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Freiburg: Gruppenvergewaltigung: Möglicherweise mehr als acht Täter – so reagiert die Politik

Die Partynacht wurde zum Albtraum: Mindestens acht Männer sollen vor rund zwei Wochen in Freiburg nacheinander eine 18-Jährige vergewaltigt haben. Die Polizei sucht weitere mögliche Täter.

In Zahlen: Die traurige Realität von sexueller Gewalt in Deutschland

Es muss eine unvorstellbare Tortur für eine 18-Jährige gewesen sein. Sie wurde in Freiburg vergewaltigt – mutmaßlich von acht Männern. Die Polizei hält sogar noch mehr Täter für möglich, es laufen weitere Ermittlungen.

Die entsetzliche Tat löst Bestürzung aus, aber auch Hass. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Was ist in Freiburg passiert?

Nach bisherigem Ermittlungsstand von Polizei und Staatsanwaltschaft sollen mindestens acht Männer in der Samstagnacht vom 13. auf den 14. Oktober in der Freiburger Hans-Bunte-Straße nacheinander eine 18-Jährige vergewaltigt haben.

Das Opfer war demnach mit einer Freundin auf einer Party in einer der Diskos in dem Gewerbegebiet. Dort soll es einen der späteren Verdächtigen kennengelernt haben, von ihm auf ein Getränk eingeladen worden sein und gegen Mitternacht mit ihm vor die Tür gegangen sein. "In einem nahegelegenen Gebüsch kam es nach Angaben der Geschädigten daraufhin zu einem sexuellen Übergriff", so die Polizei. Die junge Frau soll dabei wehrlos gewesen sein, möglicherweise wurde sie mittels K.-o.-Tropfen oder anderer Betäubungsmittel außer Gefecht gesetzt. Nach seinem Übergriff soll der mutmaßliche Ersttäter mindestens sieben weitere Männer hinzugerufen haben, die die 18-Jährige dann ebenfalls vergewaltigt haben sollen. Das Martyrium des Opfers dauerte nach Informationen der "Bild"-Zeitung rund vier Stunden. Die 18-Jährige ging wenig später zur Polizei.

In diesem Freiburger Gewerbegebiet soll die Gruppenvergewaltigung stattgefunden haben

In diesem Freiburger Gewerbegebiet soll die Gruppenvergewaltigung stattgefunden haben

DPA

Wer sind die Verdächtigen?

Die Polizei hat noch am Tattag eine besondere Ermittlungsgruppe ("EG Club") eingerichtet und sofort mit den Untersuchungen des Falls begonnen. Unter anderem stellten die Ermittler am Körper der 18-Jährigen DNA-Spuren sicher und gaben sie zur Analyse ins Labor. Fünf Tage nach der Tat gab es einen Treffer in der DNA-Analyse-Datei des baden-württembergischen Landeskriminalamts: Die DNA eines 19-jährigen Syrers ist in der Datenbank gespeichert. Er wurde einen Tag darauf in seiner Freiburger Flüchtlingsunterkunft festgenommen.

Weitere Untersuchungen, Vernehmungen und verdeckte Maßnahmen haben in den Folgetagen zu weiteren Verdächtigen geführt. Die Polizei nahm insgesamt sieben weitere Männer fest, den letzten am vergangenen Donnerstag.

Sieben der Festgenommenen sind Syrer, fast alle wurden in Flüchtlingsunterkünften festgenommen. Ein Verdächtiger ist deutscher Staatsbürger. Die Beschuldigten sind zwischen 19 und 29 Jahre alt und sitzen jetzt in Untersuchungshaft. "Fast alle der aktuellen Tatverdächtigen sind bereits polizeilich in Erscheinung getreten", so eine Polizeisprecherin. Wegen welcher Delikte, teilte die Polizei nicht mit. Als besonders pikant könnte sich eine Information der "Bild"-Zeitung herausstellen, sollte sie sich bewahrheiten: Der mutmaßliche Ersttäter soll schon vor der Vergewaltigung per Haftbefehl gesucht worden sein. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht.

Was macht die Polizei jetzt?

Die Arbeit des Landeskriminalamtes und der "EG Club" mit mittlerweile 13 Beamten laufe auf Hochtouren, teilte die Polizei mit. Unter anderem werden weitere Spuren vom Körper des Opfers untersucht, ebenso prüfen die Ermittler, ob bei der Tat tatsächlich K.o.-Tropfen zum Einsatz kamen. Auch Spuren vom Tatort werden geprüft. Noch ist aber vieles von dem, was in der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober in der Freiburger Hans-Bunte-Straße geschehen ist, unklar. Ob die Verdächtigen sich in den Vernehmungen schon zu dem Vorwurf geäußert haben, ist ebenfalls nicht bekannt. Die Polizei vermutet, dass sich sogar noch mehr als die bislang beschuldigten acht Männer an der Vergewaltigung beteiligt haben könnten. Für weitere Nachfragen waren Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstag zunächst nicht zu erreichen.

"Die 'Ermittlungsgruppe Club' sucht Zeugen, die sachdienliche Angaben zum Tatgeschehen machen können", ruft die Polizei die Bevölkerung zur Mithilfe auf. "Insbesondere Besucher des Clubs in der Hans-Bunte-Straße, die in der Tatnacht Wahrnehmungen zum Tatablauf gemacht haben, werden gebeten sich zu melden." Hinweise nehmen die Ermittler unter der Telefonnummer (0761) 8825777 entgegen.

Wie geht es dem Opfer der Vergewaltigung?

