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Heilbronner Polizistenmord: Ermittler geben Rätsel auf

Ermittlerchaos beim Heilbronner Polizistenmord: Nachdem der Stuttgarter Staatsanwalt die Aufklärung verkündete, will die Zwickauer Polizei nicht einmal den Fund der Tatwaffe bestätigen.

Von Mareike Rehberg

Die Ermittler der Polizei Südwestsachsen müssen das Chaos ordnen. Die Wohnung in der Zwickauer Frühlingsstraße 26 ist ausgebrannt. Hier sollen sich wichtige Indizien für die Lösung eines vier Jahre alten Mordfalls finden lassen. Die Fundstücke, die die Beamten nun auswerten, sind angekokelt und durchnässt von den Löscharbeiten. Auf einer Fläche von über 250 Quadratmetern haben die Polizisten Kleidungsstücke, Papiere und Alltagsgegenstände zum Trocknen ausgebreitet. Einer oder mehrere von ihnen soll sie zum Heilbronner Polizistenmörder führen.

Beate Z., die unter dringendem Tatverdacht der schweren Brandstiftung steht und sich am Dienstag stellte, hat während der Vernehmung beharrlich zu den Vorwürfen geschwiegen. Lediglich zu ihrer Person machte sie laut Zwickauer Oberstaatsanwalt Uwe Wiegner einige wenige Angaben: Sie sei 36 Jahre alt, arbeitslos und gelernte Gärtnerin.

Am Mittwochvormittag hatte es zunächst so ausgesehen, als stünde der mysteriöse Mord an der Heilbronner Polizistin Michele Kiesewetter aus dem Jahr 2007 kurz vor der Aufklärung. Die Tatwaffe, so erklärte der Stuttgarter Generalstaatsanwalt Klaus Pflieger, sei in der ausgebrannten Wohnung in Zwickau gefunden worden. Kiesewetter kam aus dem benachbarten Thüringen.

Auswertung der Waffen noch nicht abgeschlossen

Wie Pflieger zu seiner Einschätzung kam, ist dem Zwickauer Staatsanwalt schleierhaft. Zwar seien in der Wohnung mehrere Pistolen und ein Repetiergewehr gefunden worden, bestätigt er auf einer Pressekonferenz. Ob es sich bei einer dieser Waffen um die Tatwaffe handele, sei aber nicht sicher. Der Polizeibehördenleiter Jürgen Georgie springt ihm bei: Die Waffen seien durch das Feuer schwer beschädigt, zum Teil sei nur das Metall übrig und die Auswertung der Fundstücke dauere noch an.

So gut wie sicher ist allerdings eins: Die beiden mutmaßlichen Bankräuber, die sich nach einem Überfall auf eine Sparkasse in Eisenach in einem Wohnmobil das Leben nahmen, haben in den Jahren 2001, 2002 und 2006 wohl mindestens drei weitere Überfälle begangen. In der Wohnung haben die Ermittler Basecaps, Mundtücher und Parkas gefunden, die mit der von Überwachungskameras aufgezeichneten Erscheinung unbekannter Täter übereinstimmen. Die Querverbindung zum Heilbronner Polizistenmord zogen die Beamten, weil in dem ausgebrannten Wohnmobil der beiden Männer in Eisenach neben ihren Leichen angeblich auch die Dienstwaffen und weitere Utensilien der getöteten Polizistin und ihres schwer verwundeten Kollegen gefunden worden waren. Auch auf Bargeld stießen die Ermittler.

Drei oder vier Jahre sollen Beate Z. und die beiden Männer unter falschem Namen in der Frühlingsstraße 26 gewohnt haben - zur Untermiete bei einem Mann, der sich seit längerem nicht mehr in Zwickau aufhielt. Bewohner beschrieben die zurückgezogen lebenden Nachbarn als unauffällig. Hinweise auf rechtsextreme Überzeugungen haben die Ermittler in der zerstörten Wohnung bisher nicht gefunden. Allerdings bestätigte der Thüringer Innenminister Jörg Geibert, dass die mutmaßlichen Bankräuber und die 36-jährige Frau bis 1998 dem rechtsextremen "Thüringer Heimatschutz" zugerechnet wurden.

Brandbeschleuniger führte zur Explosion

In Zwickau konzentriert man sich derweil auf die Auswertung des Tatortes. "Wir stehen am Beginn eines Erkenntnisprozesses, der noch nicht abgeschlossen ist", fasst Behördenleiter Georgie den Stand der Ermittlungen zusammen. Sicher sei, dass das Feuer in dem Wohnhaus durch Brandbeschleuniger ausgelöst wurde und es bei der Verpuffung zur Explosion kam.

Fragen zum persönlichen Hintergrund der 36-Jährigen und ihrer beiden verstorbenen Mitbewohner lassen Wiegner und Georgie unbeantwortet. Vor dem 4. November, an dem die Wohnung brannte und sich die Männer das Leben nahmen, seien die Verdächtigen der Staatsanwaltschaft nicht bekannt gewesen. Zwar arbeite man eng mit den Ermittlern in Thüringen und Heilbronn zusammen, bestätigt Georgie, doch es gebe kein übergeordnetes Ermittlungsteam. Die Polizei hofft, dass Beate Z. doch noch ihr Schweigen bricht, und die Auswertung der verbrannten Fundstücke aus der Wohnung die entscheidenden Beweise bringen.

mit Agenturen