VG-Wort Pixel

Joao Manuel Diogo Rassistischer Mord in der DDR? Staatsanwaltschaft prüft Ermittlungen

Diogo ist 1986 aus einem Zug der DDR Reichsbahn auf die Gleise gestürzt und gestorben (Symbolbild)
Diogo ist 1986 aus einem Zug der DDR Reichsbahn auf die Gleise gestürzt und gestorben (Symbolbild)
© Roland Hottas / Picture Alliance
1986 liegt die Leiche des Mosambikaners Joao Manuel Diogo an der Bahnstrecke Dessau-Berlin. Die offizielle Version in der DDR: ein Unfall. 34 Jahre später geht die Staatsanwaltschaft Potsdam dem Fall nach.

Der Tod des mosambikanischen DDR-Vertragsarbeiters Joao Manuel Diogo, der bis heute nicht geklärt ist, wird nun von der Staatsanwaltschaft Potsdam untersucht. Das teilte das brandenburgische Justizministerium in Potsdam auf eine Anfrage aus der Linke-Landtagsfraktion mit.

Der Afrikaner war am 30. Juni 1986 an der Bahnstrecke Dessau-Berlin tot neben dem Gleisbett aufgefunden worden. "Höhe Bahnhof Borne wurde männliche Leiche aufgefunden. Kopf und Beine abgefahren. Es handelt sich um eine Person mit dunkler Hautfarbe“, hat die Transportpolizei laut "Leipziger Volkszeitung" damals notiert. Laut dem Historiker Harry Waibel ergab die Obduktion eine offene Schädelfraktur mit Zertrümmerung der Schädelbasis und schwere innere Verletzungen. Außerdem habe die Alkoholbestimmung beim Toten im Blut 1,4 Promille und im Urin 1,8 Promille ergeben.

Unfall oder von Nazis getötet?

Die zuständige Bezirksverwaltung des Ministeriums für Staatssicherheit (BVfS) sei zu dem Schluss gekommen, dass Diogo aus dem Zug gefallen sein könnte. Anhaltspunkte für eine Straftat lägen nicht vor. Laut Waibel wurde der Sarg mit Diogos zerstückeltem Leichnam geschlossen nach Mosambik überführt und auch dort nicht mehr geöffnet. 

Doch spätestens seit 2017 gibt es Zweifel, dass Diogos Tod tatsächlich ein Unfall war. Denn Julio Gonçalo Braga, der letzte Botschafter von Mosambik in der DDR, sagte dem TV-Magazin "MDR-exakt", DDR-Offizielle hätten ihm mitgeteilt, dass Diogo im Zug von Neonazis getötet worden sei. Das deckt sich mit Aussagen von Freunden, die mit ihm unterwegs waren. Ihnen zufolge war er im Zug von Neonazis zusammengeschlagen und an den Füßen gefesselt aus dem Zug geworfen worden.

Sachsen-Anhalt, Sorge: Blick durch den alten Grenzzaun auf einen ehemaligen Wachturm im Grenzmuseum

Rassistische Attacken in der DDR?

Warum die DDR-Behörden den Fall als Unfall dargestellt hatten, erklärt Waibel im Interview mit der "Leipziger Volkszeitung": "Bis 1989 war die zentrale Doktrin, dass jegliche Konflikte mit Ausländern der Geheimhaltung unterstanden. Es gab offiziell keine Probleme und schon gar keine rassistischen Attacken von DDR-Bürgern auf Vertragsarbeiter." Dabei gibt es etwa auch einen Fall in Merseburg (Sachsen-Anhalt), wo im August 1979 kubanische Vertragsarbeiter getötet wurden.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft will prüfen, ob es Anhaltspunkte für ein Ermittlungsverfahren gibt. Dann könnte der Tod von damals doch noch aufgeklärt werden.

Quellen: DPA, Landtag Brandenburg, "Mobile-Opferberatung.de"MDR "Schuld ohne Sühne", "mdr.de", MDR-Video "Rassismus in der DDR nicht aufgearbeitet", "Leipziger Volkszeitung".

tkr / mit DPA

Mehr zum Thema



Newsticker