Zur gesundheitlichen Verfassung der 18-Jährigen macht die Polizei keine Angaben. Man sei bemüht das Opfer zu schützen. "Für uns ist es wichtig, dass sie jetzt im Nachgang nicht der Öffentlichkeit preisgegeben wird", teilte eine Polizeisprecherin der "Badischen Zeitung" nach Bekanntwerden des Falls mit. 

"Frauen reagieren je nach Persönlichkeit ganz unterschiedlich auf eine Vergewaltigung", erklärt die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. "Manche Frauen sind völlig aufgelöst und verzweifelt, andere wirken ruhig und gelassen. Viele reden kaum über die Tat, weil sie sich schämen und befürchten, dass ihnen nicht geglaubt oder die Schuld für die Tat selbst zugeschrieben wird." Fest steht aber: "Die Verantwortung liegt allein beim Täter!"

Wie sehen die Reaktionen aus?

Stadt und Sicherheitsbehörden kündigten an, durch erhöhte Polizeipräsenz und bessere Beleuchtung an Straßen und Wegen das Sicherheitsgefühl in der Stadt erhöhen zu wollen. Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos) verurteilte die Tat. "Es gibt keinerlei Toleranz für solche abscheulichen Verbrechen! Wir danken der Polizei und Staatsanwaltschaft für die schnelle und konsequente Ermittlungsarbeit", schrieb er in einer Erklärung. "Unsere Gedanken gelten dem Opfer und seiner Familie." Horn bestürze, dass unter den Tätern auch Geflüchtete seien. Dies seien Menschen, die selbst vor Verfolgung, Krieg und Gewalt nach Deutschland geflüchtet sind und in der Stadt Freiburg Schutz erhalten haben. "Wir fordern klipp und klar, dass unsere Regeln und Gesetze von Allen akzeptiert und eingehalten werden." Zugleich warnte er davor, durch Straftaten wie diese, Flüchtlinge pauschal zu verurteilen.

Innenminister Thomas Strobl äußerte sich ähnlich bestürzt: "Wenn sich die Tatvorwürfe auch nur ansatzweise bestätigen, haben wir es mit einer abscheulichen Tat zu tun, die niemanden kalt lässt." Der CDU-Politiker lobte die "hervorragende" Arbeit der Ermittlungsbehörden.

Freiburg war schon nach dem Mord an einer Studentin vor rund zwei Jahren in die Schlagzeilen geraten. Ein junger Flüchtling war daraufhin festgenommen und im März verurteilt worden. Die damalige Tat sowie weitere Verbrechen in der Region hatten eine Debatte über die deutsche Flüchtlingspolitik ausgelöst.

Auch das aktuelle Freiburger Verbrechen heizt die Diskussionen erneut an. In den sozialen Netzwerken wird die Tat zum Anlass genommen, Ausländer pauschal zu verunglimpfen oder Aufrufe zur Lynchjustiz zu verbreiten. Insbesondere die AfD und ihre Anhänger versuchen offenbar, politisches Kapital aus dem Fall zu schlagen. Die Fraktionsvorsitzende Alice Weidel sprach mit Blick auf sieben verdächtigten Flüchtlinge von "Abschaum".

Warum ist der Fall erst jetzt bekannt?

Aus den genannten Kreisen wurde in den sozialen Netzwerken der Vorwurf erhoben, die Behörden oder die Medien hätten versucht, die Vergewaltigung zu verschweigen. Dies ist nachweislich nicht der Fall. Die Polizei veröffentlichte bereits drei Tage nach der Tat einen ersten Zeugenaufruf, der auch von regionalen Medien ("Badische Zeitung") verbreitet wurde. Bereits hier wurde der Verdacht geäußert, dass an der Vergewaltigung weitere Täter beteiligt gewesen sein könnten. Nach der Festnahme des vorerst letzten Verdächtigen informierten Staatsanwaltschaft und Polizei nun die Öffentlichkeit über die bisherigen Ergebnisse. Die Umstände verliehen der Tat jetzt eine überregionale Relevanz, auch ARD und ZDF berichteten in ihren abendlichen Nachrichtensendungen.

Über einen Großteil der Vergewaltigungsdelikte (einschließlich sexueller Nötigungen und Übergriffe) in Deutschland wird generell selten überregional berichtet: Im vergangenen Jahr erfasste die Polizei laut Kriminalstatistik insgesamt 7495 solcher Straftaten (durchschnittlich über 20 am Tag). Von den ermittelten 9414 Tatverdächtigen waren 1495 Zuwanderer (Asylbewerber, Schutzberechtigte, Asylberechtigte, Geduldete, Kontingentflüchtlinge, unerlaubt Aufhaltende), das entspricht einem Anteil von 12,2 Prozent.

Eine Ursache für die höhere Kriminalitätsrate unter Zuwanderern generell ist die schlichte Tatsache, dass unter ihnen besondere viele junge Männer sind. Und je mehr junge Männer es gibt, desto mehr Straftaten werden begangen. Das gilt weltweit und unabhängig von der Herkunft. In Deutschland stellen 14- bis 30-jährige Männer insgesamt neun Prozent der Wohnbevölkerung, begehen aber über 60 Prozent der Straftaten (mehr dazu lesen Sie hier im stern).

In Zahlen: Die traurige Realität von sexueller Gewalt in Deutschland

Quellen: Polizei und Staatsanwaltschaft Freiburg, Polizei Freiburg, "Bild"-Zeitung"Badische Zeitung"Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes, Freiburgs Oberbürgermeister Martin Horn, AfD-Fraktionschefin Alice Weidel, Polizeiliche Kriminalitätsstatistik 2017

mit DPA-Material