stöbert in ihren Erinnerungen. Dieser "nostalgische Ausflug" an den Columbia River, bei dem Duane eine Tasche wegwarf, sie dachte, es sei Müll, und ein paar Wochen darauf fand der Junge das Geld am Tina Bar. Der Spaziergang im Wald in Washington, als Duane sagte: "Hier kam Cooper raus." – "Woher weißt du das?", fragte sie. Er antwortete: "Vielleicht war ich dort." Seine Knieprobleme, die er mit einer alten Verletzung nach einem Sprung aus einem Flugzeug erklärte. Und nachts schreckte er oft auf, faselte von irgendeiner "Treppe" und rief: "Ich werde sterben!"

So ging die Geschichte, die Josephine Weber dem FBI erzählte. Duanes Fingerabdrücke wurden mit denen aus Flug 305 verglichen, sie passten nicht. Aber es war schon früher kolportiert worden, dass das FBI bei der Spurensicherung geschlampt hätte. Ein Journalist überprüfte Josephine Webers Schilderungen und bestätigte das Doppelleben ihres Mannes. Der mittlerweile pensionierte ehemalige Leiter der Cooper-Ermittlungen nannte Duane im Artikel des Reporters "einen der besten Verdächtigen, die ihm bisher untergekommen sind".

Im Jahr 2000 biss das FBI noch mal an.

Es gab nun Bücher, Filme und Lieder über DB Cooper. Er war in einem Comic als Eichhörnchen aus einem Flieger gesprungen. In einer Kneipe in Ariel trafen sich jährlich Fans, Hobbyermittler und Verschwörungstheoretiker, um das Entführungsjubiläum zu feiern. Es gab nun auch Gesichtserkennungssoftware: Kein bisheriger Verdächtiger war dem Phantombild so nahe gekommen wie Duane Weber. Und es gab die DNA-Technik.

900 Verdächtige

Mehr als 900 Verdächtige hatte man erfolglos überprüft. Nun war es einer mehr. Webers DNA passte nicht zu den Spuren auf Coopers Krawatte.

900 Verdächtige. Es war eine Frau unter ihnen, die vor ihrer Geschlechtsumwandlung als Mann bei der Army gedient hatte. Ein Ex-Fallschirmjäger, der sich just nach Coopers Auftritt ein Haus kaufte, in dem er ausgerissene Jungs aufnahm. Ein Mann, der zwei Wochen vor der Flugzeugentführung seine Familie umgebracht hatte, seither verschwunden war und erst 18 Jahre später gefasst wurde. Mehr als drei Jahrzehnte DB Cooper. Man war beim FBI nur noch genervt. 2007 wurden die Ermittlungen einem neuen Special Agent anvertraut. Voraussetzung: Er solle keine zusätzlichen Kräfte binden. Der Mann hatte eine Idee: Warum nicht die zahllosen Cooper-Fans anzapfen, die mittlerweile auch im Internet über den Fall debattierten? Er machte bislang unbekannte Details publik und forderte die Öffentlichkeit auf, sich an der Suche zu beteiligen.

Nun waren es nur noch Journalisten und Freizeitdetektive, die ermittelten. Ein in den Cooper-Fall vernarrter Paläontologe durfte sogar das gefundene Geld untersuchen und kam zum Ergebnis, dass es wohl nicht von der Strömung nach Tina Bar getragen wurde, sondern auf irgendeine andere Art, vielleicht von einem Menschen, und wahrscheinlich erst Jahre nach der Entführung.

Nach mehr als 30 Jahren schwirrten lauter lose Enden herum. Manche davon waren tatsächlich griffig. Aber zusammen ergaben sie ein heilloses Durcheinander.

Was war mit Richard McCoy, dem Entführer von United Airlines 855 - Vielleicht war er doch DB Cooper?

Dass er 1972 als Täter ausgeschlossen wurde, war auch im FBI umstritten. Die Staatsanwaltschaft hatte seiner Frau geglaubt, dass er am Thanksgiving-Nachmittag zu Hause war, und außerdem entsprach er eh nicht ganz der Beschreibung. Aber auf McCoys Kreditkartenabrechnung hatte ein FBI-Agent Auffälligkeiten entdeckt. Am Entführungstag wurde mit seiner Karte vormittags in Cedar City getankt, einige Stunden entfernt von seinem Heimatort Provo. Die Stadt liegt auf der Strecke nach Las Vegas. Dort wiederum wurde mit der Karte an Thanksgiving getankt, am Tag nach der Entführung. Im Haus der McCoys war zudem um 22.41 Uhr ein Anruf aus einem Hotel in Las Vegas eingegangen. Wahrscheinlich von Richard. Der Agent war überzeugt: McCoys Alibi war falsch.

FBI: Lasst uns in Frieden mit DB Cooper

War er am Morgen der Entführung von Utah nach Las Vegas gefahren, wo es bessere Flugverbindungen gab? Hatte er dort ein Flugzeug nach Portland genommen, wo er die Boeing bestieg und abends über Ariel absprang? Er könnte per Anhalter die 60 Kilometer zurück nach Portland genommen haben, ab in eine Maschine nach Las Vegas und dann mit dem Wagen nach Hause. Die Ermittler hatten McCoy nach der Verurteilung mit dem Las-Vegas-Trip konfrontiert, um ihn zu einem weiteren Geständnis zu bewegen. McCoy behauptete, er sei nicht dort gewesen. Sie zeigten außerdem McCoys Schwägerin und der Schwiegermutter ein Foto der Anstecknadel, die man an DB Coopers Krawatte gefunden hatte. Die Frauen hätten gesagt: Genauso eine hatte Richard. Einer der Ermittler hatte das bereits in den Neunzigern in einem Buch publiziert. Doch nun wurde alles neu betrachtet.

Wenn es doch McCoy war: Wer brachte das Geld dann Jahre später ans Tina Bar? McCoy war da bereits tot. Hatte nicht Duane Webers Witwe gesagt, dass ihr Mann dort eine mysteriöse Tasche abgelegt hätte?

Josephine Weber war nach einem Fernsehauftritt von einem gewissen Bob Knoss angerufen worden, der behauptete, er habe nicht nur ihren Mann gekannt, sondern auch Richard McCoy. Die drei hätten als Team die Entführung begangen. Der seriöseste unter den Cooper-Rechercheuren, Geoffrey Gray, der auch Einblick in die FBI-Akten hatte, machte Knoss ausfindig. Dieser erzählte ihm: McCoy sei ein verdeckter Agent gewesen, habe Weber und Knoss angeheuert, um die Maschine zu entführen. Sie hätten im Auftrag einer höheren Stelle gehandelt. Allerdings, so schränkte Knoss ein, könne er sich nicht mehr an alle Details erinnern.

Er sei nämlich damals von Agenten hypnotisiert worden. Die Pressemitteilung, die das FBI im Jahr 2016 herausgab, klang nach Erschöpfung: "Nach einer der längsten und aufwendigsten Ermittlungen unserer Geschichte hat das FBI am 8. Juli 2016 alle Ressourcen, die sich mit dem Fall DB Cooper befasst haben, abgezogen, damit sie sich wichtigeren Ermittlungen widmen können."

Noch im selben Monat erschien ein Buch, recherchiert von einem 40-köpfigen Team: DB Cooper sei in Wahrheit ein gewisser Robert Rackstraw, der heute in Kalifornien wohne und zur Zeit der Entführung unter der Identität eines Schweizer Adligen gelebt habe.

Das FBI kommentierte die Entdeckung nicht näher. Die Pressemitteilung hatte bedeutet: Lasst uns in Frieden mit DB Cooper.


kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(