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Ex-Verlobter erneut in Haft Ein Labor könnte den Durchbruch im Fall Maria Baumer gebracht haben

Ein Polizist und ein Polizeifahrzeug
Im Fall von Maria Baumer hat die Polizei jahrelang ermittelt
© Karl-Josef Hildenbrand
Im Fall der getöteten Maria Baumer hatten die Ermittler von Anfang an den Verlobten der im Visier, konnten ihm aber trotz vieler Indizien nichts nachweisen. Doch die Ermittler blieben hartnäckig und nun gelang ihnen der Durchbruch. 

 In einem Labor könnte der Durchbruch in einem der rätselhaftesten bayerischen Kriminalfälle der vergangenen Jahre gelungen sein: Mehr als sechs Jahre nach dem Fund der Leiche der 26 Jahre alten Maria Baumer konnte von Experten ein starkes Beruhigungsmittel an den sterblichen Überresten nachgewiesen werden. Bereits zum zweiten Mal in dem Fall kam nun ihr damaliger Verlobter ins Gefängnis - im nächsten Jahr könnte es zum Prozess kommen.    

16 Monate blieb die Leiche verschwunden

Der Fall bewegt bis heute viele Menschen in Bayern, nicht nur in Baumers Heimatstadt Regensburg. Die junge Geoökologin stand vor wichtigen Weichenstellungen in ihrem Leben. Sie hatte ihr Studium erfolgreich beendet und sollte einen Job beginnen, die Katholische Landjugendbewegung hatte sie gerade zu ihrer Landesvorsitzenden gewählt.     

Als Baumer an Pfingsten 2012 auf einmal weg war, gab es auch Annahmen, diese neuen Herausforderungen könnten sie überfordert haben und sie könnte einfach aus ihrem Leben ausgebrochen sein. Von überall her gab es Meldungen von Menschen, die sie gesehen haben wollten - auch auf dem Jakobsweg ins spanische Santiago de Compostela.    

Franziska Reich

Doch tatsächlich lag die Leiche Baumers zu dieser Zeit bereits in einem Waldstück bei Regensburg. 16 Monate nach ihrem Verschwinden entdeckten Pilzsammler die sterblichen Überreste, die offensichtlich zum Verschleiern von Spuren mit Löschkalk überschüttet waren. Eine Todesursache schien nicht mehr auszumachen. Der zunächst als dringend tatverdächtig festgenommene Verlobte kam Ende 2013 mangels Beweisen wieder frei.    

Obwohl das Verfahren zwischenzeitlich eingestellt worden war, ermittelten Polizisten weiter. Im Juli weitete die Polizei die Arbeit wieder aus, den Durchbruch brachte jetzt ein privates Labor: Dank der über die Jahre genauer gewordenen Untersuchungsmethoden konnte nun an den sterblichen Überresten von Baumer das Medikament Lorazepam nachgewiesen werden.  

Möglicherweise das entscheidende Puzzleteil  

Für den zuständigen Staatsanwalt Thomas Rauscher ist dies der entscheidende Durchbruch. "Das ist der erste konkrete Hinweis in diesem Fall auf ein mögliches Tatmittel", sagt er. Und es ist womöglich das entscheidende Puzzleteil. Denn auch verschiedene andere Indizien belasten den ehemaligen Verlobten. Ohne den Hinweis auf das Medikament hätte es aber vermutlich nicht zu einer Festnahme gereicht. 

So ergibt sich für Rauscher nun aber ein abgerundetes Bild. Der Verdächtige habe als ehemaliger Krankenpfleger unkontrolliert Zugang zu dem Medikament gehabt. Nur Tage vor dem Verschwinden von Maria habe er im Internet nach einer tödlichen Dosis des Medikaments recherchiert und auch nach "der perfekte Mord" gesucht. Was ebenfalls schwer wiegt: In einem Prozess wegen sexuellen Missbrauchs hatte er eingeräumt, einer Bekannten das Medikament verabreicht und sie so betäubt zu haben. 

Für die Staatsanwaltschaft sind die Ermittlungen damit für eine Anklage ausreichend. Im Februar könnte es so weit sein, dass Anklage erhoben wird und ein von Angehörigen und Freunden Baumers ersehnter Strafprozess beginnen kann.    

Der Ex-Verlobte schweigt

Der Festgenommene schweigt bisher zu allen Vorwürfen. Dabei scheint er auch bleiben zu wollen. Sein Verteidiger, der ihn noch 2013 aus dem Gefängnis holen konnte, scheint diesmal keine Haftbeschwerde anzustreben. "Wenn es eine Anklage gibt, werden wir diesen Prozess führen", sagt Rechtsanwalt Michael Haizmann.

Die Polizei gibt dem Fahdnungserfolg grundsätzliche Bedeutung: Kein Täter könne sich sicher sein, nicht irgendwann ertappt zu werden. Die Fahndungsmöglichkeiten würden durch ausgefeiltere Techniken immer besser. Ob es aber im Fall Maria Baumer tatsächlich zu einer Anklage und späteren Verurteilung reicht, wird sich erst noch zeigen müssen.

tis / Ralf Isermann AFP

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